Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg

Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg
Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg 2017 – Bergstation
Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg 2017 – Bergstation
Streckenlänge:0,200 km
Spurweite:1800 mm
Maximale Neigung: 197 
Höchstgeschwindigkeit:25,2 km/h
Halt… – Streckenanfang
0,0 Pfaffenthal (Bahnhof)
Tunnel
Betontunnel (Doppeltunnel, 67 m lang, 21 m breit)
Halt… – Streckenende
0,20 Kirchberg-Plateau

Die Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg (franz.: Funiculaire Pfaffenthal-Kirchberg) ist eine in Luxemburg verkehrende Standseilbahn, die am 10. Dezember 2017 eröffnet wurde.

Sie verbindet den 2017 neu geschaffenen Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg mit dem Plateau von Kirchberg und wird von den Chemins de Fer Luxembourgeois (CFL) betrieben. Die Seilbahnanlage befindet sich neben der Großherzogin-Charlotte-Brücke (auch: Pont Grand-Duchesse Charlotte, im Volksmund Rout Bréck / Rote Brücke / Pont Rouge genannt).

GeschichteBearbeiten

 
Talstation und Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg (2019). Im Hintergrund rot, die Großherzogin-Charlotte-Brücke

2020 soll in Luxemburg ein Verkehrsanteil von 25 % für den öffentlichen Verkehr erreicht sein.[1] Durch diese Projekte – Bahnhof Pfaffenthal-Kirchberg, Standseilbahn und Straßenbahn Kirchberg-Altstadt – soll ein weiterer wichtiger Beitrag zur Nahverkehrsmobilität und dessen erhöhter Attraktivität geschaffen, der Hauptbahnhof Luxemburg entlastet und die Fahrzeiten für Fahrgäste, die von Ettelbrück und Esch an der Alzette anreisen, wesentlich verkürzt werden.[2]

Am 12. September 2011 wurde das Projekt erstmals als Studie der Öffentlichkeit präsentiert. 2013 und 2014 erfolgten Vorprojektstudien. Im Mai 2015 begannen die umfangreichen Erdarbeiten und im März 2016 folgte die Konstruktion der Strecke. Im August 2016 konnten die Gleise verlegt werden. Februar 2017 erfolgte die Fertigstellung der Bauarbeiten der Talstation und im März die Lieferung der Standseilbahnkabinen (Wagen). Der Rohbau der Bergstation wurde im Juli 2017 fertiggestellt. Am 10. Dezember 2017 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme.[1]

Anlagen- und StreckenbeschreibungBearbeiten

 
Doppelstandseilbahnanlage mit Tunnel und Abtsche Weiche

Die Standseilbahn Pfaffenthal-Kirchberg besteht aus zwei parallel geführten, voneinander unabhängigen Standseilbahnen mit jeweils zwei Fahrzeugen im Gegenbetrieb, welche von der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe geplant und hergestellt wurden. In Anbetracht der für urbanen Nahverkehr angestrebten hohen Verfügbarkeit (98 %) ist das Konzept von zwei parallelen Anlagen entstanden. Hauptvorteile indes sind vor allem der gleitende Personenfluss, geringste Wartezeiten, Redundanz... Beide Anlagen können im vollautomatisierten und synchronisiertem Fahrplanmodus betrieben werden.

Die zweigleisige Strecke ist 200 m lang und hat eine Spurweite von je 1800 mm. In der Mitte jeder der beiden Strecken befindet eine Ausweichstelle mit einer Abtschen Weiche, eine starre Weiche, an der sich der berg- und der talfahrende Wagen passieren. Die Bahn überwindet bei einer Maximalneigung von 19,7 % einen Höhenunterschied von etwa 39 m. Kurz nach der Talstation Pfaffenthal befinden sich zwei miteinander verbundene Tunnel.

Die Talstation Pfaffenthal der Standseilbahn und die Haltestation der Eisenbahn befinden sich im selben Gebäude auf zwei verschiedenen Ebenen. Die Bergstation Kirchberg und die Haltestelle der neu errichteten Straßenbahn „Stater Tram“ befinden sich auf derselben Ebene.

Die Fahrzeit beträgt, je nach Fahrrhythmus 63 Sekunden und die Wagen halten jeweils 105 Sekunden in den Seilbahnstationen zum Ein- und Aussteigen.

Die maximale Fahrgeschwindigkeit beträgt je Seilbahnanlage 7 m/s. Je Seilbahnanlage können stündlich 3000 (3600) Personen transportiert werden (Gesamt somit 6000 P/h, im verdichteten Betrieb 7200 P/h).

