Hauptmenü öffnen

Ein Nachfrageüberhang (englisch demand surplus) liegt in der Wirtschaft vor, wenn auf einem Markt die Nachfrage das Angebot übersteigt. Gegensatz ist der Angebotsüberhang.

Inhaltsverzeichnis

AllgemeinesBearbeiten

Funktionierende Märkte tendieren dazu, Angebots- und Nachfragemenge zum Marktpreis oder Gleichgewichtspreis zum Ausgleich zu bringen; es liegt Marktgleichgewicht vor. Nachfrageüberhänge sind dagegen ein Indiz für Marktungleichgewichte. Erhöhen die Nachfrager ihre Nachfrage   bei gegebenem Angebot   an Gütern oder Dienstleistungen – aus welchem Grund auch immer – so entsteht ein Nachfrageüberhang:

 .

Durch die Knappheit des Angebots muss die große Nachfrage repartiert werden. Der Preismechanismus sorgt hierbei für Preissteigerungen, bei denen sich manche Nachfrager zurückziehen. Dieser Nachfrageüberhang gibt den Anbietern einen Anlass zur Preiserhöhung und/oder zur Vergrößerung ihrer Kapazitäten. Durch diese Anpassungen verschwindet der Nachfrageüberhang nach einiger Zeit,[1] und es tritt Marktgleichgewicht ein.

Ursachen und FolgenBearbeiten

Nachfrageüberhänge sind charakteristisch für Verkäufermärkte, auf denen die Anbieter die größere Verhandlungsmacht besitzen. Ein Nachfrageüberhang kann sich vor allem entwickeln, wenn die Konkurrenz auf der Anbieterseite sehr klein ist und bei den Nachfragern noch keine Marktsättigung erreicht ist. Hauptursache ist meist die Unterbeschäftigung bei Anbietern. Der Nachfrageüberhang tritt unterhalb des Gleichgewichtspreises auf. Er führt tendenziell zu steigenden Preisen,[2] es besteht eine inflatorische Wirkung. Auf nicht funktionierenden Märkten wird der Staat regulierend durch Interventionismus eingreifen, etwa auf dem Devisenmarkt durch Devisenmarktintervention. Der Staat tendiert dazu, bei Nachfrageüberhängen Höchstpreise festzulegen. Beispiel ist der deutsche Wohnungsmarkt, der durch knappes Wohnungsangebot gekennzeichnet ist. Folge sind Mietpreissteigerungen, so dass der Staat mit Mietpreisbindungen eingreift. Ein Nachfrageüberhang geht stets von den Nachfragern aus.

AbgrenzungBearbeiten

Nachfrageüberhang und Angebotslücke sind zwar modelltheoretisch das gleiche, der Unterschied zwischen beiden liegt jedoch in der Ursache der Differenz und in den Auswirkungen bezüglich Preis- und Mengenänderung.[3] Beispielsweise bewirkt ein Rückgang der Investitionsneigung bei gegebenem Kreditzins einen Angebotsüberhang auf dem Kreditmarkt, dem eine Nachfragelücke auf dem Investitionsgütermarkt entspricht.[4] Bei einem Nachfrageüberhang nehmen sowohl Preis als auch Menge zu, während bei der Angebotslücke der Preis sinkt, aber die Menge steigt.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Kortmann, Mikroökonomik: Anwendungsbezogene Grundlagen, 2006, S. 302, FN 1
  2. Walter Kortmann, Mikroökonomik: Anwendungsbezogene Grundlagen, 2006, S. 409
  3. Lothar Wildmann, Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik, Band I, 2007, S. 55
  4. Lothar Wildmann, Einführung in die Volkswirtschaftslehre, Mikroökonomie und Wettbewerbspolitik, Band I, 2007, S. 55 f.