Schutzmaßnahme (Elektrotechnik)

Maßnahme gegen den elektrischen Schlag infolge gefährlicher Berührungsspannung

Eine Schutzmaßnahme bezeichnet in der Elektrotechnik die Vorkehrungen zum Schutz von Personen und Tieren gegen elektrischen Schlag infolge einer gefährlichen Berührungsspannung.

AllgemeinesBearbeiten

Eine Schutzmaßnahme besteht immer aus einer Kombination von zwei unabhängigen Schutzvorkehrungen, dem Basisschutz und dem Fehlerschutz. Dabei dürfen gefährliche aktive Teile unter Normalbedingungen nicht zugänglich bzw. nicht berührbar sein. Des Weiteren verhindert man im Fehlerfall das Zustandekommen von gefährlichen Berührungsspannungen an berührbaren leitfähigen Teilen bzw. Oberflächen.[1]

BasisschutzBearbeiten

Als Basisschutz bezeichnet man die Vorkehrung zum Schutz gegen direktes Berühren von aktiven Teilen, die unter normalen Betriebsbedingungen unter Spannung stehen.

FehlerschutzBearbeiten

Als Fehlerschutz bezeichnet man die Vorkehrung zum Schutz bei indirektem Berühren von berührbaren leitfähigen Teilen. Dabei handelt es sich um Körper (Oberflächen) von elektrischen Betriebsmitteln oder fremde leitfähige Teile, die im Fehlerfall keine gefährliche Berührungsspannung annehmen dürfen. Zum Fehlerschutz gehört alternativ auch die doppelte oder verstärkte Isolierung.

Einteilung der SchutzmaßnahmenBearbeiten

Es sind mehrere Schutzmaßnahmen vor zu hoher Berührungsspannung definiert, dabei wird unterschieden zwischen:

  • netzunabhängigen Schutzmaßnahmen
  • netzabhängigen Schutzmaßnahmen

Netzunabhängige SchutzmaßnahmenBearbeiten

Bei diesen Schutzmaßnahmen ist kein Schutzleiter erforderlich. Bei PELV darf ein Schutzleiter verwendet werden.[2]

Netzabhängige SchutzmaßnahmenBearbeiten

Die heutigen Netze gehen immer von einem in Stern geschalteten Drehstromtransformator aus. Die alten Ausführungen mit in Dreieck geschalteten Trafospulen erlaubten nur Leiter-Leiterspannungen ohne Erdbezug. Sie werden immer weiter abgebaut und kommen zunehmend seltener vor. Erkennbar sind die alten Netze an der zweipoligen Absicherung. Heutige Netzformen unterscheidet man in TN-Systeme, TT-Systeme und IT-Systeme.[3]

Zur Darstellung der Schutzmaßnahme bezieht man sich heute auf den zugrunde liegenden Netztyp, weil nicht in allen Netzen jede Schutzmaßnahme realisierbar ist.[2]

Schutz durch AbschaltungBearbeiten

Diese Schutzmaßnahmen sind nur als zusätzlicher Schutz zugelassen. Es wäre also nicht zulässig, ein Gerät zu betreiben, bei dem alle elektrisch leitenden und zum Betriebsstromkreis gehörenden Teile nicht isoliert werden, nur weil eine der nachfolgenden Schutzmaßnahmen angewendet wird.[1]

Alle diese hier genannten Schutzmaßnahmen dienen nur dem Schutz bei indirekter Berührung.[4]

Schutz durch MeldungBearbeiten

Diese Schutzmaßnahme wird nur im IT-Netz angewendet, sie wird IT-System mit Isolationsüberwachung genannt. Früher nannte man diese Schutzmaßnahme Schutzleitungssystem.[3]

Zusätzliche MaßnahmenBearbeiten

Als zusätzliche Maßnahmen gelten bei den Schutzmaßnahmen Schutz durch Abschaltung oder Meldung:

SondermaßnahmenBearbeiten

Neben den Maßnahmen die einen vollständigen Schutz bieten wie z. B. die Schutzisolierung, gibt es auch Maßnahmen die einen teilweisen Schutz bieten das sind:

  • Schutz durch Abstand
  • Schutz durch Hindernisse[5]

Gesetze und NormenBearbeiten

  • EN 61140:2002-03 + A1:2006-08 (IEC 61140:2001 + A1:2004 modifiziert; VDE 0140-1:2007-03) Schutz gegen elektrischen Schlag - Gemeinsame Anforderungen für Betriebsmittel und Anlagen
  • HD 60364-4-41:2007-01 (IEC 60364-4-41:2005-12 modifiziert; VDE 0100-410:2007-06) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Hofheinz: VDE-Schriftenreihe "Normen verständlich" – Schutztechnik mit Isolationsüberwachung. Band 114, 2. veränderte Auflage, VDE-Verlag GmbH, Berlin und Offenbach 2007, ISBN 978-3-8007-3026-1.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Klaus Tkotz, Peter Bastian, Horst Bumiller: Fachkunde Elektrotechnik. 27. überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel Nourney Vollmer GmbH & Co. KG, Haan Gruiten 2009, ISBN 978-3-8085-3188-4.
  2. a b c Gerhard Kiefer: VDE 0100 und die Praxis. 1. Auflage, VDE-Verlag GmbH, Berlin und Offenbach, 1984, ISBN 3-8007-1359-4.
  3. a b Hans-Günter Boy, Uwe Dunkhase: Die Meisterprüfung Elektro-Installationstechnik. 12. Auflage, Vogel Buchverlag, Oldenburg und Würzburg, 2007, ISBN 978-3-8343-3079-6.
  4. Ernst Hörnemann, Heinrich Hübscher: Elektrotechnik Fachbildung Industrieelektronik. 1 Auflage. Westermann Schulbuchverlag GmbH, Braunschweig, 1998, ISBN 3-14-221730-4.
  5. Nils Hagge: Schutzmaßnahmen und Messtechnik. Universität Hannover online (Memento vom 12. Juni 2007 im Internet Archive) (abgerufen per archive.org am 24. August 2015; PDF-Datei; 504 kB).

WeblinksBearbeiten