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Der Physiozentrismus (von griechisch physis= Natur) gilt in der Umweltethik als Gegenbegriff zum Anthropozentrismus. Einer streng anthropozentrischen Auffassung zufolge hat die außermenschliche Natur keinen Eigenwert und ist nur für den Menschen da. Physiozentrische Positionen hingegen gehen davon aus, dass die Natur einen eigenen moralischen Wert besitzt, den der Mensch berücksichtigen muss.

UnterscheidungenBearbeiten

Innerhalb des Physiozentrismus werden häufig pathozentrische, biozentrische und radikal-physiozentrische Ansätze unterschieden. Dem Pathozentrismus zufolge besitzen alle empfindungsfähigen Lebewesen einen moralischen Eigenwert. Der Biozentrismus spricht grundsätzlich allen Lebewesen einen Eigenwert zu. Im Rahmen des radikalen Physiozentrismus werden eine individualistische Variante und eine holistische Variante unterschieden. Die individualistische Variante spricht Einzeldingen in der Natur, wie etwa Steinen, moralische Werte zu. Im holistischen Ansatz gilt die Ganzheit der Natur als Träger moralischer Werte.[1]

PathozentrismusBearbeiten

Als Kriterium zur Abgrenzung gilt die Leidensfähigkeit. Moralisch „relevante“ Objekte sind daher Menschen und höher entwickelte Tiere, bei denen die Leidensfähigkeit offensichtlich ist, wie z. B. bei Affen, Pferden und Hunden.

BiozentrismusBearbeiten

Jedes Lebewesen hat einen moralischen Eigenwert. Wurde u. a. von vegan bzw. vegetarisch lebenden Personen, Tierrechtlern und Umweltaktivisten entworfen; wird aber auch von Theologen wie Rupert Lay und dem Friedensnobelpreisträger Albert Schweitzer propagiert, der für mehr Biophilie gegen das Abgleiten in eine unmenschliche Welt plädiert. Siehe auch die Religion des Jainismus, in der Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen ein ethisches Grundprinzip ist.

HolismusBearbeiten

Moralisch relevantes Kriterium ist das Sein an sich. Daher sind für das ethische Handeln nicht nur Lebewesen, sondern auch die unbelebte Natur relevant.

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Angelika Krebs: Naturethik im Überblick. In: Angelika Krebs (Hrsg.): Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Frankfurt am Main 1997. Seite 337–379. S. 342.