Protonuraghe

Vor- oder Frühform der Tholosnuraghen der bronzezeitlichen Nuraghenkulturen auf Sardinien.
Protonuraghe und Tholosnuraghe

Protonuraghen (auch Korridor- oder Pseudonuraghen, italienisch Nuraghe a corridoio) sind die Vor- oder Frühform der klassischen Turmbauten oder Tholosnuraghen (italienisch Nuraghe a tholos) der bronzezeitlichen Nuraghenkulturen auf Sardinien. Das Alter der Protonuraghen wurde lange debattiert. Giovanni Lilliu, einer der bekanntesten sardischen Archäologen, hielt sie zunächst für späte, degenerierte Formen der eigentlichen nuraghischen Türme. Erste Ausgrabungen schienen das zu unterstützen. Lilliu zitierte Pausanias, der den römischen Angriff von 231 v. Chr. beschrieb und erwähnt, dass die Ureinwohner Sardiniens ihre Angriffe von unterirdischen Bauten und Höhlen aus führten. Protonuraghen schienen dieser Beschreibung zu entsprechen, da sie häufig unter Nutzung von Felsen (vor allem bei der Protonuraghe Albucciu sichtbar) errichtet wurden. Allerdings konnte Ercole Contu, der die Ausgrabung der Protonuraghe Peppe Gallu leitete, das Gegenteil belegen. Nach der Ausgrabung der Protonuraghe Brunku Madagui (umgeben von einer spätnuraghischen Siedlung) steht zweifelsfrei fest, dass Protonuraghen zu den frühen Konstruktionen zählen und in die Frühbronzezeit zu datieren sind. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass einige von ihnen bis in die Eisenzeit und sogar noch in der Kolonialzeit genutzt wurden.

FormenBearbeiten

Unter den Protonuraghen gibt es nur wenige, die runde Kammern haben (Izzana bei Aggius und Serra Castrula), die für die späteren Nuraghen obligatorisch sind. Im Übrigen gibt es zwei Kulturen, die sie in vier Grundformen errichteten:

1. Korridornuraghen; mitunter durchquert ein mit horizontalen Platten (Sturz) oder mit einem Kraggewölbe gedeckter Gang das Bauwerk vollständig, wodurch ein doppelseitiger Zugang entsteht. Es gibt simple Gangkonstruktionen, wie sie die Nuraghe Urzeghe zeigt und komplexe beim Protonuraghen Tusari (mit fünf Nischen und einer Treppe), und solche ähnlich den korsischen Torren, an natürliche Felsaufschlüsse angelehnte Anlagen (Albucciu bei Arzachena und Arrubiu bei Quirra).

2. Protonuraghen mit schiffsförmigem Innenraum; eine spätere Entwicklung der Protonuraghen stellt ein Typ dar, dessen Korridor nach einem engen und niedrigen mit Sturz gedeckten Stück breiter und höher wird. Die Decke weist die Form eines Eselsrückens oder eines umgedrehten Schiffs auf (Protonuraghe Orgono).

3. Am verbreitetsten ist der Typ mit einem blind endenden Korridor, an dem sich kleine Seitennischen befinden oder Querkorridore kreuzen, die sich u. U. zu einer Treppe öffnen, die in den oberen Teil des Bauwerks führte. In anderen Fällen öffneten sich zum Korridor hin kurze Quergänge mit endständig kleinen mit Kraggewölben gedeckten Räumen. Dies sind die Vorboten der Tholosnuraghen. Den Übergang zu den Nuraghen mit Gewölben scheinen die Nuraghen Albucciu, bei Arzachena, Izzana und Su Mulinu, bei Villanovafranca, darzustellen, in denen sich beide Deckenformen finden.

4. In einigen Fällen (Friarosu, bei Mogorella) befinden sich in der Mauermasse gar keine Korridore, sondern nur von außen erreichbare kleine Zellen.

Die Grundrisse von Protonuraghen können rund, oval, D-förmig, trapezoid, rechteckig oder unregelmäßig (Nuraghe Brunku Madagui) sein. Im Inneren der gedrungenen Bauten findet sich außer Korridoren und Nischen mitunter eine so genannte Wächterzelle nahe dem Eingang (z. B. Front'e Mola bei Thiesi). Einzelne der nur bis zu 10 m hohen, jedoch Flächen bis zu 250 m² bedeckenden Formen sind zweietagig oder hatten eine Dachplattform. Bei diesen Bauwerken, deren Kennzeichen beachtliche Mauermassen sind, von denen nur ein geringer Teil durch wenige enge Räume genutzt wurde, war die Plattform der oberen Terrasse der funktionelle Teil.

Protonuraghen wurden, als sich die Architektur der mehr als 25-mal so häufigen Tholosnuraghen durchgesetzt hatte, möglicherweise weiter benutzt.

TholosnuraghenBearbeiten

Die Tholosnuraghen sind stets rund, weitaus höher (bis 20 m), bedecken aber eine geringere Grundfläche (etwa 100 m²). Ihr Merkmal ist die zentrale, runde Kammer, selten ganz ohne, öfter mit zwei bis vier Nischen; meist jedoch mit dreien – wie der skizzierte Nuraghe. Damit entspricht ihre Innenkonstruktion (besonders was die Kuppelform betrifft) grob den irisch-schottischen Megalithanlagen vom Typ Newgrange und Maes Howe, während der Grundriss dem schottischer Brochs entspricht.

ZeitstellungBearbeiten

Die etwa 300 Protonuraghen auf Sardinien entstanden während der Phase B der zweiphasigen Bonnanaro-Kultur, die als Nachfolger der sowohl megalithischen als auch kupferzeitlichen Monte-Claro-Kultur etwa zwischen 1800 und 1500 v. Chr. herrschte.

Liste von Protonuraghen mit ArtikelBearbeiten

Friarosu
Brunku Madagui
Front'e Mola
Izzana
Seneghe
Albucciu
Protonuraghen auf Sardinien

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten