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Morgan Threewheeler
Produktionszeitraum: 1910–1952,
seit 2012
Klasse: Sportwagen
Karosserieversionen: Roadster
Morgan J.A.P., Baujahr 1932, beim Old­timer-Grand-Prix 1977 auf dem Nürburg­ring (Start-und-Ziel-Schleife in 1:11,1 min = 106,05 km/h; auf der Ziel­geraden 152 km/h)

Der Morgan Threewheeler ist ein britischer Roadster mit zwei Vorderrädern, nur einem Hinterrad und einem Zweizylinder-Frontmotor. Henry Frederick Stanley Morgan (* 1881 in Stoke Lacy Rectory, Hereford, † 1959) konstruierte den Prototyp in den Jahren 1908/09 und stellte sein erstes Modell, den einsitzigen „Morgan Runabout“, 1910 auf der Londoner Fahrrad- und Motorrad-Ausstellung der Öffentlichkeit vor. Obwohl es keinen Plan für eine Serienfertigung gab, war das Interesse an dem kleinen Wagen so groß, dass Morgan in neue Gebäude und Maschinen investierte und ihn produzierte. Bis 1952 wurde er mit nur kleinen Veränderungen gebaut.[1][2]

Auf dem Genfer Auto-Salon 2011 präsentierte Morgan Motor eine moderne Neuauflage[3], die seit 2012 auf dem Markt ist. Dieser 3-Wheeler hat ein 5-Gang-Schaltgetriebe von Mazda, statt des anfänglichen Zweiganggetriebes ohne Rückwärtsgang und des späteren Dreiganggetriebes.

Im Frühjahr 2016 wurde eine Variante mit Elektroantrieb vorgestellt, die im Juli desselben Jahres in einer ersten Auflage auf den Markt kam.

Morgan Threewheeler (1910–1952)Bearbeiten

 
Vorderrad mit Aufhängung, Teleskopstoßdämpfer ist nicht serienmäßig
 
Wassergekühlter Matchless-Motor
 
Morgan Runabout DeLuxe von 1923
 
Morgan F4 von 1938
 
Heck eines Morgan F-Super von 1947

Die Morgan Threewheeler waren vorwiegend offene, zweisitzige Dreirad-Kraftfahrzeuge mit einer Stahlblechkarosserie ohne Türen.

Rahmen und FahrwerkBearbeiten

Der Rahmen bestand aus einem Zentralrohr und zwei zusätzlichen Längsträgern, mit denen die Karosserie verschraubt war. Die Vorderräder waren einzeln nach einem Patent von Morgan an Geradführungen mit Schraubenfedern aufgehängt. Auf senkrechten runden Führungssäulen liefen Gleitbuchsen mit den Achsschenkeln. Zum Lenken konnten die Buchsen auf den Säulen verdreht werden. Sie stützten sich an Schraubenfedern ab. Eine ähnliche Konstruktion verwendete auch Lancia nach dem Ersten Weltkrieg. Hinten gab es eine Zweiarm-Längsschwinge mit Viertelelliptikfedern. Die Räder werden – trotz der schmalen Form – wie in einem Pkw-Fahrwerk vertikal geführt; der Wagen neigt sich in Kurven etwas nach außen. Das Fahrzeug war wenig mehr als drei Meter lang und etwa 1,50 Meter breit.[1]

