Pano-Sprachen

Sprachfamilie

Pano bzw. Paño (engl. Panoan) ist eine Sprachfamilie, die in zwei getrennten Gebieten diesseits und jenseits der brasilianisch-peruanischen Grenze verbreitet ist. Sie umfasst 28 Einzelsprachen mit insgesamt 47.000 Sprechern (zur weiteren Klassifikation siehe Indigene amerikanische Sprachen).

dokumentierte Sprachgebiete und wahrscheinliche frühere Gebiete. dunkelgrün:Pano hellgrün:Takana

Pano-Sprachen sprechen unter anderem die Kaxinawá (Cashinahua), die Shipibo-Conibo (größte Gruppe mit ca. 30.000 Sprechern) und die Yaminawá, zu den kleineren Sprechergruppen gehören die Kaxarari und Marubo. Kleinere Gruppen von einigen Hundert Menschen im bolivianischen Amazonas-Gebiet sprechen ebenfalls Pano-Sprachen, so z. B. Chácobo um Alto Ivon.

Die Pano sprechenden Gruppen wurden zur Zeit des Kautschukbooms verstreut und umgesiedelt, so dass sie selbst nur noch wenig über ihre Herkunft und Identität wissen. Verschiedene Eigenbezeichnungen ihrer Sprachen finden sich auch bei den nicht näher verwandten Nachbarvölkern und führen oft zu Verwechselungen.

Ergänzt um die Tacana-Sprachen ergibt sich die übergeordnete Sprachfamilie der Pano-Tacana-Sprachen.

MorphologieBearbeiten

Charakteristisch für die agglutinierenden Pano-Sprachen ist die in dieser Form einzigartige Verwendung von etwa 30 verschiedenen einsilbigen körperteilbezogenen Präfixen für „Mund“ bis „Fingernagel“, die den Nominal-, Verb- oder Adjektivstämmen vorangestellt werden und diese näher bestimmen, aber durch Analogie auch auf die Tier- und Pflanzenwelt, Artefakte oder Landschaften angewendet werden können. So bedeutet -kiad-o-bi (Hand-lernen-VERGANGENHEIT-1.PERS.SINGULAR): „Ich lernte (etwas) mit der Hand“ (zu tun, z. Weben).[1] In der Struktur der Sprache sind Parallelen zur Mythologie z. B. der Marubozu erkennen, die die Erschaffung neuer Wesen durch Kombination von Körperteilen der Verstorbenen erklärt.

Insgesamt ist die Morphologie der Pano-Sprachen jedoch durch die vorwiegende Verwendung von Suffixen geprägt. Einmalig ist die Verkettung von bis zu etwa 10 Suffixen zur Bestimmung zeitlicher oder logischer Relationen und zum Verweis auf Subjekt, Objekte usw.[2]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David W. Fleck: Body-part prefixes in Matses: derivation or noun incorporation? In: International Journal of American Linguistics 72 (2006), S. 59–96.
  2. David W. Fleck: Panoan languages snd linguistics. Anthropological Papers of the American Museum of Natural History. Nr. 99, 2013.