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Aufrechter Ziest

Art der Gattung Zieste
(Weitergeleitet von Stachys recta)
Aufrechter Ziest
Aufrechter Ziest (Stachys recta)

Aufrechter Ziest (Stachys recta)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Zieste
Art: Aufrechter Ziest
Wissenschaftlicher Name
Stachys recta
L.

Der Aufrechte Ziest (Stachys recta), auch Heide-Ziest oder Berg-Ziest genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Zieste (Stachys) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Inhaltsverzeichnis

TrivialnamenBearbeiten

Andere Trivialnamen im deutschsprachigen Raum neben Aufrechter Ziest, Heide-Ziest oder Berg-Ziest sind oder waren Abnehmkraut (Berner Oberland), Badekraut (Schlesien), Berufkraut (Elsass), Beschreikraut (Henneberg, Schmalkalden), Flussgesparkraut (Salzburg), Fuhrkraut (Linz), Gliedkraut, Rossnessel, Zeisskraut, Zeisgenkraut (Harz, Thüringen, Schlesien), Ziess.[1]

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration
 
Behaarter, kantiger Stängel und Scheinquirl
 
Zygomorphe Blüte im Detail

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Der Aufrechte Ziest wächst als sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze, oder selten auch als Zwergstrauch und erreicht Wuchshöhen von meist 25 bis 40, selten bis zu 70 Zentimetern. Der kräftige, kantige Stängel ist einfach oder vom Grunde an ästig verzweigt. Die grünen Pflanzenteile sind dicht anliegend rau oder etwas drüsig behaart.

Von den gegenständig am Stängel angeordneten Laubblättern sind die unteren kurz gestielt und die oberen sitzend. Die an ihrer Basis abgerundete Blattspreite ist mit einer Länge von 2 bis 5 Zentimetern und einer Breite von 0,5 bis 2 Zentimetern eiförmig-spatelig bis länglich-lanzettlich. Der Blattrand der unteren Laubblätter ist gesägt bis entfernt gekerbt und der der oberen mehr oder weniger glatt.

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober. Die Blüten sitzen zu sechst bis zehnt in Scheinquirlen zusammen. Zwei bis fünf, bis selten acht Scheinquirle befinden sich in einer unterbrochenen, verlängerten, 1 bis 2 Zentimeter langen Scheinähre. Es können sehr kleine, borstenartige Vorblätter vorhanden sein.

Die zwittrige Blüte ist zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Der 5 bis 10 Millimeter lange Kelch ist rauhaarig mit kahl-stachelspitzigen, vorgestreckten Zähnen, mit kahlen, stechenden Grannenspitzen. Die Krone ist blass-gelb bis gelblich-weiß.

Die Teilfrüchte der Klausen sind etwa 2 Millimeter lang, rundlich, kastanienbraun gefärbt und glatt oder sehr fein punktiert.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32 oder 34.[2]

ÖkologieBearbeiten

Der Aufrechte Ziest ist ein Hemikryptophyt (Schaftpflanze). Er überwintert durch Sprosse, die sich an dem verzweigten Rhizom bilden und dann zu mehreren nebeneinander zu Luftsprossen auswachsen. Er wurzelt bis 2 Meter tief.[2] Die schmalen Runzelblätter und die bis 1 Meter tief reichenden Wurzeln sind eine Anpassung an trockene Standorte.

Die gelblich-weißen Blüten besitzen ein purpurfarbenes Saftmal. Sie sind streng vormännlich und nektarreich, doch auch der Pollen lockt Insekten an. Besucher sind Bienenverwandte. So kann man z. B. braunschwarz gefärbte, knapp 1 Zentimeter große Wildbienen aus der Gattung der Schlürfbienen (Rophites) auf den Blüten beobachten, die mit ihrem Kopf den Pollen unter vibrierenden Bewegungen heraus reiben.

Die Ausbreitung der Klausenfrüchte erfolgt über den Mechanismus als Tierstreuer; auch Bearbeitungsausbreitung durch Vögel ist möglich.

 
Habitus, Laubblätter und Blütenstand

VorkommenBearbeiten

Der Aufrechte Ziest ist ein submediterranes Florenelement. Er kommt von Spanien bis Kleinasien und zum Kaukasusraum vor; in nördlicher Richtung reichen die Vorkommen bis Belgien. In Österreich ist er im pannonischen Gebiet und im Süden häufig, sonst zerstreut zu finden. In der Schweiz ist er in den wärmeren Gebieten verbreitet und häufig anzutreffen.

