Noctograph

Vorrichtung zum Schreiben ohne Schreibfeder

Der Noctograph ist ein 1806 patentiertes und von Ralph Wedgwood in London vertriebenes Gerät, das es ermöglichte, auch nachts oder bei Blindheit schreiben zu können. Der Name setzt sich zusammen aus „nox, noctis“ = lateinisch für „Nacht“ und „γράφειν“, griechisch für „schreiben“.

FunktionsweiseBearbeiten

Ein Blatt Papier wurde mit Drucktinte getränkt und nach dem Trocknen in einem Kasten oder Rahmen in die Mitte zwischen zwei weiße Blätter gespannt. Der Schreiber musste nur mit einem Griffel auf das obere weiße Blatt „schreiben“ (besser drücken) und durch das darunter liegende Kohleblatt wurde die Schrift auf dem weißen unteren Blatt sichtbar. Er musste also zum Schreiben nicht – wie damals üblich – eine Feder in ein Tintenfass tauchen.

VerwendungBearbeiten

Praktische Anwendung fand der Noctograph wohl überwiegend bei blinden Menschen, denen er es erleichterte, Notizen zu verfassen und am Schriftverkehr teilzunehmen. Schließlich mussten sie nun nicht mehr darauf achten, ob ein Federkiel noch genug Tinte hatte oder wieder in das Tintenfass eingetaucht werden musste. So benutzte etwa der blinde englische Abenteurer und Reiseschriftsteller James Holman ein solches Gerät, um sich Notizen auf seinen Reisen zu machen. Diese bildeten die Grundlage seiner ausführlichen Reiseberichte.

Bekannt wurde auch die Verwendung des Noctographen durch den ebenfalls erblindeten US-amerikanischen Historiker William Hickling Prescott, der den Großteil seiner Bücher mittels eines solchen Gerätes verfasste.

Mit dem Erfolg des Füllfederhalters sowie des Kugelschreibers verlor der Noctograph zusehends an Bedeutung.

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