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Institut für Religiosität in Psychiatrie & Psychotherapie

(Weitergeleitet von RPP-Institut)

OrganisationBearbeiten

Träger des Instituts ist der gleichnamige Verein[1]. Es ist 2009 aus der gleichnamigen, 2007 in Graz gestarteten Kongressreihe hervorgegangen und dessen Rechtsnachfolger. Die Gründer sind der Psychiater Raphael M. Bonelli, der Psychoanalytiker Walter Pieringer und der Theologe Bernd Oberndorfer.[2] Der Sitz des Vereins ist Wien.

TätigkeitBearbeiten

Das Institut widmet sich nach eigenen Angaben dem Phänomen Religiosität in Zusammenhang mit der menschlichen Psyche aus wissenschaftlicher Sicht, um einen Beitrag zu seiner Enttabuisierung in Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie zu leisten.[3] Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten, Philosophen und Religionswissenschaftler stehen bei diversen Veranstaltungen des Institutes im Dialog mit katholischen, evangelischen, orthodoxen und freikirchlichen Christen, Juden, Buddhisten, Muslimen, Bahai, Agnostikern und Anhängern ethnischer Religionen. „Dabei stehen nicht theologische Inhalte und etwaige interreligiöse Differenzen im Fokus, sondern das allen gemeinsame psychologische Phänomen der Religiosität und deren Einbindung in die Psychotherapie.“[4]

PositionierungBearbeiten

Das RPP-Institut hat nach eigenen Angaben keine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Ausrichtung. Es behauptet, vollinhaltlich den psychotherapeutischen Berufskodex zu unterstützen, insofern die persönliche Weltanschauung des Psychotherapeuten nicht aktiv und steuernd in den Behandlungsprozess einfließen darf. Dazu gehören sowohl religiöse wie auch anti-religiöse Überzeugungen des Therapeuten.

In den vom RPP-Institut organisierten psychotherapeutischen Fort- und Weiterbildungen geht es nach Angaben des Institutes um die Ressource „Religiosität“, nicht um irgendwelche religiöse Inhalte (das wäre „Religion“). Keinesfalls würden religiöse Heilslehren, esoterische Inhalte oder spirituelle Rituale angeboten. Das Institut fasst auf seiner Homepage zusammen: „Religion soll weder paternalistisch als Krankheit (‚kollektive Zwangsneurose‘) abgewertet noch zum Allheilmittel stilisiert werden: Religiosität kann für manche Patienten eine wertvolle Ressource sein – und für andere eben nicht.“[5]

UniversitätslehrgangBearbeiten

Gemeinsam mit der Sigmund Freud PrivatUniversität bietet das RPP-Institut wiederholt einen zweijährigen Universitätslehrgang mit dem Thema ›Spiritualität in den psychosozialen Berufen‹ an, der 24 ECTS-Punkte umfasst.[6]

Bekannte ReferentenBearbeiten

Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten und Naturwissenschaftler: Joachim Bauer, Raphael Bonelli, Andreas Conca, Heiko Ernst, Jutta Fiegl, Thomas Fuchs, Martin Grabe, Reinhard Haller, Daniel Hell, Hartmann Hinterhuber, Peter Hofmann, Johannes Huber, Barbara Juen, Jürgen Kriz, Karl Heinz Ladenhauf, Michael Linden, Manfred Lütz, Arnold Mettnitzer, Sebastian Murken, Michael Musalek, Rotraud Perner, Nossrat Peseschkian, Richard Picker, Walter Pieringer, Samuel Pfeifer, Hildegunde Piza-Katzer, Alfred Pritz, Bernd Rieken, Kornelius Roth, Willibald Ruch, Günter Schiepek, Gerti Senger, Manfred Spitzer, Michael Utsch, Jürg Willi, Beate Wimmer-Puchinger, Michael Winterhoff und Hans Georg Zapotoczky.

Philosophen, Religionswissenschaftler, Theologen und Geisteswissenschaftler: Asfa-Wossen Asserate, Klaus Dick, Elsayed Elshahed, Toni Faber, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Sylvester Heereman, Gregor Henckel-Donnersmarck, Larry Hogan, Wilhelm Imkamp, Tomislav Ivančić, Egon Kapellari, Kurt Kardinal Koch, Michael König, Franz Lackner, Andreas Laun, Anton Leichtfried, Jürgen Liminski, Leo Maasburg, Hermann Miklas, Markus F. Peschl, Martin Rhonheimer, Sonja Rinofner-Kreidl, Fuat Sanaç, Franz Scharl, Walter Schaupp, Marianne Schlosser, Eberhard Schockenhoff, Christoph Kardinal Schönborn, Clemens Sedmak, Josef Spindelböck, Stephan Turnovszky, Barbara Vinken, Karl Wallner und Hans-Bernhard Wuermeling.

 
Fachtagung "Gottesfurcht & Heidenangst" am 19. Oktober 2013 im Stift Heiligenkreuz

Kongress und Fachtagungen: RPPBearbeiten

Unter dem Namen RPP startete das Institut 2007 mit einem interdisziplinären Kongress und führt seit Herbst 2008 mindestens halbjährlich Fachtagungen durch.

