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Das Migrationspaket ist ein Bündel aus Gesetzesvorhaben zur deutschen Migrationspolitik der 24. Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland (Kabinett Merkel IV). Es umfasst Regelungen zur Erwerbsmigration und zum Asyl.

  1. Fachkräfteeinwanderungsgesetz,
  2. Zweites Gesetz zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht (Geordnete-Rückkehr-Gesetz),
  3. Gesetz zur Entfristung des Integrationsgesetzes,
  4. Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung,
  5. Gesetz zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern (Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz),
  6. Zweites Gesetz zur Verbesserung der Registrierung und des Datenaustausches zu aufenthalts- und asylrechtlichen Zwecken (Zweites Datenaustauschverbesserungsgesetz)
  7. Drittes Gesetz zur Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes
  8. Reform des Staatsangehörigkeitsrechts

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hatte zunächst den Arbeitstitel Einwanderungsgesetz.

Das Migrationspaket ist nicht zu verwechseln mit dem UN-Migrationspakt.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

KoalitionsvertragBearbeiten

In dem am 12. März 2018 zwischen der CDU, CSU und SPD unterschriebenen Koalitionsvertrag wurde unter VIII. Nr. 2 (Erwerbsmigration) vereinbart: Unser Land braucht geeignete und qualifizierte Fachkräfte in großer Zahl. Kein Arbeitsplatz soll unbesetzt bleiben, weil es an Fachkräften fehlt. (...) Deshalb werden wir ein Regelwerk zur Steuerung von Zuwanderung in den Arbeitsmarkt und das damit verbundene Recht des Aufenthalts und der Rückkehr in einem Gesetzeswerk erarbeiten, das sich am Bedarf unserer Volkswirtschaft orientiert. Ein solches Gesetz wird die bereits bestehenden Regelungen zusammenfassen, transparenter machen und, wo nötig, effizienter gestalten. Maßgeblich zu berücksichtigen für den Zuzug nach Deutschland sind der Bedarf unserer Volkswirtschaft, Qualifikation, Alter, Sprache sowie der Nachweis eines konkreten Arbeitsplatzes und die Sicherung des Lebensunterhalts. Unter Fachkräften verstehen wir sowohl Hochschulabsolventen als auch Einwandererinnen und Einwanderer mit qualifizierter Berufsausbildung bzw. ausgeprägten berufspraktischen Kenntnissen.(...)[1]

KabinettsbeschlussBearbeiten

Am 19. Dezember 2018 wurden in der Kabinettssitzung der Bundesregierung zwei Gesetzentwürfe beschlossen: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (BT-Drs. 19/8285) und das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung (BT-Drs. 19/8286)

Verabschiedung von acht Gesetzen des „Migrationspakets“ im Juni 2019Bearbeiten

Insgesamt umfasst das „Migrationspaket“ acht Gesetzentwürfe zum Thema Migration.[2][3] Am 7. Juni 2019 verabschiedete der Bundestag in 2 und 3. Lesung ein Gesetzespaket zur Ordnung, Steuerung und Begrenzung von Migration aus folgenden sieben Gesetzen; die erstgenannten fünf sind in der Federführung des Bundesministeriums des Innern:[4]

Fachkräfteeinwanderungsgesetz
Der Bundestag verabschiedete die Fassung vom 13. März 2019 (BT-Drs. 19/8285) in namentlicher Abstimmung mit 369 Pro-Stimmen und 257 Gegenstimmen.[5]:Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll die Hürden für die Einreise von Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten senken. Wer qualifiziert ist, soll auch ohne Arbeitsvertrag kommen dürfen, um sich einen Job zu suchen. Das war bisher nur für Hochschulabsolventen möglich. Mit der Neuregelung will die Regierung den Fachkräftemangel beheben. In der Begründung des am 13. März 2019 veröffentlichten Entwurfs für das Fachkräfteeinwanderungsgesetz wird ausgeführt, dass ein Fachkräftemangel „bereits bei vielen Unternehmen, vor allem in der Gesundheits- und Pflegebranche, in den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), aber auch im Handwerk spürbar“ sei und sich „zu einem Risiko für die deutsche Wirtschaft entwickelt“ habe. Durch das neue Gesetz werde die Vorrangprüfung bei Fachkräften ausgesetzt, verbunden mit der Möglichkeit, „auf Veränderungen des Arbeitsmarktes unkompliziert reagieren und die Vorrangprüfung kurzfristig wieder einführen zu können“.[6]
Die Minister Hubertus Heil (Arbeit und Soziales) und Horst Seehofer (Inneres, Bau und Heimat) teilten mit, dass das Fachkräfteeinwanderungsgesetz erst zum 1. Januar 2020 in Kraft treten und vorerst nur bis zum 30. Juni 2022 gelten solle. Es wird also, wenn es die nächste Bundesregierung nicht verlängert, nur für zweieinhalb Jahre gelten.[7]
Geordnete-Rückkehr-Gesetz
Auch Zweites Gesetzes zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht genannt. Das Geordnete-Rückkehr-Gesetz wurde in namentlicher Abstimmung mit 372 Pro-Stimmen, 159 Gegenstimmen und 111 Enthaltungen verabschiedet.[2]
Gesetz zur Entfristung des Integrationsgesetzes
Es handelt sich um eine Entfristung der Wohnsitzregelung für Schutzberechtigte nach § 12 a des Aufenthaltsgesetzes
Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung
Der Bundestag verabschiedete die Fassung vom 13. März 2019 (BT-Drs. 19/8286).[5]:Das Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung soll, befristet bis Mitte 2022, neue Perspektiven für gut integrierte abgelehnte Asylbewerber schaffen. Die sogenannte Beschäftigungsduldung soll abgelehnten Asylbewerbern, die mit einer Duldung in Deutschland leben, die Möglichkeit geben, einen sichereren Aufenthaltstitel zu erhalten. Sie sollen bis zu zweieinhalb Jahre (30 Monate) sicher bleiben dürfen. Voraussetzungen sind unter anderem, dass sie mindestens 18 Monate in Vollzeit (mindestens 35 Stunden) sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben und seit mindestens zwölf Monaten geduldet sind.[8] Zuvor hatte eine solche Regelung unter dem Stichwort „Spurwechsel“ in der Debatte gestanden.[9]
Zweites Datenaustauschverbesserungsgesetz
Das Zweite Datenaustauschverbesserungsgesetz sieht laut Medienangaben vor, „dass verschiedene Behörden künftig leichter auf Daten aus dem Ausländerzentralregister zugreifen können, in dem Informationen von rund 10,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass gespeichert sind. Zu diesen Behörden zählen etwa Jugendämter, aber auch Polizei- und Sicherheitsdienste. Zudem sollen in Zukunft auch bereits von Kindern die Fingerabdrücke erfasst werden.“ Horst Seehofer geriet anschließend in die Kritik, da er verlautbarte, man habe das Gesetz „stillschweigend“ eingebracht, „weil es kompliziert ist, das erregt nicht so“, und man müsse „Gesetze komplizierter machen“.[10]
Ausländerbeschäftigungsförderungsgesetz vom 8. Juli 2019 (BGBl. I S. 1029)
Auch Gesetz zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern genannt.
Drittes Gesetz zur Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes
Diese Reform des Asylbewerberleistungsgesetzes sieht vor, dass Asylbewerber nicht mehr nach dem 15. Monat ihres Aufenthalts in Deutschland aus dem Leistungsbezug herausfallen sollen, wodurch Ausbildungs- und Studienabbrüchen unter Geflüchteten entgegengewirkt werden soll. Ausbildende Betriebe sollen mehr Rechts- und Planungssicherheit erhalten, und ehrenamtlich tätige Flüchtlinge sollen einen Freibetrag von 200 Euro haben. Zudem wurden die Bedarfsätze für Asylbewerber gekürzt und dafür Sachleistungen gewährt. Für Flüchtlinge, die sich ehrenamtlich betätigen, soll ein Freibetrag von 200 Euro gelten.[11]

