Modell (Wirtschaftsinformatik)

Modelle dienen in der Wirtschaftsinformatik (WI) vorwiegend der Beschreibung realer und soziotechnischer Systeme. Die dabei verwendeten Beschreibungsmittel zur Modellierung sind hauptsächlich der Informatik entliehen, werden aber für ihren Anwendungszweck zur Realweltbeschreibung bezüglich ihrer Semantik uminterpretiert: anders als die Modelle der Informatik denotieren WI-Modelle nicht auf das formale System einer Software, sondern auf realweltliche betriebliche oder verwaltungsbezogene Prozesse, Objekte, Organisationen und Organisationseinheiten. Da die Realwelt, anders als künstlich geschaffene, formale Systeme, nicht ohne die subjektive Leistung des Betrachters erfasst werden kann (ontischer Idealismus), werden Modelle der WI zumeist nicht als Abbilder (wie in der Informatik), sondern als Konstruktionsergebnis betrachtet.

Die Modellelemente werden mit Begriffen aus der jeweiligen Fachsprache des Anwendungskontexts bezeichnet. Da zur Interpretation des Modells zusätzlich zur Kenntnis der verwendeten Modellierungssprache (formaler Aspekt) auch die der Fachsprache (natürlichsprachlicher Aspekt) notwendig ist, spricht man im Kontext der Wirtschaftsinformatik häufig von semiformalen Modellierungssprachen und Modellen.

Der Begriff Modell wird in der Wirtschaftsinformatik aber nicht nur für die Gesamtheit des aufgestellten Systems inklusive der Semantik verwendet, sondern auch für die grafische Darstellung eines konkreten Sachverhalts unter Verwendung der definierten Modellelemente.

Weitere Bezeichnungen für Modelle der WI sind Informationsmodell, Organisationsmodell oder fachkonzeptionelles Modell.

BeispieleBearbeiten

Beispiele für konkrete Modelle sind:

Beispiele für konkrete Geschäftsprozessmodelle[1] sind:

LiteraturBearbeiten

  • Jörg Becker; Daniel Pfeiffer: Konzeptionelle Modelle in der Wirtschaftsinformatik: Konstruktion und Evaluation. In: wisu – Das Wirtschaftsstudium (ISSN 0340-3084). Bd. 35, H. 12 (Dezember 2006), S. 1551–1557.
  • Franz Lehner: Modelle und Modellierung in der Wirtschaftsinformatik: Versuch einer Standortbestimmung. In: Hartmut Wächter (Hrsg.): Selbstverständnis betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre: Tagung der Kommission Wissenschaftstheorie. Gabler, Wiesbaden 1995, ISBN 3-409-19199-2, S. 55–86.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Burkhard Messer: Zur Interpretation formaler Geschäftsprozeß- und Workflow-Modelle. In: Wirtschaftsinformatik und Wissenschaftstheorie: Bestandsaufnahme und Perspektiven. / Jörg Becker et al. (Hrsg.). Gabler Verlag, Wiesbaden 1999, ISBN 3-409-12002-5, S. 95–123.