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Tagesschläfrigkeit

(Weitergeleitet von Schläfrigkeit)

Tagesschläfrigkeit bedeutet in Schlafforschung und Schlafmedizin „Einschlafneigung“, also die Neigung des Hirns, vom Wachsein in den Schlafzustand überzugehen. Sie ist charakterisiert durch reduzierte zentralnervöse Aktivierung (Wachheit, Daueraufmerksamkeit) mit dem Drang zum Einschlafen. Oft ist sie Folge des nicht erholsamen Schlafs.

Monotone, also reizarme Situationen begünstigen das tatsächliche Einschlafen. Der Begriff „Tagesschläfrigkeit“ ist von „Müdigkeit“ im Sinne von zu wenig Schlaf abzugrenzen. In der Schlafmedizin wird zwischen Müdigkeit und Schläfrigkeit anhand mehrerer Merkmale unterschieden, beispielsweise sind monotone Situationen bei Müdigkeit kein Schlafstimulus aber bei Schläfrigkeit schon.[1]

Inhaltsverzeichnis

Diagnostik bei TagesschläfrigkeitBearbeiten

Zur Bestimmung der Schwere der Tagesschläfrigkeit kommen in der Schlafmedizin Instrumente der apparativen Diagnostik wie Multipler Schlaflatenztest (MSLT) und Multipler Wachbleibetest (MWT) sowie Instrumente der nichtapparativen Diagnostik wie Epworth Sleepiness Scale (ESS) und Stanford Sleepiness Scale (SSS)[2] und viele weitere Fragebögen[3] zum Einsatz.

Es gibt neben (MWT) und (MSLT) eine weitere Methode, Schläfrigkeit zu messen: Pupillographie. Dabei wird die Aktivität des zentralen Schlaf-/ Wachreglers im Stammhirn, dem Locus caeruleus, gemessen. Dessen Aktivität kann unmittelbar an der Pupille beobachtet werden.[4] Diese sog. Schläfrigkeitswellen sind seit 50 Jahren bekannt[5] und für die objektive Messung von Schläfrigkeit normiert.[6]

Manche Verfahren erheben subjektive Einschätzungen aus aktueller oder retrospektiver Sicht, andere messen apparativ Einschlafvorgänge in definierten, reizarmen Situationen. Die Verfahren berücksichtigen also in unterschiedlichem Umfang jeweils Teilaspekte der Tagesschläfrigkeit.[7]

Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit chronischer Tagesschläfrigkeit die Fähigkeit verlieren, den Grad der eigenen Schläfrigkeit aktuell zutreffend einzuschätzen.[8]

Folgen der TagesschläfrigkeitBearbeiten

Während sich im normalen Verlauf Wachsein, Zunahme der Schläfrigkeit, Einschlafen, Schlafen und Wachwerden von der inneren Uhr (Circadiane Rhythmik) gesteuert zyklisch wiederholen, kommt es bei Schlafstörungen zu gravierenden Veränderungen.

Bei der extremen Tagesschläfrigkeit, die in der Fachliteratur auch als „Excessive Daytime Sleepiness“ (EDS) bezeichnet wird und als Symptom von verschiedenen Schlafstörungen wie der Narkolepsie, der Idiopathischen Hypersomnie und beim Schlafapnoe-Syndrom vorkommt, besteht fortwährend die Gefahr ausbleibender, verzögerter oder falscher Reaktionen auf seltene, nicht erwartete Ereignisse und die Möglichkeit plötzlichen Abgleitens in den Schlaf (nicht nur Sekundenschlaf) mit dem damit verbundenen völligen Kontrollverlust. Die Folgen können Unfälle mit Eigen- und Fremdgefährdung sein.

Diese Gefahr ist nicht nur abstrakt, sondern wird von der Verkehrsunfallstatistik bestätigt, bei der die Fälle zusammen mit anderen schlafbedingten Unfällen anteilig enthalten sind. Für Deutschland gibt der ADAC in seinem Flyer zur Müdigkeit im Straßenverkehr[9] an, dass eingeschlafene Fahrer für jeden vierten tödlichen PKW-Verkehrsunfall verantwortlich waren und mindestens jeder sechste schwere Verkehrsunfall, an dem ein LKW beteiligt war, von einem übermüdeten Berufskraftfahrer verursacht wurde.

  Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Boris A. Stuck, Joachim T. Maurer, Michael Schredl, Hans-Günter Weeß: Praxis der Schlafmedizin: Schlafstörungen bei Erwachsenen und Kindern Diagnostik, Differenzialdiagnostik und Therapie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-34881-5, S. 27 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). In: AWMF online (Stand 2009)
  3. Azmeh Shahid, Kate Wilkinson, Shai Marcu, Colin M. Shapiro: STOP, THAT and One Hundred Other Sleep Scales. Springer, New York 2012, ISBN 978-1-4419-9892-7, doi:10.1007/978-1-4419-9893-4.
  4. E. R. Samuels and E. Szabadi: Functional neuroanatomy of the Noradrenergic Locus Coeuleus: Its Roles in the Regulation of Arousal and Autonomic Function Part II: Physiological and Pharmacological Manipulations and Pathological Alterations of Locus Coeruleus Activity in Humans. Current Neuropharmacology 254 - 285 (2) 2008.
  5. O. Löwenstein, R. Feinberg, I. Loewenfeld: Pupillary movements during acute and chronic fatigue. A new test for the objective evaluation of tiredness. Invest. Ophthal. 1963.
  6. Barbara Wilhelm et al.: Normwerte des pupillographischen Schläfrigkeitetests für Frauen un Männer zwischen 20 und 60 Jahren. Somnologie 5: 115-120 2001.
  7. Murray W. Johns: Daytime sleepiness, snoring, and obstructive sleep apnea. The Epworth Sleepiness Scale. In: Chest. Vol. 103, Nr. 1, 1993, S. 30–36, doi:10.1378/chest.103.1.30 (englisch).
  8. Lamia Afifi, Clete A. Kushida: Clinical Neurophysiology of Sleep Disorders. Hrsg.: Christian Guilleminault (= Handbook of Clinical Neurophysiology). Elsevier, New York 2005, ISBN 978-0-444-51517-9, Multiple sleep latency test, S. 51–57.
  9. ADAC, Flyer Müdigkeit im Straßenverkehr, PDF (508 kB), abgerufen am 25. Januar 2013