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Sorelzement (auch bekannt als Sorelbeton) ist ein in den 1850er/1860er-Jahren vom Franzosen Stanislas Sorel entwickelter Säure-Base-Zement. Als Säure fungiert eine wässrige Magnesiumchloridlösung, als Base Magnesiumoxid (gebrannte Magnesia, MgO), welches in technischer Qualität als kaustisch gebrannter Magnesit (KM) bezeichnet wird.[1] Je nach Reaktivität des verwendeten Magnesiumoxids kommt es innerhalb von Minuten oder aber auch erst nach Stunden zu einem Erhärten des Gemisches:

5 MgO + MgCl2 + 13 H2O → 5Mg(OH)2·MgCl2·8H2O

Die entstehende Verbindung ist ein Magnesiumoxychlorid.

Magnesiazement verbindet sich gut mit organischen, porösen Substanzen wie Holz, Kork und Leder und konserviert diese.[2]

Inhaltsverzeichnis

VerwendungBearbeiten

Wohnungsbau und IndustrieBearbeiten

Sorelzement wird für die Herstellung von Industriefußböden und von – trocken anzuwendenden – Schleif- und Poliersteinen für die Marmorindustrie verwendet. Vorteilhaft ist die schnelle Festigkeitsentwicklung und die hohe Endfestigkeit, nachteilig die Auswaschbarkeit des Chlorids aus dem abgebundenen Zement bei Wassereinwirkung.

Im Deutschen Sprachraum werden solche Bodenbeläge als Magnesia- oder Magnesitbeläge bezeichnet. Gegenüber herkömmlichen zementgebundenen Estrichen kann Magnesiaestrich auch großflächig fugenlos verlegt werden, da er beim Abbinden wenig schrumpft.

Eine Variante der Magnesitestriche sind die als Steinholz bekannte Bodenbeläge. Sie wurden vor allem in der Nachkriegszeit viel im Wohnungsbau – aber auch für gering beanspruchte Böden im gewerblichen Bereich – verwendet. Dem Magnesitbinder bzw. Sorelzement werden erhebliche Mengen Holzmehl (Sägemehl) als Füllstoff beigefügt. Steinholzböden sind fußwarm und angenehm zu begehen, sie besitzen eine gewisse Elastizität.

Ein erheblicher Nachteil aller Magnesitbeläge ist die geringe Wasserbeständigkeit. Bei Durchfeuchtung quillt das Bindemittel und kann sich großflächig vom Untergrund lösen. Außerdem muss – wegen des im Binder enthaltenen Chlorids – Kontakt mit gegen Korrosion empfindlichen Metallen unbedingt vermieden werden. Auch rostfreier Edelstahl ist in der Regel nicht beständig gegenüber Chlorid.

Der österreichische Hersteller Heraklith bindet Holzwolle mit Sorelzement zur Herstellung von Leichtbauplatten (die aber auch mit herkömmlichem Grau- und Weißzement hergestellt werden).

Barrieren im Salzbergbau-AtommülllagerBearbeiten

Sorelzement wird in der Schachtanlage Asse für Strömungsbarrieren verwendet. Es wurden Mischanlagen in deren Nähe errichtet.[3] Baustoffe aus gewöhnlichem Zement werden im Laufe der Zeit durch wasserlösliche Salze zersetzt. Sorelbeton ist hingegen resistent gegenüber den lokal auftretenden Kalisalzen.

LiteraturBearbeiten

  • Alan D. Wilson, John W. Nicholson: Acid-base cements. Their biomedical and industrial applications. Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 0-521-37222-4, (= Chemistry of solid state materials 3).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 7. November 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.aktuelle-wochenschau.de
  2. Dipl.-Ing. Bonar Marbun: Kinetik der Hydratation von CaO und MgO, S. 9, Dissertation, Februar 2006, Fakultät für Natur- und Materialwissenschaften, Technische Universität Clausthal
  3. Betrieb (Memento vom 25. Juli 2013 im Internet Archive)