Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Patientensicherheitsziele

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
Umsetzung der Ziele in konkreten Maßnahmen (Gesetze, Richtlinien oder dergleichen)
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

Die internationalen Patientensicherheitsziele, engl. International Patient Safety Goals, abgekürzt IPSG sind ein Instrument zur Qualitätssicherung im Gesundheitswesen.

Die Joint Commission International (JCI) hat sechs Ziele formuliert, um die Patientensicherheit bei der ambulanten und stationären Behandlung zu optimieren. Diese Ziele gelten weltweit und sollen von allen Leistungserbringern umgesetzt werden, die von der JCI akkreditiert sind. Dabei steht für die JCI die laufende Verbesserung der Behandlungsqualität im Vordergrund und das vorrangige Ziel, alle medizinischen Leistungen ohne Behandlungsfehler auszuführen.

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

Diese Ziele wurden formuliert, da in bestimmten Bereichen der Gesundheitsversorgung weltweit vermehrt vermeidbare Probleme aufgetreten sind, die teilweise zu einem schwerwiegenden Schaden der Patienten beigetragen haben. Die Ziele sollen im Hinblick auf diese besonders häufigen Gefahren die Patientensicherheit gewährleisten und einen gewissen Standard schaffen.[1]

Die ZieleBearbeiten

Die sechs Ziele lauten:[2]

  1. Korrekte Identifizierung des Patienten
  2. Verbesserung der Wirksamkeit in der Kommunikation
  3. Verbesserung der Sicherheit bei Hochrisikomedikamenten
  4. Verbesserung der Sicherheit bei Operationen
  5. Verringerung des Risikos von HCA-Infektionen
  6. Verringerung des Risikos von Stürzen

Korrekte Identifizierung des PatientenBearbeiten

Durch das erste Patientensicherheitsziel sollen Patienten korrekt identifiziert und Verwechslungen ausgeschlossen werden. Es sollen mindestens zwei Arten zur Identifikation des Patienten herangezogen werden, wobei die Patientenzimmernummer oder andere Örtlichkeiten nicht geeignet sind. Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. stellte fest, dass technische Hilfsmittel wie Patientenarmbänder, Barcodes oder Radio Frequenzidentifikation (RFID) hilfreich sein können. Der Nutzen von Patientenarmbändern ist in Zufallsstudien nicht bewiesen, darum wären weitere Untersuchungen nötig, um den Einsatz dieser bewerten zu können. Die britische National Patient Safety Agency (NPSA) empfahl bei der Nutzung von Patientenarmbändern, dieses während des ganzen stationären Aufenthalts am dominanten Arm des Patienten anzubringen. Außerdem sollen der Patientennachname, Vorname, das Geburtsdatum und die Versicherungsnummer in dieser Reihenfolge auf dem Armband aufgetragen sein. Die Schrift solle wegen der Lesbarkeit schwarz auf weißem Hintergrund sein und Patienten mit Risikofaktoren wie z. B. Allergien erhalten ein rotes Armband.

Ebenfalls um Verwechslungen zu vermeiden sollen Behälter für Blut oder andere Proben in der Anwesenheit des Patienten etikettiert werden. Die Verwendung von Barcodedruck- oder Etikettierungssystemen senke die Zahl der Identifizierungsfehler signifikant. Verwechslungen von Patienten führen bei Bluttransfusionen, Biopsiebefunden o. ä. zu gravierenden Folgen.[3]

Verbesserung der Wirksamkeit in der KommunikationBearbeiten

Das zweite Patientensicherheitsziel soll eine verbesserte Kommunikation unter den Leistungserbringern hervorrufen. Patienten- und Schichtübergaben stellen ein Risikofaktor für Fehler und Komplikationen durch mangelnde oder fehlerhafte Informationsweitergabe dar. Der Joint Commission International zufolge entstehen 80 % der schwer unerwünschten Ereignisse in Krankenhäusern durch Übergabefehler.

Verbesserung der Patientensicherheit im Krankenhaus soll hier durch offene Kommunikation und Teamwork erreicht werden. Die Informationsweitergabe wird ebenfalls durch technische Hilfsmittel wie Checklisten und Protokolle verbessert, deren Wirksamkeit bereits belegt wurde. Checklisten gewährleisten, dass notwendige Informationen nicht übersehen werden und ermöglichen eine einheitliche Informationsweitergabe. Übergaben sollten immer strukturiert und organisiert vorgenommen werden. Es empfiehlt sich, eine einheitliche Dokumentation zwischen Operationssaal, Aufwachraum und Station einzurichten, um eine gleichbleibende Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Außerdem sollte die Informationsweitergabe mindestens über zwei Medien stattfinden, z. B. mündlich und als zweites Medium schriftlich oder elektronisch.

Verbesserung der Sicherheit bei HochrisikomedikamentenBearbeiten

Das Patientensicherheitsziel 3 befasst sich mit der Sicherheit von Hochrisikomedikamenten. Verwechslungen und Medikationsfehler sollen verbessert werden. Eine genaue Zahl von Medikationsirrtümern anzugeben, ist jedoch nicht möglich, da Medikationsfehler ohne schwere Konsequenzen kaum gemeldet werden. Die Dunkelziffer scheint jedoch sehr hoch zu sein.

