Ein Pentachord (von griechisch penta „fünf“, chordéSaite“) ist ein „Tonwerkzeug“[1] mit fünf Saiten, vor allem aber ein fünfstufiger Ausschnitt aus einer siebenstufigen diatonischen Tonleiter. So spricht man vom Dur-Pentachord (den ersten fünf Stufen der Durtonleiter) und vom Moll-Pentachord (den ersten fünf Stufen der Molltonleiter). In der modernen mathematischen Musiktheorie steht das Wort Pentachord für fünfgliedrige sets (Zusammenstellungen) von pitch classes (Tonhöhenklassen).

Das diatonische PentachordBearbeiten

Der Musikwissenschaftler Willi Apel weist darauf hin, dass das Pentachord nicht nur systematisch, sondern auch historisch eine Zwischenstellung zwischen dem altgriechischen Tetrachord und dem guidonischen Hexachord einnimmt – als pentachordum spielt es eine zentrale Rolle in der frühmittelalterlichen Lehrschrift Musica enchiriadis.[2]

In der Themen- und Motivbildung der abendländischen Musik ist eine häufige Verwendung des Pentachords zu verzeichnen (siehe Johann Sebastian Bach, Thema der Fuge c-Moll im Wohltemperierten Klavier Teil II). Ebenso charakteristisch ist das knappe Überschreiten des Pentachords noch oben, nach unten oder in beide Richtungen (siehe Johann Sebastian Bach, Thema der Fuge g-Moll im Wohltemperierten Klavier Teil I). Auch viele Kinderlieder beschränken sich auf den Tonvorrat des Pentachords (etwa Hänschen klein und Summ, summ, summ) oder überschreiten diesen knapp. Die besondere Bedeutung des Pentachords in der Klavierpädagogik erklärt sich aus dem Bau der menschlichen Hand mit ihren fünf Fingern.[3]

Das Wort Pentatonik bezeichnet etwas anderes: keine fünfstufigen Teilbereiche siebenstufiger Leitern, sondern Leitern, die insgesamt fünfstufig sind.

Das Pentachord in der pitch-class theoryBearbeiten

In der pitch-class theory nach Allen Forte werden kompositionsrelevante sets (Zusammenstellungen) von pitch classes (Tonhöhenklassen) als Tetrachorde, Pentachorde, Hexachorde etc. bezeichnet.[4] Die pitch-class theory dient vor allem der Analyse von Stücken der freien Tonalität und freien Atonalität, findet aber auch Anwendung auf dem Gebiet der seriellen Musik. So wurden die Klavierstücke II und III von Karlheinz Stockhausen auf Pentachorde hin untersucht.[5]

LiteraturBearbeiten

  • Pentachord. In: Willi Apel: Harvard Dictionary of Music. Reprint der überarbeiteten und erweiterten 2. Auflage. Heinemann, London 1976.
  • Scales, modes, and systems. Mit zwei Abschnitten über pentachordische Strukturen in der altgriechischen Musiktheorie. In: John H. Chalmers: Divisions of the Tetrachord. A Prolegomenon to the Construction of Musical Scales. Herausgegeben von Larry Polansky und Carter Scholz. Frog Peak, Hanover N. H. 1993, ISBN 0-945996-04-7, S. 95–97 (online, PDF; 663 kB).

WeblinksBearbeiten

  • Pentachord im Online-Musiklexikon von musikwissenschaften.de, abgerufen am 27. Mai 2020.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. F. Riewe: Handwörterbuch der Tonkunst. Bertelsmann, Gütersloh 1879, Eintrag „Pentachord“, siehe Pentachord im Online-Musiklexikon von musikwissenschaften.de, abgerufen am 27. Mai 2020.
  2. Willi Apel: Harvard Dictionary of Music. Reprint der überarbeiteten und erweiterten 2. Auflage, Heinemann Educational Books, London 1976, Eintrag „Pentachord“.
  3. Hierzu auch Malte Heygster und Manfred Grunenberg: Handbuch der relativen Solmisation. Schott, Mainz 1998, S. 106 (wo das Wort Pentachord benutzt wird) und S. 142 (mit Hinweisen zur Verwendung im Klavierunterricht).
  4. Allen Forte: The Structure of Atonal Music. Yale University Press, New Haven und London 1973.
  5. Zum Klavierstück II siehe Herman Sabbe: Die Einheit der Stockhausen-Zeit … Neue Erkenntnismöglichkeiten der seriellen Entwicklung anhand des frühen Wirkens von Stockhausen und Goeyvaerts. In: Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn (Hg.): Karlheinz Stockhausen. … wie die Zeit verging … = Musik-Konzepte Heft 19, München 1981, S. 5–96. Zum Klavierstück III siehe David Lewin: Musical Form and Transformation. Four Analytic Essays. Oxford University Press, Oxford and New York 2007, darin das 2. Kapitel (Chapter 2. Making and Using a Pcset Network for Stockhausen’s Klavierstück III, S. 16–67).