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Heinrich Zille: Frauen auf dem Markt (um 1900) – eine Möglichkeit, sich Körbelgeld/einen Schwänzelpfennig zu machen.

Schwänzelpfennig[1], Schwenzelpfennig(e)[2], Schwänzelgeld[3][1], Korbpfennig(e)[4] oder Körbelgeld (Körblgeld) sind regionale Bezeichnungen für kleine Geldbeträge, die Köchinnen, Hausmädchen oder andere Bedienstete vom anvertrauten Einkaufsgeld für sich selber abzweigten, indem sie beim Einkauf geschickt verhandelten und „unter Preis“ oder einfach geringere Mengen als verlangt einkauften. Auch im Bezug auf eine Ehefrau, die von ihrem Ehemann nur ein begrenztes Haushaltsgeld bekam und sich durch günstiges Einkaufen eigenes Geld absparte, wurde von „Körbelgeld“ gesprochen.[5]

Begriffsverwendung und BewertungBearbeiten

Eine frühe Definition findet sich 1715 im Frauenzimmer-Lexicon: „Schwäntzel-Pfennge heissen diejenigen Geld-Brocken und Restlein, so denen Weibern von dem übrig behaltenen Marckt-Gelde und Ausgaben in ihre Beutel fallen, wird auch offtermahls von denen Mägden, so zu Marckte gehen, practiciret.“[6]

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Handlungsweise in eine Auflistung von für Domestiken und Gesinde ungebührlichen Verhaltensweisen aufgenommen: „... nach den Mannspersonen laufen, lange schlafen, Schwenzelpfennige sich machen, mehr Staat machen als ihnen zukommt und dem Gesinde gehöret, klatschen, ...“[7] und war damit deutlich negativ konnotiert:[8][9] „Geld welches man schwänzet oder auf den Schwanz schlägt, das ist, bei dem Ein- und Verkauf unterschlägt, als einen unerlaubten Gewinn für sich behält, in welchem Verstande es besonders von Kleinigkeiten üblich ist, welches untreues Gesinde unterzuschlagen pflegt, wenn es auf den Gemüse-Märkten etc. etwas für die Herrschaft einkauft. Daher sich Schwänzelpfennige machen, an anderen Orten Korbpfennige.“[4]

Synonyme für Schwänzelpfennig oder das Prinzip, als Untergebener kleinere Beträge in die eigene Tasche zu wirtschaften, finden sich auch in anderen Sprachen wie im Böhmischen[10], Englischen[11], Französischen[12], Slowenischen[13] usw.

Der aktuelle Duden nennt den österreichischen Begriff „Körberlgeld“ als Synonym für „Zubrot“[14]

ArrangementsBearbeiten

Um mit diesem Erwirtschaften von Körbelgeld auf eigenes Risiko des Haushaltspersonals umzugehen, gab es verschiedene Strategien und Arrangements seitens der Hausherrin und des Hausherrn:

  • Bei strikter Kontrolle konnte beispielsweise die Hausherrin das Einkaufen bemängeln oder die Ware nachwiegen[15] und entsprechend bestrafen.
  • Im Laufe der Zeit wurde die moderate Erwirtschaftung von Körbelgeld von der Herrschaft stillschweigend toleriert.[16]
  • Personal konnte bereits bei der Einstellung vereinbaren, dass man dieses Handeln unterlassen werde, deshalb aber von vorneherein ein von der Herrschaft neben dem Sold zu zahlendes offizielles Körbelgeld erhalten werde.[17][18]