Auf der gesamten Strecke wurden die Schienen wegen der Lärmentwicklung vollelastisch befestigt. Die Aggregate für die Bremshydraulik wurden mit leisen Pumpen ausgerüstet und bei Motoren und Getrieben wurde bewusst auf Fremdlüfter verzichtet.

Die Seilbahnanlagen sind Teil des öffentlichen Nahverkehrs in Luxemburg und täglich in Betrieb.

Die Benutzung ist kostenlos.[3]

Die Gesamtkosten der Anlage (Stationsgebäude, Haltestelle Pfaffenthal-Kirchberg, Standseilbahn und Straßenbahn Kirchberg) wurden auf über 96 Millionen Euro geschätzt. Diese Kostenschätzung wurde schlussendlich um etwa 20 % unterschritten.[4][5]

Nach einjährigem Betrieb wurden 1'500'000 Fahrgäste zwischen der Zughaltestelle Pfaffenthal und dem Stadtviertel Kirchberg mittels der beiden Standseilbahn-Anlagen A und B transportiert. (Durchschnitt – Stand November 2018: Werktags 7500 Fahrgäste, Wochenendtags 2000 Fahrgäste)

FahrzeugeBearbeiten

Die beiden Wagen jeder Anlage wurden von dem Unternehmen CWA Constructions SA (CWA)[6] hergestellt und sind durch ein Zugseil aus Stahl miteinander verbunden. Das Zugseil (Durchmesser von 30 mm der Machart SEALE) jeder Anlage wird in der Bergstation Kirchberg angetrieben und umgelenkt. Die Anlage besitzt wegen des konstanten Gefälles kein Gegenseil. Die Wagen werden über die Seile beschleunigt und abgebremst. Zur Anpassung an die Neigung der Strecke sind Wagen zur Talstationseite hin erhöht angelegt. Die insgesamt vier Wagen der beiden Standseilbahnen haben eine Kapazität von je 168 Personen im Normalbetrieb bzw. 172 Personen im verdichteten Betrieb.

Die vier Wagen sind jeweils 11,8 m lang, 3,5 m breit und zwischen 2,6 (bergseitig) und 4,7 m (talseitig) hoch. Jeder Wagen wiegt leer etwa 18 Tonnen.[7]

Aufgrund der gewählten Bauform der Wagen mit einer einzigen Ebene und rollstuhlgeeigneten Übergängen sind die Wagen für Personen mit eingeschränkter Mobilität benutzbar, sowie von Radfahrern sehr geschätzt.[1]

AntriebstechnikBearbeiten

Im Normalbetrieb wird die Bahn vollautomatisch, vom Maschinisten in der Bergstation überwacht, elektrisch beschleunigt und gebremst. Der Antrieb besteht aus Frequenzspannungs-Umrichter, Drehstromasynchronmaschine betrieben im Vierquadrantenbetrieb (Links/Rechts + Motor-Generator), Blockgetriebe, Notantrieb, Antriebs und Gegenscheiben.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Construction de la gare Kirchberg-Pfaffenthal et d'un funiculaire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Arrêt Pfaffenthal-Kirchberg (Pont Rouge). (Memento vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive), Portail du Développement durable et des Infrastructures - Grand-Duché de Luxembourg.
  2. Eine Tramfahrt, die ist lustig. In: Luxemburger Wort. 25. August 2017 und In 366 Tagen fährt der "Funiculaire". In: Luxemburger Wort. 9. Dezember 2016 sowie Bitte einsteigen: Am 10. Dezember 2017 wird es ernst. In: Luxemburger Wort. 16. Mai 2016, alle zuletzt abgerufen am 24. November 2017.
  3. In 63 Sekunden auf den Kirchberg, diegrenzgaenger.lu, 5. April 2017, zuletzt abgerufen am 24. November 2017.
  4. Die Tram fährt! In: Luxemburger Wort. 10. Dezember 2017, zuletzt abgerufen am 10. Dezember 2017.
  5. Eine Tramfahrt, die ist lustig. In: Luxemburger Wort. 25. August 2017, zuletzt abgerufen am 24. November 2017.
  6. Karosseriebauunternehmen in Olten, Schweiz, zur Doppelmayr/Garaventa Group gehörend.
  7. Technische Daten gemäß: Arrêt Pfaffenthal-Kirchberg (Pont Rouge). (Memento vom 1. Dezember 2017 im Internet Archive), Portail du Développement durable et des Infrastructures - Grand-Duché de Luxembourg, zuletzt abgerufen am 24. November 2017.

Koordinaten: 49° 37′ 8,3″ N, 6° 8′ 0,6″ O