Michale Graves mit Marky Ramone (live, 2010)

Michale Graves (* 21. März 1975 in Dumont, bürgerlich Michael Emanuel) ist ein US-amerikanischer Horrorpunk-Musiker.

Bekanntheit erreichte er vor allem als Sänger der neu gegründeten Misfits zwischen 1995 und 2000. Seitdem ist er solo und mit wechselnden Bands aktiv.

KarriereBearbeiten

Michale Graves wurde 1975 in Dumont, New Jersey, geboren. Zusammen mit zwei Schwestern und einem älteren Bruder wuchs er in der unteren Mittelschicht auf, seine Mutter war Hausfrau, sein Vater arbeitete als Rettungssanitäter und Gerichtsvollzieher.[1] Die Ehe der Eltern ging 1997 in die Brüche. Ab etwa 1985 bewegte er sich in der örtlichen Punkszene, kam so in Kontakt zu Bands wie den Ramones und den Sex Pistols.

Anders als später oft von der Presse behauptet, waren ihm die Misfits Mitte der 1990er-Jahre nicht völlig unbekannt. Er kannte bereits einzelne Lieder, beschäftigte sich allerdings erst intensiver mit deren Musik, als im Zuge der geplanten Neugründung 1994 ein neuer Sänger gesucht wurde.[2] Zu dieser Zeit spielte er in Lodi ein Demo mit seiner damaligen Band The Mopes ein, als ihm zugetragen wurde, dass die Misfits zum Vorsingen luden. Mithilfe der Collection I (1986) und des Albums Walk among Us (1982) machte er sich mit deren Stil vertraut und wurde schließlich 1995 als Sänger engagiert. Mit den Misfits veröffentlichte er die beiden Alben „American Psycho“ (1997) und Famous Monsters (1999). Als Songwriter war Graves dabei für einige der bekanntesten Lieder der neugegründeten Misfits, wie „Dig Up her Bones“, „Scream!“, „This Island Earth“, „American Psycho“, „The Haunting“ oder „Shining“ verantwortlich.

Eine Tour der Misfits mit dem Sänger Myke Hideous sorgte 1998 für einen kurzzeitigen Bandaustritt. Die endgültige Trennung von den Misfits erfolgte schließlich 2000, zusammen mit dem Schlagzeuger Dr. Chud (David Calabrese). Mit diesem gründete er anschließend die Band The Lost Boys, wobei sie von ihnen geschriebene Misfits-Stücke aufführten. Beide gründeten dann die Gruppe Graves, unter der sie ein Album veröffentlichten. Weitere Veröffentlichungen scheiterten an Differenzen zwischen Michale Graves und Dr. Chud.

2002 rief Michale Graves Gotham Road (später Gotham Rd) ins Leben, die sich 2004 aber bereits wieder auflösten. Für Diskussionen sorgten zu dieser Zeit Michale Graves' öffentliche Bekenntnisse zu rechtskonservativen Ansichten und seine Unterstützung der Website conservativepunk.com. Laut ihm war dies eine Reaktion darauf, dass linke Websites offen zur Unterstützung der Demokraten aufforderten und dem Widerwillen dagegen, dass Punk stets als „links“ oder „progressiv“ zu gelten habe. Für seine Karriere waren diese Bekenntnisse ein Rückschritt. Zahlreiche Labels, Zeitschriften, Clubs und andere Musiker verweigerten fortan eine Zusammenarbeit. Rückblickend äußerte Graves, er habe zwar mit Widerstand gerechnet, sei vom Ausmaß aber überrascht worden. Die Hysterie der Medien bezeichnete er als „schrecklich“, und dies zu einem Höhepunkt seiner Karriere, als etwa Rob Zombie und George Romero Zusammenarbeit anboten.[3][4] Parteinahme für die Republikaner lehnt er allerdings ab. Es gehe ihm um „intelligente Vorgehensweise“, um „einen Diskurs zu fördern, der beide Seiten einer Auseinandersetzung zeigen würde“.[5] Dazu meinte Graves: „Ich war der Überzeugung, dass man es den Leuten zumindest schuldete, dass sie selbst entscheiden dürfen, was richtig und was falsch für sie ist, ohne den Druck zu verspüren, dass es da etwas wie ein striktes Denkmodell gibt, das ausschließlich als «Punk» akzeptiert wird. (…) Ich fing an, mich für Ansichten einzusetzen, die von ihrer Natur her ziemlich konservativ waren, und sie zu verteidigen. Es wurde daraus so etwas wie ein Kampf für mich, denn warum sollte ich etwas nicht auf eine bestimmte Art einschätzen können, ohne dafür angegriffen zu werden, das so zu empfinden und es auch auszusprechen.“