Andere VerwendungBearbeiten

Eine weitere Verwendung in Österreich setzte Körbelgeld gleich mit „Victualienmauth“ und „Platz- und Wochenmarkts-Gefäll“ und bezeichnete damit eine Gebühr, die bei Wochenmärkten für Stände und Verkaufskarren als Marktgebühr („Marktpfennig“[19]) erhoben wurde.[20][21]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, 1838 ff., Band 15, Spalten 2265–2271.
  2. Die lustigen Leipzigerinnen 1764, S. 41.
  3. Silke Wagener: Pedelle, Mägde und Lakaien: das Dienstpersonal an der Georg-August-Universität Göttingen 1737-1866. Vandenhoeck & Ruprecht, 1996, ISBN 978-3-525-35848-1, S. 117.
  4. a b Oekonomische Encyclopaedie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft in alphabetischer Ordnung von Johann Georg Krünitz [fortgesetzt von - Bd. 73-77: Friedrich Jakob Floerke, Bd. 78-123: Heinrich Gustav Flörke, Bd. 124-225: Johann Wilhelm David Korth, sow. teilw. Ludwig Kossarski u. Carl Otto Hoffmann, 226-242: Carl Otto Hoffmann]. Poculi, 1829, S. 314.
  5. Wetti Himmlisch: Leben, Meinungen und Wirken der Witwe Wetti Himmlisch. Deutsche Verlagsactien-gesellschaft, 1906, S. 7.
  6. Nutzbares, galantes und curiöses Frauenzimmer-Lexicon, worinnen nicht nur der Frauenzimmer geistlich- und weltliche Orden, Aemter, Würden, Ehrenstellen, Professionen und Gewerbe ... sondern auch ein ... Koch. Torten- und Gebackenes-Buch ... von Amaranthes(pseud.). Gleditsch, 1715., Spalte 1791.
  7. Friedrich Adolph Kritzinger: Die lustigen Leipzigerinnen 1764, S. 41.
  8. Johann Georg Peter Möller: Tysk och svensk Ord-Bok. Kongl. Academista Bokhandel, 1808, S. 1215.
  9. Teutsch-Schwedisches und Schwedisch-Teutsches Wörterbuch. Tysk och Swensk, samt Swensk och Tysk Ord-Bok ... författad af J. G. P. Möller. Swederus, 1790, S. 1179.
  10. Josef F. Šumavský: Deutsch-böhmisches Wörterbuch. Spurný, 1851, S. 1021.
  11. The new pocket-dictionary of the English and German languages0: Composed chiefly after the dictionaries of Johnson, Adelung, and others of the best authorities. Rabenhorst, 1820, S. 138.
  12. Christian Friedrich Schwan: Nouveau dictionnaire de la langue allemande et françoise: composé sur les dictionnaires de M. Adelung et de l'Académie Françoise. Enrichi des termes propres des sciences et des arts. Ouvrage utile et même indispensable à tous ceux qui veulent traduire, ou lire les ouvrages de l'une ou de l'autre langue. Chez C.F. Schwan et M. Fontaine, 1784, S. 771.
  13. Anton Aloizij Wolf: Deutsch-slovenisches Wörterbuch: M - Z. Gedruckt bei Josef Blasnik, 1860, S. 1433.
  14. Duden: Körberlgeld, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  15. Friedrich Schlögl: Gesammelte Schriften. A. Hartleben, 1893, S. 311.
  16. Enrica von Handel-Mazzetti: Deutsche Passion: des Rosenwunders zweiter Teil. Kösel & Pustet, 1925, S. 216.
  17. Denkwurdigkeiten aus Alt-Osterreich 1918, S. 359.
  18. Hans Jörgel (von Gumpolskirchen.): Neue komische Briefe des Hans-Jörgels von Gumpoldskirchen an seinen Schwager Maxel in Feselau, und dessen Gespräche über verschiedene Tagsbegebenheiten in Wien im Jahre 1835: nebst Antworten des Schwagers Maxel in Feselau und den Bemerkungen des Amtsschreibers Rigowitz .... Bauer und Dirnböck, 1835, S. 9.
  19. Österreichische Akademie der Wissenschaften. Kommission für Wirtschafts-, Sozial- und Stadtgeschichte, Alfred Hoffmann: Österreichisches Städtebuch: Bd. Die Städte Oberösterreichs. Hollinek in Kommission, 1968, S. 1.
  20. Gnstematische Geordnete Darstellung 1835, S. 80.
  21. Josef Mayer: Geschichte von Wiener Neustadt: Bd. Wiener Neustadt in der Neuzeit: 1.T. Wiener Neustadt als Granzfestung gegen Türken und Ungarn. 2.T. Die Zeit des Absolutismus. Selbstverlag des Stadtrates, 1928, S. 14.