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Schwedische Reichsbank

Zentralbank von Schweden
Schwedische Reichsbank
Sveriges Riksbank
Hauptsitz Stockholm, Schweden
Gründung 17. September 1668
Präsident Stefan Ingves
Land Schweden
Währung

Schwedische Krone

ISO 4217 SEK
Währungsreserven SEK 538,4 Mrd. (2016)[1]
Website

riksbank.se

Vorgänger

Palmstruch-Bank

Liste der Zentralbanken

Die Schwedische Reichsbank (schwedisch Sveriges Riksbank) ist die Zentralbank Schwedens. Sie ist eine Behörde des schwedischen Reichstags und Mitglied im Europäischen System der Zentralbanken.

Die Reichsbank wird von einer Direktion geleitet, die aus sechs Mitgliedern besteht. Die Direktionsmitglieder werden vom Reichsbankausschuss (schwed. riksbanksfullmäktige) für sechs Jahre gewählt, wobei jährlich ein Mitglied gewählt wird. Die elf Mitglieder des Reichsbankausschusses werden vom Reichstag gewählt, wobei die Zusammensetzung des Ausschusses die politische Zusammensetzung des Reichstags widerspiegelt.

Die Schwedische Reichsbank hat die alleinige Verantwortung für die schwedische Geldpolitik, aber nicht für die Währungspolitik. Die allgemeinen Richtlinien für die Währungspolitik werden von der Regierung getroffen, die Reichsbank ist aber für deren Umsetzung verantwortlich. Die Reichsbank hat auch das Monopol auf die Emission von Banknoten und Münzen. In der Durchführung ihrer Aufgaben ist die Reichsbank selbständig und darf keine Weisungen entgegennehmen.

SitzBearbeiten

 
Hauptsitz der Reichsbank

Die Schwedische Reichsbank hat ihren Sitz in Stockholm. Die Zentrale ist im Riksbankshuset (Reichsbankgebäude) untergebracht. Das Gebäude wurde 1970 durch den Architekten Peter Celsing in brutalistischem Stil errichtet.

GeschichteBearbeiten

Die Schwedische Reichsbank ist die älteste noch existierende Zentralbank der Welt. Sie entstand durch die Übernahme der 1656 von Johan Palmstruch gegründeten Palmstruch-Bank oder Stockholms Bank. Die Bank von Palmstruch bekam 1656 das Recht, Banknoten herauszugeben. Aufgrund einer Überemission ab 1661 ging die Bank 1668 in Konkurs und wurde als Riksens Ständers Bank vom schwedischen Reichstag übernommen, um das Vertrauen in das Bankwesen wiederherzustellen.

Die Herausgabe von Banknoten wurde erst 1701 vorsichtig wieder aufgenommen. Im 19. Jahrhundert wurde auch Privatbanken erlaubt, Banknoten herauszugeben, die aber gegen Reichsbankscheine einlösbar waren. 1866 wurde der Name der Bank zu Sveriges Riksbank geändert. 1897 bekam die Reichsbank das Monopol auf die Emission von Banknoten, und von 1904 an galten nur mehr die Banknoten der Reichsbank als Zahlungsmittel. Damit übernahm die Reichsbank auch die Kontrolle über die Geldpolitik in Schweden.

1968 konnte die Reichsbank ihr 300-jähriges Bestehen feiern und stiftete zu diesem Anlass den Preis der Sveriges Riksbank für Wirtschaftswissenschaften, auch als Wirtschaftsnobelpreis bekannt, da er dem Gedenken von Alfred Nobel gewidmet ist und nach ähnlichen Kriterien wie die echten Nobelpreise vergeben wird.

Als erste Zentralbank der Welt hat die Schwedische Reichsbank 2009 einen Negativzinssatz beschlossen.[2]

Aktuelle EntwicklungBearbeiten

Die schwedische Krone ist nicht Teil des Wechselkursmechanismus (WKM) II, der auch als „Eurowarteraum“ bezeichnet wird. Am 14. September 2003 lehnte Schweden in einer Volksabstimmung mit 56,2 zu 41,8 Prozent[3] den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ab. Laut dem Beitrittsvertrag von Schweden zur EU muss das Land den Euro einführen und hat demnach keine Wahlmöglichkeit. Im Gegensatz dazu haben Großbritannien und Dänemark ein vertraglich vereinbartes Recht zum „Opt-Out“, also zum endgültigen Nichtbeitritt. Schweden verhindert derzeit die Einführung des Euro, indem das Land den Beitritt zum Wechselkursmechanismus (WKM) II nicht vollzieht und dadurch die Kriterien zum Einführen des Euro (absichtlich) nicht erfüllt.

Im April 2011 hat die Reichsbank die Motive der neuen Banknoten veröffentlicht, vorgesehen sind Porträts von Astrid Lindgren, Evert Taube, Greta Garbo, Ingmar Bergman, Birgit Nilsson und Dag Hammarskjöld. 2015 und 2016 wurden sie in zwei Etappen eingeführt, hinzu kamen Münzen.[4] Lediglich die 10-Kronen-Münzen behalten ihre Gültigkeit. Seit Oktober 2015 gibt es eine 200-Kronen-Banknote. Außerdem werden ab Oktober 2016 zum ersten Mal seit 1971 Zwei-Kronen-Stücke ausgegeben.

Im internationalen Vergleich ist die Menge an Bargeld im Land gering. Es sind (Stand 2018) nur noch 57 Milliarden Kronen im Umlauf. Weniger als 20 Prozent der Transaktionen werden mit Bargeld getätigt, während es in Deutschland über 75 Prozent sind. Zahlreiche Bankfilialen und Geschäfte arbeiten ausschließlich mit elektronischen Zahlungen. Dies hat einerseits zu einem starken Rückgang der Banküberfälle geführt, aber auch zu einem erheblichen Anstieg des Betrugs mit Kreditkarten.[5] Die schwedische Reichsbank geht aber davon aus, dass Bargeld noch bis in die 2030er Jahre Verwendung finden wird.[6]

Die Reichsbank evaluiert ferner die Einführung einer sog. E-krona. Diese könnte blockchainbasiert herauszugeben werden oder jeder Bürger würde ein Konto bei der Zentralbank unterhalten. Dieses elektronische Geld wäre analog zum Bargeld der schwedischen Geldpolitik unterworfen.[7]

Leitung der Schwedischen ReichsbankBearbeiten

Erster Stellvertreter (Förste deputerad)Bearbeiten

Präsident der Reichsbank (Riksbankschefer)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schwedische Reichsbank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Sweden Foreign Exchange Reserves. tradingeconomics.com. Abruf am 28. Januar 2017 (englisch)
  2. Sydsvenska Dagbladet - Schweden: Schwedische Zentralbank beschließt Negativzinssatz. (Nicht mehr online verfügbar.) In: eurotopics. Bundeszentrale für politische Bildung, 3. Juli 2009, archiviert vom Original am 10. März 2010; abgerufen am 12. Oktober 2010.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eurotopics.net
  3. Website „Münz-News“, Abgerufen am 16. Mai 2010
  4. Schwedische Reichsbank: Neue Banknoten und Münzen (abgerufen 17. August 2015)
  5. [1] Wirtschaftswoche 25. Februar 2018
  6. Bargeldlose Gesellschaft rückt immer näher. In: Svenska Dagbladet, 4. März 2016 (schwedisch).
  7. riksbank.se, E-krona project reports