Grüne und Linke hatten zuvor angesichts der Eile, mit der zuletzt Anhörungen in den Ausschüssen stattfanden und 58 Änderungsanträge eingearbeitet wurden, erfolglos beantragt, das Migrationspaket von der Tagesordnung zu nehmen.[10][12]

Reform des Staatsangehörigkeitsrechts
Eine achte Reform wurde am 27. Juni 2019 im Bundestag verabschiedet.[13] Dabei wurde das Staatsangehörigkeitsrecht so geändert, dass Doppelstaatler, die sich einer Terrormiliz anschließen, die deutsche Staatsangehörigkeit verlieren können. Eine Mehrehe ist ein Einbürgerungshindernis und eine auf falschen Angaben beruhende Einbürgerung soll auch bis zehn, nicht wie bisher fünf, Jahre später rückgängig gemacht werden.[14]

WeblinksBearbeiten

  • Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Mehr Fachkräfte für Deutschland – Kabinett beschließt Fachkräfteeinwanderungsgesetz (online)
  • Stellungnahme des Bundesrates, Entwurf eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes, Drucksache 7/19 (Beschluss), 15. Februar 2019

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Koalitionsvertrag der Bundesregierung vom 12. März 2018. In: www.bundesregierung.de. Abgerufen am 14. Juni 2019. S. 105.
  2. a b Henrike Roßbach: Bundestag beschließt Gesetzespaket zu Abschiebung und Migration. In: www.sueddeutsche.de. 7. Juni 2019, abgerufen am 8. Juni 2019.
  3. Bundestag beschließt Migrationsgesetze. In: Tagesschau. ARD, 7. Juni 2019, abgerufen am 8. Juni 2019.
  4. Migration ordnen, steuern und begrenzen! Umfassendes BMI-Gesetzespaket vom Deutschen Bundestag verabschiedet. In: Pressemitteilung. Bundesministerium des Innern (BMI), 7. Juni 2019, abgerufen am 12. Juni 2019.
  5. a b Einwan­derung in den deut­schen Arbeits­markt neu geregelt. In: www.bundestag.de. 7. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.
  6. BT-Drs. 19/8285, S. 1–2.
  7. Deutschland bekommt ein Einwanderungsgesetz. In: FAZ. 17. Dezember 2019, abgerufen am 7. Juni 2019.
  8. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19. Dezember 2018 (online)
  9. Holger Hansen: Neue Regeln für Fachkräfteeinwanderung ab 2020. Reuters, 20. Dezember 2018, abgerufen am 7. Juni 2019.
  10. a b „Man muss Gesetze kompliziert machen.“ – Kritik an Seehofer. In: BR. 7. Juni 2019, abgerufen am 12. Juni 2019.
  11. Migration ordnen, steuern und begrenzen. In: www.bundesregierung.de. Die Bundesregierung, 2019, abgerufen am 12. Juni 2019.
  12. Kristina Hofmann: Abschiebegesetz: Durch, aber wie … In: www.zdf.de. 7. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.
  13. Deutschlandfunk.de: Entzug der Staatsbürgerschaft für IS-Kämpfer mit Doppelpass, 27. Juni 2019
  14. Deutsche Staatsangehörigkeit: Menschen in Vielehe soll Staatsbürgerschaft verwehrt werden, Zeit Online, 25. Juni 2019, abgerufen am 27. Juni 2019.