Schola cantorum (Päpstlicher Hof)

Die Schola cantorum (lateinisch für „Sängerschule“) war ein berufsmäßiger Chor aus Männern und Knaben am päpstlichen Hof zur Zeit des Mittelalters.

Schola cantorum
Sitz: Vatikan
Träger: Petersdom
Gründung: um 600
Gattung: Männerchor
Gründer: Papst Gregor der Große?

Seit dem 4./5. Jahrhundert gab es vermutlich Stätten, in denen kirchliche Sänger ausgebildet wurden. Einer legendarischen Überlieferung aus dem 8./9. Jahrhundert nach soll die Schola cantorum während der Amtszeit von Papst Gregor dem Großen († 604) gegründet worden sein. Sichere Belege für die Existenz der Schola datieren jedoch erst aus dem späten 7. Jahrhundert. Die anfangs sieben Sänger der Schola cantorum – aus denen selbst mehrere Päpste hervorgingen – spielten eine wichtige Rolle bei der gesanglichen Unterweisung im Rahmen der Einführung der römischen Liturgie und der Entwicklung eines Repertoires liturgischer Gesänge.[1] Daher wurden sie auch ins Ausland berufen, etwa nach England, Irland oder Franken. Durch sie gelangten römische Gesänge auch an den karolingischen Hof Karls des Großen, wo sich der Gregorianische Gesang weiterentwickelte. Als Schola cantorum wurden seit dem 8. Jahrhundert auch ähnliche Gruppen an anderen Orten im Fränkischen Reich bezeichnet.[2]

Nach der Verlegung des päpstlichen Sitzes nach Avignon 1305 verlor die Schola cantorum an Bedeutung. Heute firmiert die Schola unter der Bezeichnung Cappella Musicale Pontificia Sistina (Päpstlicher Chor der Sixtinischen Kapelle).

Mehrere Konservatorien griffen in der Neuzeit diese Bezeichnung wieder auf; bekannteste Beispiele sind die Schola Cantorum Basiliensis in Basel und die Schola Cantorum in Paris.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stefan Klöckner: Frühchristliche Musik. 4. Weitere Entwicklungen. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, Sp. 199.
  2. Andreas Pfisterer: Schola cantorum. II. Musik. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 9. Herder, Freiburg im Breisgau 2000, Sp. 198.