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Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) wurde 2008 von acht Stiftungen als „unabhängiges und wissenschaftliches Gremium“ gegründet, um Fragen der Integration und Migration zu erforschen. Der in der Rechtsform einer GmbH institutionalisierte Rat hat seinen Sitz in Berlin. Auf Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung beteiligten sich auch die Bertelsmann-, die Freudenberg-, die Hertie-, die Körber-, die Vodafone- und die Zeit-Stiftung an der Gründung.[1]

Neben dem Vorsitzenden Thomas K. Bauer gehören acht weitere Wissenschaftler mit Schwerpunkt in der Integrations- und Migrationsforschung zum Sachverständigenrat: Petra Bendel, Claudia Diehl, Viola Georgi, Christian Joppke, Sieglinde Rosenberger, Daniel Thym, Hacı Halil Uslucan, Hans Vorländer (Stand Dezember 2018). Ehemalige Mitglieder sind Michael Bommes, Wilfried Bos, Gianni D’Amato, Heinz Faßmann, Yasemin Karakaşoğlu, Ursula Neumann, Ludger Pries, Werner Schiffauer, Thomas Straubhaar, Steven Vertovec, Klaus Bade (Vorsitzender 2008–2012) und Christine Langenfeld (Vorsitzende 2012–2016). Zum Teil gehören die Mitglieder auch dem Rat für Migration an.

Inhaltsverzeichnis

JahresgutachtenBearbeiten

Seit 2010 veröffentlicht der SVR im jährlichen Rhythmus ein Jahresgutachten zur Integration und Migration. Darin enthalten ist das Integrationsbarometer, eine empirische Erhebung, für die Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland befragt werden.[2] Teil der Untersuchung ist der Integrationsklima-Index, der auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) die Erfahrungen und Einstellung der Befragten zu verschiedenen Bereichen der Integration ausdrückt. Strukturdaten werden in dem Index nicht berücksichtigt. Der Index wird alle zwei Jahre erhoben und wird nach unterschiedlichen Befragtengruppen aufgeschlüsselt.[1]

Per telefonischer Umfrage wurden für das Jahresgutachten 2010 insgesamt 5600 Personen in den Regionen Stuttgart, Rhein-Main und Rhein-Ruhr befragt. Im Osten Deutschlands fanden keine Befragungen statt, weil dort nur 9 Prozent der Migranten leben.[1][3]

Auf Basis der Daten lag der Integrationsklima-Index 2010 der Mehrheitsgesellschaft bei 2,77 und unter den Einwanderern bei 2,93.[1] In der Eigenbewertung des Vorsitzenden des SVR im Jahr 2010 stellte sich die Integration damit positiver dar als erwartet.[4]

Ab 2015 wurden im Integrationsklima-Index Werte auf einer Skala von 0 (= sehr negativ) bis 100 (= sehr positiv) abgebildet. Ermittelt wurden persönliche Erfahrungen und Einschätzungen von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in vier Bereichen, die für Integration zentral sind: Arbeit, Bildung, soziale Beziehungen und Nachbarschaft. "Je höher der Wert ist, desto besser wird das Integrationsklima eingeschätzt. Werte über 50 bedeuten eine tendenziell positive, Werte unter 50 eine tendenziell negative Wahrnehmung."[5]

Das Integrationklima lag 2015 für Personen ohne Migrationshintergrund bei einem Wert von 65,4; für Personen mit Migrationshintergrund bei 69,0.

Das Integrationsklima lag 2017/2018 für Personen ohne Migrationshintergrund bei einem Wert von 63,8; für Personen mit Migrationshintergrund bei 68,9.[5]

SVR-ForschungsbereichBearbeiten

Zur Ergänzung der Arbeit des Sachverständigenrats wurde im November 2011 der SVR-Forschungsbereich gegründet. Der Forschungsbereich beim Sachverständigenrat führt eigenständige, anwendungsorientierte Forschungsprojekte zu den Themenbereichen Integration und Migration durch. Die projektbasierten Studien widmen sich neu aufkommenden Entwicklungen und Fragestellungen. Ein Schwerpunkt der Forschungsvorhaben liegt auf dem Themenfeld Bildung. Die Grundfinanzierung wird von der Stiftung Mercator getragen.

Die fördernden StiftungenBearbeiten

Seit seiner Gründung wurde bzw. wird der SVR von folgenden Stiftungen gefördert:

RezeptionBearbeiten

Necla Kelek kritisierte in der FAZ im Mai 2011, dass der Sachverständigenrat eine Politik nach ideologischen Kriterien betreibe und nicht wissenschaftlich forsche. Sie bezeichnete den Sachverständigenrat in diesem Zusammenhang als „das Politbüro der deutschen Migrationspolitik“ und seinen ehemaligen Vorsitzenden Klaus Bade als dessen „Generalsekretär“.[6] Zudem bezeichnete sie das Jahresgutachten 2011 als „vermeintlich repräsentativ“, da 80,5 % der Befragten einen Migrationshintergrund hatten und nur 19,5 % der Mehrheitsbevölkerung angehörten.[6] Auf die Vorhaltungen antwortete Klaus Bade in der gleichen Zeitung zehn Tage später unter anderem mit dem Hinweis, dass die Repräsentativität der Stichprobe durch die „Standardprozedur der quantitativen empirischen Sozialforschung“, der Gewichtung, hergestellt würde.[7]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Sabine am Orde: Integration in Deutschland – Viel besser als ihr Ruf. In: taz, 19. Mai 2010.
  2. Einwanderungsgesellschaft 2010. (PDF; 3,3 MB) März 2010, abgerufen am 20. Mai 2011.
  3. Michael Kieffer: Schönwetter zwischen den Kulturen. In: Spiegel Online, 19. Mai 2010.
  4. Andrea Dernbach: Integration besser als ihr Ruf. In Zeit online, 20. Mai 2010.
  5. a b Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration: Stabiles Klima in der Integrationsrepublik Deutschland: SVR-Integrationsbarometer 2018. SVR-Bericht 2018_1, 2018, S. 6–8 (svr-migration.de [PDF]).
  6. a b Necla Kelek: Professor Bade gibt den Anti-Sarrazin. In: FAZ. 9. Mai 2011, abgerufen am 9. Mai 2011.
  7. Klaus Bade: Ich sitze keinem Politbüro vor. In: FAZ. 19. Mai 2011, abgerufen am 20. Mai 2011.