Motor und GetriebeBearbeiten

Der Threewheeler wurde mit Motoren verschiedener Hersteller geliefert. Morgan selbst benutzte einen Motor von Peugeot für seinen Prototyp. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden häufig Motoren von J.A.P., Blumfield und Precision verwendet und danach von MAG, J.A.P., Anzani und Blackburne. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nur noch wenige Fahrzeuge gebaut, unter ihnen war eine größere, hauptsächlich für den Export bestimmte Anzahl mit Motoren von Matchless.[4] Es war grundsätzlich ein langhubiger, entweder luft- oder wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor mit zentraler Nockenwelle, der bei den meisten Fahrzeugen ohne Verkleidung vorn eingebaut war und dadurch im Fahrtwind lag. Der Kühler war hinter dem Motor platziert. 1935 brachte Morgan den F4 und den F-Super auf den Markt. Diese Fahrzeuge hatten einen geschlossenen Motorraum mit Kühler vorn und einem seitengesteuerten Vierzylinder-Reihenmotor von Ford dahinter. Die gleichen Motoren wurden auch im Ford Modell Y (8 HP) und im Ford Ten (10 HP) eingebaut. Für diesen Umbau wurde der Radstand auf ca. 2514 mm (8 foot und 3 inch) verlängert.[4][5] Eine im Zentralrohr laufende Antriebswelle übertrug die Kraft vom Motor an das vor dem Hinterrad eingebaute Getriebe.[1][6]

Bis 1931 hatte der Threewheeler ein Zweiganggetriebe ohne Rückwärtsgang mit einer separaten Antriebskette für jeden der beiden Gänge und zwei Klauenkupplungen zum Schalten. Ab 1932 hatten die Fahrzeuge Dreiganggetriebe und nur noch eine Antriebskette. Geschaltet wurde mit einem Hebel in Fahrzeugmitte. Am Anfang gab es zwei Außenbandbremsen am Hinterrad, ab 1923 waren auch seilzugbetätigte Bremsen an den Vorderrädern lieferbar[7]. Später bekamen alle drei Räder Innenbacken-Trommelbremsen, wobei die Fußbremse mit Seilzug auf das Hinterrad wirkt, die Handbremse auf die Vorderräder, ebenfalls mit Seilzug.[1][6]

FahrleistungenBearbeiten

Durch das geringe Leergewicht von etwa 410 kg bis 460 kg je nach Modell und Baujahr waren die Threewheeler schnell und erreichten mit einer Motorleistung von etwa 40 PS (29 kW) in serienmäßiger Ausführung eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 130 km/h.[6] Außer den offenen Sportzweisitzern baute Morgan den Threewheeler als Cabriolet mit Klappverdeck und Motorhaube, als Lieferwagen und als Viersitzer – zunächst mit zusätzlichen Sitzen für Kinder – sowie ab 1935 mit geändertem Chassis, Ford-Vierzylindermotor und mit Türen. Die Sportmodelle waren ab 1932 wahlweise mit einer Tür oder zwei Türen lieferbar, was jedoch die Verwindungsfestigkeit der Fahrzeuge beeinträchtigte.[8]

MarkterfolgBearbeiten

Ein Threewheeler von 1935 mit wassergekühltem Zweizylindermotor und zwei Sitzen kostete £ 105.[9] Allerdings kostete ein viersitziger Austin Seven in der Grundausstattung nur £ 7 mehr.[9] Trotzdem galt es wohl als großer Vorteil, dass die Threewheeler mit einem Motorradführerschein gefahren werden konnten und wie ein Motorrad besteuert wurden. Lediglich £ 4 Road Tax, die Kfz-Steuer Großbritanniens, für ein Jahr waren 1935 zu entrichten.[9]

Bereits 1945 nahm Morgan die Produktion der Threewheeler wie auch die der vierrädrigen Fahrzeuge, wieder auf. Doch ein großer Absatz konnte nicht erreicht werden. In den sieben Jahren bis zur Produktionseinstellung wurden zum Beispiel vom F4 und F-Super noch 632 Fahrzeuge montiert. Das Ende kam mit dem Morgan Plus 4 von 1950. Die zunehmende Nachfrage nach diesem Typ führte 1952 dazu, dass die Produktion der Threewheeler eingestellt wurde, um die Stückzahl des Plus 4 vergrößern zu können.[5]

3-Wheeler (seit 2012)Bearbeiten

 
Neuer 3-Wheeler (seit 2012)
 
