Mauerkammergrab im Janushügel

Das Mauerkammergrab im Janushügel von Reichardtswerben, einem Ortsteil von Weißenfels im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt, wurde im Jahr 1959 von Ursula Schlenther (1919–1979) ausgegraben.

Totenhütte (Bohlenkammer) und Mauerkammergrab

Das West-Ost orientierte Mauerkammergrab lag am östlichen Rand des mehrschichtigen Janushügels mit einer zentralen Bestattung der Baalberger Kultur. Gefunden wurde als unterste Schicht ein ebenerdiges etwa 7,0 m langes Pflaster aus hellen Kalksteinplatten mit intensiven Brandspuren. Auf diesem lagen teils kalzinierte, teils unverbrannte Skelettreste eines Mannes und eines Kindes. Als Beigaben fanden sich Kupferspiralen, die Scherben einer Schnuramphore und durchbohrte Tierzähne.

Darüber befand sich eine Schicht aus rotem Sandstein, von einer Plattenlage bedeckt. Darauf lagen die Reste dreier zweier Erwachsene und eines Kindes. Die Skelettreste von einem Skelett der Erwachsenen waren angekohlt. Als Beigaben fanden sich der Rest eines Holzgefäßes, reichlich durchbohrte Hundezähne und ein Schleifstein.

Dieser Komplex war von einer weiteren Plattenschicht abgedeckt, auf der sich eine Baumsargbestattung befand. Als Beigaben wurden eine unverzierte Scherbe und durchbohrte Hundezähne gefunden.

Außerdem wurden in der Grabanlage eine Pfeilspitze aus Feuerstein, verstreuter Leichenbrand, Scherben und Kupferreste festgestellt.

Im Südosten ging das Pflaster in eine Kieselschüttung. Östlich anschließend lag eine gestörte Steinsetzung mit Scherben der Bernburger Kultur und der Walternienburger.

BefundbeurteilungBearbeiten

Die Beurteilung wird durch starke Störungen (Tiergänge) erschwert. U. Schlenther glaubte, da die Scherben auf der mehrschichtigen Pflasterung schnurkeramisch sind, die Anlage der Schnurkeramik zuweisen zu müssen. Sie sieht in den Walternienburg-Bernburger Resten am Ostrand ein zerstörtes Walternienburg-Bernburger Grab. Waldemar Matthias nimmt dagegen an, dass es sich zuerst um ein Walternienburg-Bernburger Grab handelt, das von der Schnurkeramik nachgenutzt wurde. Die durchbohrten Tierzähne, der Grabbau, der Grabbrand und die Kupferreste stützen seine These.

Die Scherbenanhäufung im Osten stellt insofern ausgeräumte Walternienburg-Bernburger Keramik dar. Man kann an der Stelle im Osten den Zugang vermuten. Die oberste Plattenschicht kann von einer zusammengestürzten Dachkonstruktion stammen. Die Baumsargbestattung wäre als Nachbestattung aufzufassen.

Das Mauerkammergrab scheint einen eigenen Hügel besessen zu haben, der mit dem Hügel der jüngeren Baalberger Kultur verschmolz. Zwischen dem Baalberger Grab und der Walternienburg-Bernburger Anlage lag im Baalberger Hügel eine Salzmünder Bestattung, die als Nachbestattung angesprochen werden darf. In ihrer Baulichkeit nahm sie Formen der Bernburger Kultur vorweg. (Pflaster mit Steineinfassung und vermuteter Holzbau).

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Jürgen Beier: Die Grab- und Bestattungssitten der Walternienburger und der Bernburger Kultur (= Neolithische Studien. 3 = Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wissenschaftliche Beiträge. 1984, 30 = Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Wissenschaftliche Beiträge. Reihe L: Vor- und frühgeschichtliche Beiträge. 19, ISSN 0441-621X). Abteilung Wissenschaftspublizistik der Martin-Luther-Universität, Halle (Saale) 1984 S. 143, 144, 177
  • Waldemar Matthias: Kataloge zur Mitteldeutschen Schnurkeramik. Band 5. Mittleres Saalegebiet (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Band 35). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1982, S. 137–140.

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