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Aufbau und Verwendung einer Gießbank zum Herstellen von Orgelmetall

Orgelmetall bezeichnet eine Legierung von Zinn und Blei zur Herstellung von Orgelpfeifen.

EinteilungBearbeiten

Das Massenverhältnis der Legierung wird als „Lötigkeit“ angegeben:

Lötigkeit Zinn Blei Bezeichnung[Anm. 1]
16lötig 100 % (rein) 0 % Zinn
14lötig 87,5 % 12,5 %
12lötig 75 % 25 % „Probezinn“
10lötig 62,5 % 37,5 %
8lötig 50 % 50 % „Naturguss“
6lötig 37,5 % 62,5 %
4lötig 25 % 75 % „Blei“

Bei sehr hohem Bleianteil oder großen Metallpfeifen wird auch eine geringe Menge Antimon zur Festigkeitssteigerung zugesetzt.[1] Aufgrund seiner mechanischen Materialeigenschaften lässt sich das Orgelmetall einfach herstellen und mit Handwerkzeugen sehr gut bearbeiten. Der Klang einer Orgelpfeife wird durch die Zusammensetzung der Legierung beeinflusst. Je mehr Zinn sie enthält, desto heller und schärfer, je mehr Blei desto weicher klingt sie. Reines Zinn findet nur ausnahmsweise Anwendung. Prospektpfeifen werden aufgrund der guten Politurfähigkeit aus Legierungen mit 75 % oder mehr Zinn hergestellt.

Anmerkungen
  1. Die Bezeichnungen der Legierungen werden allerdings nicht einheitlich angewendet.

HerstellungBearbeiten

GussBearbeiten

Das Orgelmetall wird heute noch traditionell im Gussverfahren[2] hergestellt: Die Gießbank ist ein massiver Tisch, der sich durch die Hitze nicht verziehen darf, mit einer Bespannung aus Leinen, das die eventuell auftretenden Gießgase entweichen lässt. Damit erreicht man einen blasenfreien Guss. Der Gießkasten ist ein beweglicher rechteckiger Rahmen, der auf Führungen in Längsrichtung auf der Gießbank zu verschieben ist. An der Rückseite des Gießkastens ist ein verstellbares Brett angebracht. Damit lässt sich die Dicke der zu gießenden Platte einstellen. Zum Guss wird der Gießkasten mit geschmolzenem Orgelmetall, das je nach Legierung 200 – 300 Grad aufweist, ausreichend befüllt und anschließend zügig über die Gießbank gezogen. Die nicht vergossene Menge an Orgelmetall gelangt in einen Behälter, der am Ende der Gießbank angebracht ist und wird zeitnah dem Gussofen wieder zugeführt.

SandgussverfahrenBearbeiten

Alternativ kann man Orgelmetall anstatt auf der Leinenbespannung auch auf einem exakt geglätteten Sandbett gießen. Der Sand muss vor jedem Gussvorgang neu geglättet werden, was etwas zeitaufwändiger ist.

WeiterbearbeitungBearbeiten

Die Platte wird nach dem Abkühlen sauber beschnitten und dann gehobelt. Früher wurde mit Handhobeln die Platte auf die gewünschte Stärke gebracht, heute erfolgt der Hobelvorgang mit einer speziellen Hobelmaschine.[3] Dazu wird die gegossene Platte auf die Trommel der Maschine gespannt, die Trommel wird in eine Rotationsbewegung versetzt und ein Stahl, der verschiebbar quer zur Trommel angebracht ist, schneidet das unbenötigte Material nach und nach weg, ähnlich wie bei einer Drehbank spanabhebend. Dadurch erhält die Platte ein sehr genaues Stärkenmaß.

Anschließend wird die Platte poliert und steht zur weiteren Verarbeitung zur Verfügung.

LiteraturBearbeiten

  • Johann Gottlob Töpfer, Paul Smeets: Lehrbuch der Orgelbaukunst, Rheingoldverlag, Mainz, Bd. 2, 1957. S. 265 ff.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. DAS PFEIFENWERK (Orgelauskunft)
  2. Johann Gottlob Töpfer, Paul Smeets: Lehrbuch der Orgelbaukunst, Rheingoldverlag, Mainz, Bd. 2, 1957. S. 273 ff.
  3. Johann Gottlob Töpfer, Paul Smeets: Lehrbuch der Orgelbaukunst, Rheingoldverlag, Mainz, Bd. 2, 1957. S. 276–277 ff.