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Klassifikation nach ICD-10
K20 Ösophagitis
K21.0 Gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösophagitis
K21.9 Gastroösophageale Refluxkrankheit ohne Ösophagitis
R12 Sodbrennen
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Sodbrennen (griechisch und medizinisch veraltet Pyrosis; in der Schweiz auch Magenbrennen) beschreibt eine vom Oberbauch aufsteigende brennende und schmerzhafte Empfindung hinter dem Brustbein, die unter Umständen bis zum Hals und Rachen ausstrahlt, oft zusammen mit saurem oder bitterem Aufstoßen. Sodbrennen ist das Leitsymptom der gastroösophagealen Refluxkrankheit.

Etymologisch bedeutet das kaum noch verwendete Wort Sod „das Sieden, das Siedende“ und ist vom althochdeutschen sōd, gisōd sowie mittelhochdeutsch sōt „das Wallen, Sieden, siedende Flüssigkeit, Brühe, Brunnen“ herzuleiten.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ursachen und VerlaufBearbeiten

Der Schmerz wird meist durch den Rückfluss der stark sauren Magensäure in die Speiseröhre (Ösophagus) ausgelöst. Es kommt dabei zu einer Reizung der im Epithel der Speiseröhre eingelagerten Chemo-Schmerzrezeptoren durch H+-Ionen wegen der durch die Säure bedingten Lockerung der Zellverbindungen des Schleimhautepithels und damit erhöhter Durchlässigkeit im Zwischenzellenbereich.[2] Bitteres, galliges Aufstoßen kann aber auch auf einen Rückfluss aus dem Zwölffingerdarm hinweisen. Es kann als Begleitsymptom vor allem bei gesteigerter Aktivität des Darms (Motilitätsstörung) und nicht säurebedingt bei einer Schwächung der glatten Magenschließmuskulatur auftreten.[3] Sodbrennen kann durch einen nichtsauren Magenrückfluss entstehen, beispielsweise durch Nahrungsmittel und Getränke, auch verschiedene Mechanismen wie Refluxinduktion, lokale Irritation oder Reizschwellensenkung sind möglich.[2]

Nicht bei jedem Refluxereignis entsteht tatsächlich Sodbrennen. Die Symptomgenerierung ist abhängig von Ausmaß und Dauer des pH-Abfalls, vom Ausmaß der durch Säure angegriffenen Schleimhautfläche sowie von einer Sensibilisierung der Rezeptoren durch vorangegangenes Sodbrennen. Häufigkeit und Intensität können durch eine individuell unterschiedliche Säureempfindlichkeit sowie durch psychosoziale Faktoren wie Stress oder physische Begleiterkrankungen erheblich beeinflusst werden. Weiter scheinen Wechselwirkungen zwischen der chemischen und mechanischen Empfindlichkeit der Speiseröhre etwa durch eine Dehnung eine Rolle in der Entstehung zu spielen. Ferner kann es durch Entzündungsmediatoren zu einer Überempfindlichkeit der Chemo-Schmerzzellen kommen, die über zentrale Mechanismen verstärkt und räumlich ausgeweitet werden kann.[2]

Prävention und BehandlungBearbeiten

Saurer Reflux kann insbesondere nach fetthaltigem, säurehaltigem oder scharfem Essen oder Trinken auftreten, wie pfefferminzhaltigen Speisen, Kaffee-, Alkohol- oder Nikotinkonsum. Es kann sich im Liegen verstärken. Daher wird empfohlen, diese auslösenden Faktoren vor dem Schlafengehen zu vermeiden.[4]

Die medikamentöse Behandlung sollte von Änderung der Trink- und Essgewohnheiten begleitet werden. Schon die Reihenfolge und Art der Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle. Der Tag sollte mit einem Glas warmen Wasser beginnen, dem feste Nahrung folgt und erst dann sollten Orangensaft, Kaffee oder Alkohol getrunken werden. Zur Säurebindung und gegen Mundgeruch durch Gase kann Heilerde verwendet werden. Schonkost: keine stark säurehaltigen und süßen, scharf gebratenen und gewürzten, Blähung hervorrufenden Esswaren und Getränke. Zum Schutz der Magenwände kann Leinsamen- oder Haferschleim vor den Mahlzeiten eingenommen werden. In Abhängigkeit von der Ursache kann dies ausreichend sein.

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur Symptomminderung sind bei saurem gastroösophagealen Reflux Antazida, die als Puffer die Magensäure sofort neutralisieren. Aluminiumhaltige Antazida „sollten nur bei eindeutigen Indikationen und nur für einen therapeutisch sinnvollen Zeitraum ärztlich verschrieben werden“, da Aluminium neurotoxische Wirkungen hat[5] und die Möglichkeit nicht auszuschließen ist, dass eine Langzeitaufnahme Demenz vom Alzheimer-Typ hervorruft. Auch ein Zusammenhang mit anderen neurodegenerativen Erkrankungen wird diskutiert.[6][7] Eine kurzfristige, bedarfsweise Einnahme ist nach Kenntnisstand unproblematisch.[5]

Wichtigste Medikamentengruppe sind Protonenpumpenhemmer, welche die Bildung von Magensäure über die Hemmung der H+/K+-ATPase in den Belegzellen des Magens unterdrücken.[2] Dadurch wird der Reflux zwar nicht verhindert, aber die Speiseröhre wird nicht mehr durch den sauren Magensaft gereizt. Die Daueranwendung sollte unter Beachtung des Nebenwirkungspotenzials ärztlich überwacht werden.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Einnahme von Alginat, das sich als zäher Schaum über den Mageninhalt legt und auf diese Weise die Speiseröhre schützt.[8]

SchwangerschaftBearbeiten

Zwischen 40 % und 80 % aller Schwangeren sind, meist im letzten Trimester der Schwangerschaft, von Sodbrennen betroffen. Hauptursache für das Sodbrennen in der Schwangerschaft ist der gestörte Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen. Die schwangerschaftsbedingte Erhöhung der Hormone Progesteron und Östrogen führt dazu, dass der untere Schließmuskel der Speiseröhre weniger angespannt ist als vor oder nach einer Schwangerschaft. Dazu kommt infolge der wachsenden Gebärmutter ein erhöhter Druck in der Bauchhöhle, was die Verschlussfähigkeit des unteren Speiseröhrenschließmuskels zusätzlich mindert. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt dazu, dass vermehrt Magensäure in die Speiseröhre fließen kann. Linderung verschaffen kann das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, häufige kleine Mahlzeiten statt weniger reichhaltiger und allgemein das Meiden fettiger Speisen und Süßigkeiten. Zu Medikamenten sollte nur in ernsteren Fällen und in Rücksprache mit einem Arzt gegriffen werden.[9]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Sodbrennen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sodbrennen. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS).
  2. a b c d Christian Pehl, Wolfgang Schepp: online Wie entsteht Sodbrennen? Pathomechanismen und Einflussfaktoren. In: Deutsches Ärzteblatt. 2002
  3. Irmtraut Koop: Gastroenterologie compact: Alles für Klinik und Weiterbildung. Thieme, 2009, online in Google Bücher.
  4. Warum ein Verdauungsschlaf nicht unbedingt eine gute Idee ist. (Memento des Originals vom 29. September 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wissenschaft.de auf: wissenschaft.de, 29. Dezember 2005.
  5. a b Österreichisches Bundesministerium für Gesundheit (Juni 2014): Aluminium Toxikologie und gesundheitliche Aspekte. ISBN 978-3-902611-79-6.
  6. J. R. Walton: Chronic aluminum intake causes Alzheimer's disease: applying Sir Austin Bradford Hill's causality criteria. In: J Alzheimers Dis. Band 40, Nr. 4, 2014, S. 765–838, doi:10.3233/JAD-132204.
  7. Christopher Exley: Why industry propaganda and political interference cannot disguise the inevitable role played by human exposure to aluminum in neurodegenerative diseases, including Alzheimer’s disease. In: Front. Neurol. 27. Oktober 2014, doi:10.3389/fneur.2014.00212.
  8. Review article: alginate-raft formulations in the treatment of heartburn and acid reflux. In: Alimentary Pharmacology and Therapeutics. Band 14, Nr. 6, 2000, S. 669–690.
  9. E.-G. Loch, O. Leiss: Sodbrennen in der Schwangerschaft – nur ein Symptom? In: Gynäkologische Praxis. Band 26, 2002, S. 219–226.
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