Um die Sicherheit bei Medikamenten zu verbessern soll die Qualität der Produktkennzeichnung gesteigert werden. Damit soll eine schnelle und zuverlässige Erfassung der Medikamente durch das Krankenhauspersonal erreicht werden.[4] Außerdem empfiehlt es sich, nicht etikettierte Spritzen, Tassen, Schalen o. ä. zu beschriften. Auf Patienten, welche blutverdünnende Medikamente einnehmen, ist besonders zu achten. Es gilt festzustellen und zu notieren, welche Arzneimittel der Patient bisher eingenommen hat. Diese Medikamente müssen mit den neu zu verordneten Medikamenten verglichen werden. Anschließend muss sichergestellt werden, dass der Patient über die richtige Einnahme seiner Medikamente Bescheid weiß. Um die Medikationsfehler weiter einzuschränken, sollen computerisierte Arzneimittelverordnungen eingeführt werden. So lasse sich die Häufigkeit von unerwünschten Arzneimittelvorfällen um mehr als 50 % reduzieren.

Verbesserung der Sicherheit bei OperationenBearbeiten

Das Patientensicherheitsziel 4 befasst sich mit der Verbesserung der Sicherheit bei Operationen, im Detail bedeutet es, dass die geplante Operation an der richtigen Stelle und mit dem richtigen Verfahren am richtigen Patienten durchgeführt wird. Um dieses Ziel durchsetzen zu können, sollte ein universelles Protokoll eingeführt werden, um die Operation korrekt vorzubereiten. Dieses sollte Richtlinien und Verfahren enthalten, die einen einheitlichen Prozess gewährleisten. Hierbei wird unter anderem empfohlen, den Patienten aktiv mit einzubinden, damit dieser den Ablauf des Eingriffs nachvollziehen kann. Eine zusätzliche Markierung des Eingriffsorts am wachen Patienten ist dabei auch hilfreich. Vor dem Eingriff soll der Patient nochmals verifiziert werden und außerdem sollte das komplette Operationsteam eine kurze Pause einlegen, um jegliche Fehler zu vermeiden. Bei diesem Ziel sollte vor allem beachtet werden, dass alle benötigten Dokumente korrekt sind und die Ausstattung für die Operation sowohl griffbereit als auch funktionsfähig ist.[5][6]

Verringerung des Risikos von HCA-InfektionenBearbeiten

Das Patientensicherheitsziel 5 behandelt die Verringerung des Risikos von nosokomialen Infektionen, auch HCA-Infektionen genannt (engl. Healthcare associated = behandlungsassoziiert). Sie werden erst als nosokomial bezeichnet, wenn mit Sicherheit feststeht, dass die Infektion während des Krankenhausaufenthaltes eingetreten ist.

Hierbei ist eine fortlaufende Infektionskontrolle wichtig, die die Prävention umfasst, wozu unter anderem eine richtig erlernte Händedesinfektion des Krankenhauspersonals zählt. Das Erlernen findet mithilfe allgemein anerkannter Richtlinien zur Handhygiene statt, die als Erinnerung gut sichtbar im Krankenhaus verteilt hängen sollten. Zusätzlich kann das Aufstellen von Händedesinfektionsautomaten für Patienten und Besucher von Vorteil sein. Zu der Verringerung gehört auch die entsprechenden Leitlinien zu befolgen, die Blutinfektionen, Harnwegsinfektionen, schwer zu behandelnde Infektionen und Infektionen nach Operationen vorbeugen können. Zudem sollte bei der Erkennung einer solchen Infektion die Bekämpfung und Verhinderung der Ausbreitung im Vordergrund stehen.

Verringerung des Risikos von StürzenBearbeiten

Das Patientensicherheitsziel 6 befasst sich mit der Verringerung des Verletzungsrisikos der Patienten in Folge von Stürzen. Um diese Verringerung zu erreichen, sollte bei jedem Patienten das Sturzrisiko bewertet und bei gefährdeten Personen eine Hilfsmittelversorgung (Rollstuhl, Krücken etc.) sichergestellt werden.

Ändern sich die Bedingungen des Patienten nach einem Eingriff, einer Veränderung der Medikation oder ähnlichem, sollte neu bewertet werden und wenn benötigt, entsprechende Veränderungen durchgeführt werden. Eine regelmäßige Auswertung der Sturzrate und der Sturzfolgen hilft dabei, Gefahren zu eliminieren und entsprechende Hilfsleistungen an benötigter Stelle zu schaffen.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Patientensicherheitsziele Website des Bundeswehrkrankenhauses Koblenz, abgerufen am 10. Januar 2018
  2. vgl. Daniela Schriefl: Die Pflegedokumentation auf der chronischen Hämodialyse 2015, S. 23 f.
  3. E. Sebastian Debus, Reinhart T. Grundmann, Julika Heilberger: Good Clinical Practice in der Gefäßchirurgie. Springer-Verlag GmbH, 2017
  4. Patientensicherheit bei der Anwendung von Medizinprodukten fördern: Eindeutige Identifikation und jederzeit verfügbare Begleitinformationen gewährleisten Handlungsempfehlung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Oktober 2017
  5. F. Reuther: Vermeidung von Eingriffsverwechslungen. Springer-Verlag GmbH, 2009
  6. Peter Hensen: Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen: Grundlagen für Studium und Praxis. Springer Gabler 2016, S. 395 f.