 
Live mit den Misfits (1998)

Aufgrund Zukunftssorgen und auch aus Trotz trat er daher 2005 dem United States Marine Corps bei.[6] Kurz zuvor spielte er noch das Soloalbum „Punk Rock is Dead“ ein. Aufgrund von Rückenproblemen schied er allerdings bereits nach einem Jahr mit einer „ehrenhaften Entlassung“ aus dem Militär aus.[7][8] Noch 2008 äußerte er, einer Rückkehr zu den Misfits stünde er offen gegenüber, es bestünde ja kein gespanntes Verhältnis und es läge eben an den Bandmitgliedern. Tatsächlich trat er ab 2009 wieder mehrmals mit Dr. Chud, Paul Doyle Caiafa und der Band Gorgeous Frankenstein auf, dabei auch im Vorprogramm von Danzig, wobei er Lieder aus „seiner“ Misfits-Zeit sang.

Fortan war Graves vor allem als Solomusiker mit Begleitband aktiv. Mit Damien Echols von den West Memphis Three spielte er ein Album ein, für Marky Ramones Band Blitzkrieg übernahm er den Part als Sänger. Über Kickstarter finanzierte er 2012 die Veröffentlichung seines Albums Vagabond. 2018 gab Horrorpunk-Legende Argyle Goolsby seinen Beitritt als Bassist zu Michale Graves' Band bekannt.

DiskografieBearbeiten

Mit den MisfitsBearbeiten

  • 1997: American Psycho
  • 1997: Dig Up Her Bones
  • 1998: Evillive II
  • 1998: Scream!
  • 1999: Famous Monsters
  • 1999: Monster Mash
  • 2001: Cuts from the Crypt

Mit GravesBearbeiten

  • 2002: Web of Dharma

Mit Gotham RoadBearbeiten

  • 2003: Seasons of the Witch
  • 2004: Gotham Rd. Live in Portland

SoloBearbeiten

  • 2005: Punk Rock Is Dead
  • 2006: Return to Earth
  • 2007: Illusions (mit Damien Echols)
  • 2008: Illusions Live at Viretta Park
  • 2008: Arkansas Sessions
  • 2009: Halifax: Live at the Musicroom
  • 2013: Vagabond
  • 2013: The Lost Skeleton Returns
  • 2013: Vagabond Acoustic
  • 2014: Supernatural
  • 2014: Wanderer
  • 2015: Wanderer Acoustic
  • 2015: Nightmares
  • 2016: When Worlds Collide
  • 2016: Bedlam
  • 2017: Backroads
  • 2017: The World Turned Upside Down

GastbeiträgeBearbeiten

  • 2010: When We Were Angels (mit Marky Ramone’s Blitzkrieg)
  • 2010: If And When (mit Marky Ramone’s Blitzkrieg)
  • 2014: Zombies Unite (mit Night of Samhain)
  • 2015: Revenge of the Zombies (mit Night of Samhain)

KompilationenBearbeiten

  • 2007: Demos and Live Cuts Vol. I
  • 2007: Demos and Live Cuts Vol. II
  • 2008: Demos and Live Cuts Vol. III
  • 2008: Demos and Live Cuts Vol. IV: The 1998 Sessions
  • 2009: The Scarecrow Selections
  • 2015: Drifter
  • 2016: The Legacy Collection

WeblinksBearbeiten

 Commons: Michale Graves – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. http://www.ox-fanzine.de/web/itv/3456/interviews.212.html
  2. http://www.ox-fanzine.de/web/itv/3456/interviews.212.html
  3. http://faygoluvers.net/v5/2017/12/former-misfits-frontman-michale-graves-interview-2017/
  4. http://liberaldead.com/blog/strange-transmissions-michale-graves/
  5. http://www.ox-fanzine.de/web/itv/3456/interviews.212.html
  6. http://faygoluvers.net/v5/2017/12/former-misfits-frontman-michale-graves-interview-2017/
  7. http://www.blabbermouth.net/news/former-misfits-frontman-discharged-from-military/
  8. http://liberaldead.com/blog/strange-transmissions-michale-graves/