Stachys recta ist im südlichen Muschelkalk und Juragebirge verbreitet bis häufig anzutreffen. Darüber hinaus meist nur selten und verschleppt. Der Aufrechte Ziest wächst an Weg- und Ackerrändern, auf Halbtrocken- und Trockenrasen und an Felshängen. Nördlich der Alpen gedeiht er am besten auf kalkhaltigen und mäßig trockenen Böden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Festuco-Brometea-Klasse, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Geranion sanguinei, Erico-Pinion oder Berberidion vor oder der Ordnung Quercetalia pubescentis.[2]

SystematikBearbeiten

Die Erstveröffentlichung von Stachys recta erfolgte 1767 durch Carl von Linné in Mantissa Plantarum, 1, Seite 82.[3] Synonyme für Stachys recta L. sind: Betonica recta (L.) Baill., Ortostachys recta (L.) Fourr., Prasium stachys E.H.L.Krause nom. illeg.[4] Das Artepitheton recta bedeutet aufrecht.

Von Stachys recta gibt es folgende Unterarten:[4]

  • Stachys recta subsp. baldaccii (K.Malý) Hayek: Sie kommt nur auf der westlichen Balkanhalbinsel vor.[4]
  • Stachys recta subsp. doerfleri (Hayek) Hayek: Sie kommt in Albanien vor.[4]
  • Stachys recta subsp. labiosa (Bertol.) Briq. (Syn.: Stachys labiosa Bertol.), mit 7 bis 11 mm langem Kelch, einer 7 bis 12 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die 7 bis 10 mm breit und gekerbt sind. Diese Unterart kommt in den Alpen, den Apenninen und auf der Balkan-Halbinsel vor.[4][5] Die Chromosomenzahl ist 2n = 34.[6]
  • Stachys recta subsp. olympica Stoj. & Jordanov: Sie kommt in Griechenland vor.[4]
  • Stachys recta L. subsp. recta, mit 5 bis 7 mm langem Kelch, einer 5 bis 7 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die 5 bis 20 mm breit und gekerbt oder gekerbt-gesägt sind. Diese Unterart kommt im gesamten Verbreitungsgebiet der Art vor, von Europa bis zum Kaukasus.[4][5] Die Chromosomenzahl ist 2n = 34.[6]
  • Stachys recta subsp. rhodopaea (Velen.) Chrtek: Sie kommt in Bulgarien vor.[4]
  • Stachys recta subsp. subcrenata (Vis.) Briq. (Syn.: Stachys subcrenata Vis., Stachys recta subsp. serpentini (Fiori) Arrigoni), mit 7 bis 11 mm langem Kelch, einer 7 bis 12 mm langen Blüten-Unterlippe und oberen Laubblättern, die nur 1 bis 6 mm breit und ganzrandig oder nur schwach gekerbt sind. Diese Unterart kommt von Südost-Europa bis zur westlichen Türkei und von Transkaukasien bis zum nordwestlichen Iran vor.[4][5] Die Chromosomenzahl ist 2n = 34.[6]
  • Stachys recta subsp. tenoreana Bornm.: Sie kommt in Italien vor.[4]

Nutzung als HeilpflanzeBearbeiten

Im Altertum soll diese Pflanze als „Sideritis“ zu verschiedenen Heil- und magischen Zwecken verwendet worden sein. Besonders soll sie auch der Heilung von Hieb- und Stichwunden gedient haben. Gladiatoren im Römischen Reich sollen die Pflanze als Amulett getragen haben. In Osteuropa wird die Pflanze nach Abkochen zum Baden der Kinder gebraucht, um sie gegen verschiedene Krankheiten, aber auch gegen „magische Einflüsse“ zu schützen.

QuellenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Pteridophyta, Spermatophyta. 2. Auflage. Band V. Teil 4: Angiospermae: Dicotyledones 3 (4) (Labiatae – Solanaceae). Carl Hanser bzw. Paul Parey, München bzw. Berlin/Hamburg 1964, ISBN 3-489-78021-3 (unveränderter Nachdruck von 1927 mit Nachtrag).
  • Konrad von Weihe (Hrsg.): Illustrierte Flora. Deutschland und angrenzende Gebiete. Gefäßkryptogamen und Blütenpflanzen. Begründet von August Garcke. 23. Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1972, ISBN 3-489-68034-0.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Eugen Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
  • Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  • Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Unter Mitarbeit von Theo Müller. 6., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1990, ISBN 3-8001-3454-3.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Stachys recta L., Aufrechter Ziest. In: FloraWeb.de.
  • Margot Spohn, Marianne Golte-Bechtle: Was blüht denn da? Die Enzyklopädie: über 1000 Blütenpflanzen Mitteleuropas. Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10326-9.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, S. 388.
  2. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 806.
  3. Stachys recta bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 2. Oktober 2018.
  4. a b c d e f g h i j Rafaël Govaerts (Hrsg.): Stachys recta. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 2. Oktober 2018.
  5. a b c Peter William Ball: Stachys L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 155 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. a b c Stachys recta bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. Louis

WeblinksBearbeiten

  Commons: Aufrechter Ziest (Stachys recta) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien