Rampenkiste von Lißdorf

Rampenkiste in Lißdorf, einem Ortsteil der Stadt Eckartsberga im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt

Die Rampenkiste von Lißdorf, einem Ortsteil der Stadt Eckartsberga im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt wurde 1909 bei einer Flurbereinigung entdeckt. Die bereits gestörte Kammer wurde 1910 von A. Hagemann untersucht.[1]

Die ebenerdige, leicht trapezoide[2], Ost-West orientierte Rampenkiste aus Kalksteinplatten ist 2,4 m lang. Die Kammer hat im Osten eine 2,0 m lange, ansteigende Rampe. Den Zugang bilden drei flache Platten, die eine Lücke von 0,55 × 0,55 m als Türanlage offen lassen.[1] Der Grabraum war mit einer Steinpackung umgeben, die mit Lehm und kleinen Steinen abgedichtet war und von einem Hügel überdeckt wurde. Zur Zeit der Untersuchung wurden Reste von mindestens sechs Skeletten gefunden, die durcheinander lagen. Von den Beigaben sind ein Knochenpfriem, durchbohrte Hundezähne und ein schwarzer Scherben erhalten. Nach A. Hagemann wurden auch Gefäße gefunden, die zerschlagen worden waren.

Grabform und Bestattungsweise verbinden die Rampenkiste mit der Walternienburg-Bernburger Kultur. Auch die Tierzähne, die vielfach als Grabbeigaben in den Anlagen dieses Kulturraums gefunden wurden, und der Knochenpfriem lassen auf eine Bestattung dieser Kultur schließen.[3] Es wurde aber auch vermutet, es könne sich bei Lißdorf um eine schnurkeramische Anlage handeln.[4] Dies ließ sich aber nicht ähnlich gut belegen wie die belegen.

Im Gang fand sich auf den umgestürzten Türplatten eine bronzezeitliche Nachbestattung, sodass das Grab seit der Jungbronzezeit offen gewesen sein muss.

Gleich nach der Untersuchung im Jahr 1910 wurde das Grab abgebaut und die einzelnen Teile nach Halle (Saale) gebracht. Dort wurde es wegen seiner Größe zuerst in der Moritzburg untergebracht und später im 1918 eröffneten Neubau des Provinzialmuseums, des heutigen Landesmuseums für Vorgeschichte, aufgebaut. 1932 wurde es jedoch in den Gartenbereich des Museums verlagert.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Jürgen Beier: Die Grab- und Bestattungssitten der Walternienburger und der Bernburger Kultur (= Neolithische Studien. 3 = Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wissenschaftliche Beiträge. 1984, 30 = Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wissenschaftliche Beiträge. Reihe L: Vor- und frühgeschichtliche Beiträge. 19, ISSN 0441-621X). Abteilung Wissenschaftspublizistik der Martin-Luther-Universität, Halle (Saale) 1984 S. 145, 184.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b A. Hagemann: Grabhügel mit Steinplattengrab und bronzezeitlichen Nachbestattungen, gefunden bei Lissdorf, Kreis Naumburg a. S. Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder. Bd. 9, 1910, S. 45–54.
  2. Trapezoide Grundrisse sind ein Merkmal der Anlagen der Walternienburg-Bernburger Kultur
  3. Waldemar Matthias: Die Freilichtanlagen am Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale). Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte, 67, 1984, S. 197–203.
  4. Waldtraut Schrickel: Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und der Galeriegräber Westdeutschlands. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeerraumes 5, Bonn 1966, S. 411.
  5. Waldemar Matthias: Die Freilichtanlagen am Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale). Jahresschrift für mitteldeutsche Vorgeschichte, 67, 1984, S. 198.