Kongress RPP 2007 Religiosität in Psychiatrie und PsychotherapieBearbeiten

Der erste Kongress „RPP 2007“ unter dem interdisziplinären Motto „Psychiatrie, Psychologie, Psychotherapie im Dialog mit Religionswissenschaft, Philosophie & Theologie“ fand vom 11. bis 13. Oktober 2007 in Graz statt und hatte über 1200 Teilnehmer aus 11 Ländern.[7][8] Die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ÖGPP) übernahm die Patronanz.

Der Kongress umfasste 100 Beiträge von 140 Vortragenden. Der evangelische Superintendent Hermann Miklas konstatierte eine traditionelle Zurückhaltung vieler Gläubigen gegenüber der Psychotherapie und umgekehrt eine kritische Haltung psychotherapeutischer Strömungen gegenüber den Religionen. Therapeuten müssten gesunde Formen der Religiosität von kranken und krankmachenden unterscheiden können.[9] Öffentlich beachtet wurde der Workshop „Kirche und Pädophilie“, bei dem der katholische Weihbischof Andreas Laun mit dem Psychiater Peter Hofman diskutierte.[10][11] Weiter Beachtung fand eine Diskussion über die Praxis des Exorzismus: Der Psychiater Hartmann Hinterhuber,[12] der diese Praxis kritisiert, wurde dem Theologen und Exorzisten Larry Hogan[13] gegenübergestellt. Zusammenfassend stellte der Klinikleiter Hans-Peter Kapfhammer die Herausforderung für die psychiatrische Fachwissenschaft dar, in kirchlichen Zusammenhängen nicht selbst von Gottesbildern auszugehen, aber offen dafür zu sein, die Religiosität und damit die Gottesbilder in die Diskussion einzuholen. Bei einigen Themen wie dem Exorzismus müsse es jedoch aus der psychiatrischen Perspektive klare Grenzen geben.[14]

Kongress RPP 2015 International Congress on Science and/or Religion: a 21st Century DebateBearbeiten

In Kooperation mit der Sigmund Freud Privatuniversität Wien fand ein dreitägiger Kongress mit Wissenschaftlern aus sieben Ländern statt – darunter der österreichische Psychiater Raphael Bonelli, Fraser Watts von der Cambridge University in England und Sayyed Mohsen Fatemi von der Harvard University in den USA. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner wandte sich am Ende in einem Statement an die Teilnehmer. Der Kongress behandelte die Herausforderungen, die sich an der Schnittstelle zwischen Religion und Wissenschaft im 21. Jahrhundert ergeben: Neue, von Wissenschaft und Technologie generierte Einsichten in die Natur des Universums und des menschlichen Wesens beeinflussen traditionelle religiöse Glaubenswelten und Sichtweisen. Näher beleuchtet wurde auch die Frage nach dem Einfluss von Religion und Wissenschaft auf den „way of life“ im 21. Jahrhundert. Auch Wissenschaftler aus dem Iran nahmen teil.[15][16]

RPP FachtagungenBearbeiten

  • Schuld und Gefühl (Herbst 2008)
  • Liturgie & Psyche (Frühjahr 2009)
  • Verletzung-Verbitterung-Vergebung (Herbst 2009)
  • Internetsexsucht (Frühjahr 2010)
  • Psychotherapie und Beichte (Herbst 2010)
  • Burnout (Frühjahr 2011)
  • Islamophobie (Sommer 2011)
  • Zölibat & Beziehung (Herbst 2011)
  • Jugendsexualität (Winter 2011)
  • Muslimisch-christlicher Dialog (Frühjahr 2012)
  • Charakter & Charisma (Sommer 2012)
  • Soll Religion in der Psychotherapie vermieden werden? (Herbst 2012)
  • Selbstverwirklichung (Winter 2012)
  • Glück & Seligkeit (Frühjahr 2013)
  • Ist Schönheit Luxus? (Sommer 2013)
  • Gottesfurcht & Heidenangst (Herbst 2013)
  • Schuld & Reue (Winter 2013)
  • Buddhismus (Frühjahr 2014)
  • Neurose & Askese (Sommer 2014)
  • Krisenintervention (Herbst 2014)
  • Kontemplation & Multitasking (Winter 2014)
  • Leistungsgesellschaft & Vereinsamung (Frühjahr 2015)
  • Perfektionismus & Vollkommenheit (Sommer 2015)
  • Bindung & Familie (Herbst 2015)
  • Scham & Anstand (Frühjahr 2016)
  • Psychology of Music (Sommer 2016)
  • Gott & Humor (Herbst 2016)
  • Wenn die Schuld drückt: Psychologie und Beichte (Winter 2016)
  • Liebe & Narzissmus (Frühjahr 2017)
  • Himmel & Hölle (Herbst 2017)
  • Schuld & Vergebung (Frühjahr 2018)
  • Mann & Frau (Herbst 2018)
  • Sex & Crime (Frühjahr 2019)
  • Weisheit & Verblödung (Herbst 2019)

WeblinksBearbeiten

PublikationenBearbeiten

  • Bonelli RM; Pieringer W; Kapfhammer H (Hrsg.): Religiosität in Psychiatrie und Psychotherapie. Pabst-Verlag 2007. ISBN 3899674235
  • Utsch M, Bonelli RM, Pfeifer S. Psychotherapie und Spiritualität - Mit existenziellen Konflikten und Transzendenzfragen professionell umgehen. Springer-Verlag Berlin. 2014, 228 S. 10 Abb. ISBN 978-3-642-02523-5.

EinzelnachweiseBearbeiten