Heckansicht
 
Morgan 3-Wheeler EV3 auf dem Genfer Auto-Salon 2018

Äußerlich ähnelt die Neuauflage des 3-Wheelers von 2012 dem Original. Vorn ist ein Zweizylinder-V-Motor mit zwei Liter Hubraum und von Zahnriemen angetriebenen obenliegenden Nockenwellen eingebaut. Hersteller ist S&S in Wisconsin, der Zulieferer von Harley-Davidson. Die Vorderräder sind nicht mehr an der für Morgan patentierten Achse mit Geradwegfederung, sondern an doppelten Dreiecksquerlenkern aufgehängt. Die aus Aluminium statt Stahlblech gefertigte Karosserie ist nach wie vor spartanisch: ohne Windschutzscheibe, ohne Türen, ohne festes Dach, allerdings mit zwei Überrollbügeln zum Schutz der Insassen. Wie seit jeher wird auch der neue Threeweeler von Hand gebaut.[10]

Auf dem Genfer Auto-Salon 2016 präsentierte Morgan eine elektrische Variante des neuen 3-Wheelers. Im Juli 2016 brachte der Hersteller schließlich die erste Auflage des 46 kW (63 PS) starken 3-Wheeler EV3 auf den Markt. Diese UK 1909 Edition benannte Version entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Traditionswarenhaus Selfridges und ist auf 19 Exemplare limitiert. Neben dem Fahrzeug gehören Fahrerstiefel, Handschuhe, Jacke, Schal und Regenschutz zum Gesamtpaket. Um ein Exemplar zu erhalten, muss der Kunde seinen Wohnsitz in Großbritannien haben und persönlich bei Selfridges anfragen.[11]

Technische Daten
3-Wheeler EV3[12]
Bauzeitraum seit 2012 seit 2016
Motorkenndaten
Motortyp Zweizylinder-
V-Motor
Elektromotor
Hubraum 1983 cm³
max. Leistung bei min−1 61 kW (83 PS)
bei 5250/min
46 kW (63 PS)
max. Drehmoment bei min−1 140 Nm
bei 3250/min
Kraftübertragung
Antrieb Hinterradantrieb
Getriebe, serienmäßig 5-Gang-
Schaltgetriebe
Maße und Gewicht
Länge × Breite × Höhe 3225 × 1720 × 1000 mm
Leergewicht ca. 525 kg
Messwerte
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h 145+ km/h
Beschleunigung, 0–100 km/h 6,0 s 9,0 s
Kraftstoffverbrauch auf 100 km
(kombiniert)
9,3 l Super
CO2-Emissionen
(kombiniert)
215 g/km
Tankinhalt/Batteriekapazität 42 l 20 kWh

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Hermann Ries: Vergleich FMR Tiger (Baujahr 1960) gegen Morgan Super Sports (Baujahr 1932). In: Motor Klassik, Heft 12/1988, S. 101 u. 106.
  2. Sportliches Elektro-Dreirad. Abgerufen am 5. März 2017.
  3. Die Neuauflage eines Urgesteins. 1. März 2011, abgerufen am 5. Mai 2016.
  4. a b The Complete Catalogue of British Cars 1895-1975, David Culshaw und Peter Horrobin, Veloce Publishing Ltd., Dorchester England 2006, ISBN 1-874105-93-6, S. 220.
  5. a b A to Z British Cars 1945-1980, Graham Robson, Herridge & Sons Ltd, Devon England 2006, ISBN 0-9541063-9-3, S. 316 und 317.
  6. a b c Enzyklopädie des Automobils. Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-534-2, S. 282–285.
  7. http://morgan3w.de/index_de.htm
  8. Website über Morgan. Abgerufen am 9. Mai 2016.
  9. a b c British Cars of the Late Thirties 1935-1939, Bart H. Vanderveen, Haynes Publishing Group, Somerset England 1986, ISBN 0-85429-561-5, S. 5 und 17.
  10. Autorevue. Threewheeler-Test. Abgerufen am 8. Mai 2016.
  11. Sportliches Elektro-Dreirad. Abgerufen am 1. Januar 2017.
  12. Morgan launches EV3. Abgerufen am 11. August 2016.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Morgan 3-Wheeler (2011) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien