Segeln (Kraftfahrzeuge)

Funktion, während der Fahrt mit Kfz den Verbrennungsmotor auszuschalten
Darstellung des Segelns mit Kraftfahrzeugen. Geschwindigkeit 50 km/h. Oberes Bild „Segeln“ (Motor aus), unteres Bild „Leerlaufsegeln“ (Motor läuft im Leerlauf). Mit herkömmlichem Fahrzeug manuell dargestellt.

Der Begriff Segeln beschreibt beim Kraftfahrzeug die Funktion, während der Fahrt den Verbrennungsmotor auszuschalten und vom Antriebsstrang abzukoppeln.[1] Dies hat den Vorteil, die vorhandene Bewegungsenergie zur Fortbewegung zu nutzen, anstatt sie in Form von Schleppleistung zu verlieren. In Hybridfahrzeugen ist diese Funktion Teil des Antriebskonzeptes, in die von der Motorsteuerung automatisch gewechselt wird.[1] In konventionellen Schaltfahrzeugen mit Verbrennungsmotor kann die Segelfunktion eingesetzt werden.[2] Der Stopp-Knopf zum Abstellen des Verbrennungsmotors wurde bereits auf der IAA 1979 vorgestellt,[3] wurde aber nicht zur Standardausstattung von Fahrzeugen. Die sogenannte eClutch (elektronische Kupplung) betätigt über einen Aktuator das Kupplungspedal, wenn der Fahrer vom Gaspedal geht, selbstständig.[4]

Im Gegensatz zum Start-Stopp-System, bei dem der Motor erst im Stand ausgeschaltet wird, erfolgt das Abstellen des Motors beim Segeln bereits beim Ausrollen.[2] Sicherheitsrelevante Funktionen wie Servolenkung oder Bremskraftverstärker sind über das Bordnetz abgesichert. Der Nutzen der Segelfunktion ist abhängig vom Fahrprofil einer Strecke. Es wird davon ausgegangen, dass im NEFZ bis zu 7 % Kraftstoff eingespart werden können, im Realverkehr bis zu 10 %.[2]

Automatisches SegelnBearbeiten

Beim sogenannten Leerlaufsegeln wird bei höheren Geschwindigkeiten der Antriebsstrang abgekoppelt, sobald der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt und nicht abbremst; der Verbrennungsmotor wird dabei nicht abgeschaltet und läuft im Leerlauf weiter.[5][6][7] Neben Segeln im Leerlauf wird bei Hybridfahrzeugen der Motor abgeschaltet, was den Verbrauch weiter reduziert.

Segeln mit einem konventionellen FahrzeugBearbeiten

Bei einer manuellen Kupplungsbetätigung kann die vorhandene Bewegungsenergie durch Treten der Kupplung ausgenutzt werden. Die Schubabschaltung wird durch den Standgaslauf aufgehoben. Wird die Zündung ausgeschaltet, hat das weitere Auswirkungen. Ein Abziehen des Zündschlüssels führt darüber hinaus zum Einrasten des Lenkradschlosses. Einige Fahrzeuge stellen die Funktion der Scheinwerfer oder Bremslichter ab, wenn die Zündung abgeschaltet ist. Bei Motorstillstand fällt der vom Unterdruck gespeiste Bremskraftverstärker nach mehrmaligem Betätigen der Bremse aus. Riemengetriebene Lenkhilfen (Servolenkung) fallen sofort aus. Echte Hybridfahrzeuge benutzen aus diesem Grund elektrische Lenkhilfen und elektrische Bremskraftverstärker. Schwere und höher verdichtende Motoren können beim unsanften Start über Kupplung des rollenden Fahrzeuges durch hohe Kräfte Schäden am Antriebsstrang verursachen. Ein höherer Gang verringert die Last auf dem Antriebsstrang. Durch die Zündung abgeschaltete Motorsteuergeräte verlieren die Speicher über den Drehwinkel des Motors und benötigen teils mehrere Umdrehungen der Nockenwelle um den Motor wieder mit Einspritzung und Zündzeitpunkt zu steuern. Beim Start kann durch Kaltstart kurzzeitig eine größere Menge Kraftstoff verbraucht werden als beim vergleichbaren Betrieb eines warmgelaufenen Motors.

Bei Fahrzeugen mit Wandler-Automatikgetrieben können beim Segeln Schäden entstehen. Das Starten durch Anschleppen ist nicht möglich, es muss der Anlasser betätigt werden. Bei einem Turbomotor kann Segeln zu Beschädigungen am Gleitlager des Turboladers führen, da dieser den Temperaturen der Auspuffgase ausgesetzt ist und über das Motoröl gekühlt wird.[8] Bei unsynchronisierten Getrieben, die Doppelkuppeln benötigen, kann der Gang nicht eingelegt werden, wenn die Motordrehzahl nicht der Fahrtgeschwindigkeit für diesen Gang nahe kommt.

Siehe auchBearbeiten

Einzelnachweise und AnmerkungenBearbeiten

  1. a b Konrad Reif, Karl E. Noreikat, Kai Borgeest: Kraftfahrzeug-Hybridantriebe. Vieweg + Teubner Verlag 2012, ISBN 978-383482-050-1. S. 16
  2. a b c bosch-presse.de Erweitertes Start/Stopp-System von Bosch spart noch mehr Kraftstoff (abgerufen am 14. September 2013)
  3. IAA 1979 - Porsche 928 S
  4. pressrelations.de Die eClutch spart Sprit und erhöht den Komfort (abgerufen am 19. September 2013)
  5. bmwgroup.com Pressemeldung vom 6. Mai 2013 (abgerufen am 15. September 2013)
  6. porsche.com@1@2Vorlage:Toter Link/www.porsche.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 10,7 MB) 911 (abgerufen am 15. September 2013)
  7. BMW bietet das Leerlaufsegeln im Automatikgetriebe, Porsche im Doppelkupplungsgetriebe an.
  8. https://www.youtube.com/watch?v=VKKT5yNQymQ