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St. Viktor (Poschiavo)

römisch katholische Stiftskirche in Poschiavo
St. Viktor in Poschiavo
Westportal
Blick zum Altar
Altar
Kreuzgewölbe
Orgel

Die als Kulturgut[1] geschützte römisch-katholische Stiftskirche St. Viktor (auch San Vittore Mauro, San Vittore oder Chiesa collegiata cattolica di San Vittore) steht im Ortszentrum in der Gemeinde Poschiavo[2] in Graubünden (Schweiz) in der Talschaft Puschlav (italienisch Val Poschiavo) im Bistum Chur.[3] Die Kirche ist Victor von Mailand gewidmet, der auch Schutzpatron von Poschiavo ist.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Der Kirchenbau wurde im Kern im 12. Jahrhundert begonnen (Frühmittelalter), die Mauern des Kirchenschiffs stammen wahrscheinlich aus dem Spätmittelalter. Der Turm wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Die Kirche wurde immer wieder umgebaut und erweitert, wobei 1653 die Bautätigkeit im Stil des Barocks im Wesentlichen beendet wurde. Im späten 17. Jahrhundert wurde eine Sakristei angebaut, die Schnitzereien am Westtor stammen aus dem Jahr 1700. Der Innenraum wurde nochmals 1902 und 1903 neugotisch umgestaltet. 1975 und 2003 wurde die Kirche aussen renoviert, von 1988 bis 1989 innen. Dabei wurde immer wieder versucht, den ursprünglichen Charakter des Gotteshauses zu erhalten bzw. wiederherzustellen.[4]

GebäudeBearbeiten

AussenBearbeiten

Die im Wesentlichen spätgotische Stiftskirche St. Viktor mit romanischem Turm ist zusammen mit der nahe gelegenen barocken reformierten Kirche von Poschiavo (1649/1685) als charakteristisches Ensemble für den Ort bestimmend. Das Kirchenschiff wird von aussen durch die mittelgrauen, abgestuften, farblich zum beigen Grundton der Kirche kontrastierenden Strebepfeiler und mittelgrauen Spitzbogenfenster dominiert. Die abgestuften Strebepfeiler reichen bis zur Dachkante und enden mit einem pyramidenartigen Aufbau. Über dem sandsteingefassten Westtor mit einer reich im barocken Stil geschmückten, geschnitzten Türe befindet sich ein grosses Rosettenfenster. Der abgesetzte polygonale Chor weist abgestufte, gelbe Strebepfeiler auf, die unter der Dachkante enden.

Der romanische Turm ist sichtbar älteren Datums als das Kirchenschiff und aus Natursteinen mit einer nach oben ansteigenden Anzahl von Schallöffnungen gebaut. Der letzte Stock des Glockenturms ist mit gekreuzten Bögen geschmückt. Drei Seiten des Turmes weisen in Höhe der mittleren Schallöffnungen eine Uhr mit aufgemaltem Ziffernblatt mit römischen Ziffern auf. Südlich ist eine zweigeschossige Sakristei angebaut. Das Dach der Kirche (Satteldach) und des Turmes (Zeltdach) ist mit Schiefertafeln eingedeckt.

InnenBearbeiten

Das Kirchenschiff und den Chor dominiert ein Kreuzrippengewölbe. Hochaltar und Seitenaltäre stammen von Theodor Schnell dem Jüngeren (1902–1904). Eine farbige und mit reichen Schnitzereien verzierte Kanzel mit einem «gekrönten» Schalldeckel steht an der Südseite des Kirchenschiffs. Über dem Westportal befindet sich eine farbige, mit Ornamenten versehene, an drei Seiten freie und auf zwei Säulen ruhende Empore mit der heutigen Orgel. Bereits um 1800 soll sich in der Kirche eine Orgel befunden haben. 1889 wurde eine mechanische Kegelladenorgel von Friedrich Goll aus Luzern mit 20 Registern auf 2 Manualen und Pedal (Opus 83) eingebaut, welche das alte Instrument ersetzte. Diese Orgel stand noch neben dem Chor. Erst 1904 wurde die Orgel an die Westwand über dem Westportal versetzt. Der gleichzeitig durchgeführte Umbau der Orgel betraf auch das Gehäuse. Weitgehend weiter verwendet wurden die alten Pfeifen. 1991 erfolgte die letzte Sanierung durch Orgelbau Felsberg AG aus Felsberg. Die Trakturen wurden wieder mechanisiert. Prospekt und Gehäuse von Goll wurden beibehalten.[5]

In der Kirche befindet sich eine Platte zur Erinnerung an Edgar Aristide Maranta (1897–1975), Kapuziner, Missionar und römisch-katholischer Erzbischof von Daressalam in Tansania.

LiteraturBearbeiten

  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 547–553.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Chiesa collegiata di San Vittore Mauro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. KGS-Nr: 3142.
  2. Via dal Pedriöl 135, Poschiavo, Schweiz.
  3. Siehe auch: Römisch-katholische Kirche in der Schweiz.
  4. Stiftskirche San Vittore auf graubuendenkultur.ch
  5. Collegiata S. Vittore Mauro/Poschiavo GR, Website Orgelverzeichnis Schweiz und Liechtenstein.

Koordinaten: 46° 19′ 33,8″ N, 10° 3′ 29,9″ O; CH1903: 801709 / 133886