Sportphilosophie

Sportphilosophie ist ein Teilbereich der Sportwissenschaft und fasst verschiedene philosophische Forschungsrichtungen zusammen, die sich mit dem Thema Sport auseinandersetzen und dessen Wesen, Funktion und Besonderheiten untersuchen. Hierzu gehört Sportforschung aus ontologischer, historisch-materialistischer, sozialkritischer, handlungsanalytischer und strukturell-ethnologischer Perspektive. Dabei gibt es verschiedene Überschneidungen mit anderen Teilbereichen der Sportwissenschaft, vor allem der Sportsoziologie, Sportpsychologie und Sportethik.

Ursprung und Sinn von SportBearbeiten

Die Sportphilosophie sucht u. a. auch nach dem Ursprung und dem Sinn von Sport. Sport hat seinen Ursprung in der Evolution des Lebens, als sich die Fähigkeit entwickelte, die eigene Bewegung willentlich zu steuern. Heute erfüllt Sport die folgenden Funktionen, die ihm zugleich seinen Sinn geben:

  • im Spitzensport
    • der Allgemeinheit Vorbilder für die Erbringung von Spitzenleistungen und Resilienz bei Rückschlägen zu präsentieren, die nicht nur im Bereich Sport inspirierend sein können
    • durch die Erfolge, und sogar durch Misserfolge, von einzelnen Sportlern und Vereinen aus der eigenen Region eine Identifikation mit dieser Region zu stärken
    • durch Berichterstattung über Sportereignisse die Bekanntheit einer Region über diese hinaus zu fördern
    • physiologische und neurologische Erkenntnisse zu fördern, die im Spitzensport besonders auffällig werden können (z. B. bei den Zusammenhängen von Erfolgen und Misserfolgen und der Ausschüttung von Botenstoffen)
  • im Breitensport
    • durch Bewegung die körperliche Fitness der Bevölkerung zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen
    • die Integration von Zugewanderten durch gemeinsame Sporterlebnisse zu fördern
    • Erfolgserlebnisse/Selbstwirksamkeitserlebnisse zu schaffen, die sich auch auf andere Bereiche motivierend auswirken können
    • besonders bei Mannschaftssportarten und im Kampfsport den fairen Umgang zu trainieren

Damit liegt der Sinn des Sports nicht im Siegen an sich, sondern in den darüber hinaus gehenden Effekten. Die Beschäftigung mit Sportphilosophie hilft dem Sportler bei der Verarbeitung von Niederlagen.

ChancengerechtigkeitBearbeiten

Auch bei der Zulassung von Sportlern mit Prothesen bei Wettbewerben für nicht behinderte Sportler bestehen sportphilosophische Fragestellungen hinsichtlich der Berücksichtigung möglicher Vor- und Nachteile von Prothesen. Einerseits soll die Inklusion von Sportlern mit Behinderungen gefördert werden. Andererseits bestehen ethische Konflikte, wenn die Zulassung von Vorteil verschaffenden Prothesen Anreize gibt körperliche Einschränkungen herbeizuführen. Öffentliche Diskussionen hierzu wurden bei dem südafrikanischen Sprinter und Olympiateilnehmer Oscar Pistorius und dem deutschen Sportler Markus Rehm geführt. Sportphilosophische Fragen stellen sich auch in Fällen wo Spitzensportlerinnen bei Schwangerschaften Nachteile bei bestehenden Sponsoringverträgen hinnehmen müssen[1] oder ob von intersexuellen Sportlerinnen die medikamentelle Herabsenkung ihres Testosteronspiegels verlangt werden kann, damit sie bei Frauenwettbewerben zugelassen werden können.[2] Letzteres hat der Internationale Sportgerichtshof im Jahr 2019 von der intersexuellen 800-Meter-Läuferin Caster Semenya verlangt.

LiteraturBearbeiten

  • Herbert Haag (Hrsg.): Sportphilosophie – Ein Handbuch, Schorndorf 1996
  • Volker Caysa: Sportphilosophie; Reclam Leipzig, 1997, ISBN 9783379015783
  • Elk Franke: Sportphilosophie in Deutschland nach 1945 (verfügbar als PDF-Datei)
  • Volker Caysa: Körperutopien. Eine philosophische Anthropologie des Sports.; Campus Verlag Frankfurt am Main/New York, 2003, ISBN 9783825812027
  • Henning Eichberg: Bodily Democracy – Towards a Philosophy of Sport for All. London und New York: Routledge 2010
  • Henning Eichberg: Do we need an existential philosophy of the railway? Why then a philosophy of sport? In: Sport, Ethics and Philosophy 8(2014), 1, 77 – 84
  • Interview mit Prof. Dr. Joachim Bauer, "Unbewusste Siegeshemmungen" – Wirkung des Hirns im Sport, FAZ online, 7. März 2013

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Michael Reinsch, Frauen unter Laufzwang, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Mai 2019
  2. Evi Simeon, Was sind eigentlich Frauen?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Mai 2019

WeblinksBearbeiten

Portal: Sportwissenschaften – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Sportwissenschaften