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Matthias Köchl

österreichischer Politiker
Matthias Köchl im Jahr 2014

Matthias Köchl (* 30. August 1977 in Klagenfurt) war ein österreichischer Politiker (GRÜNE) und Unternehmer. Von 2013 bis 2017 war er Abgeordneter zum Nationalrat. Er war von April 2018 bis Februar 2019 auch Landessprecher der Grünen in Kärnten.[1][2][3]

LebenBearbeiten

Von 2000 bis 2017 war Köchl, Sohn des Malers Alois Köchl, als Unternehmer im Bereich Onlinewerbung und Elektromobilität tätig.

Von 2010 bis 2013 war er weiters geschäftsführender Gesellschafter (CEO) der SMI Solarmobil Innovations GmbH und entwickelte ein Solarfahrzeug.[4]

2012 plante und finanzierte er in Gambia, Westafrika ein Haus für Vollwaisen und Obdachlose.[5]

Journalistische Tätigkeit im MedienbereichBearbeiten

Köchl hat ab 1999 Publizistik und Medienwissenschaften an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt studiert. Im Dezember 2018 kündigte er seinen kompletten Rückzug aus der Parteipolitik an, um zu seinen Wurzeln im Medienbereich und Journalismus zurückzukehren. Für eine gemeinnützig tätige Initiative arbeitet er nach Internationalem Vorbild an der ersten Kärntner Strassenzeitung kaz. Kärntner Allgemeine Zeitung. Die kaz. ist eine Zeitung die als Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Not gedacht ist. Als Inhalt werden Soziale Themen und viel Kultur angekündigt. Als Auflage sind 10-17.000 Stück mit monatlicher Erscheinungsweise ab Juni 2019 geplant.[6][7]

Werdegang als UnternehmerBearbeiten

Matthias Köchl gründete im Jahr 2000 sein erstes Unternehmen, eine Werbeagentur für Internet und Onlinemarketing.[8]

Mit verschiedenen Werbenetzwerken wie dem Bannertausch-Dienst austrobanner.com[9] und dem Werbevermarkter WebsiteSponsor.at[10] war Köchl ein Faktor am Österreichischen Online-Werbemarkt. Austrobanner.com existierte von 2001 bis 2009 und wurde später verkauft. WebSiteSponsor.at vergütete 1 ATS.- pro Bannerklick an Websitebetreiber und vermarktete diese Werbeflächen weiter. Zu den Kunden zählten damals Ebay und andere Grössen der jungen Internetbranche. Im Jahr 2002 etablierte Köchl´s Agentur den Cash4Surf Anbieter EarnBar.de, welches die Benutzer für das Ansehen von Internetwerbung bezahlte. EarnBar.de wurde im Jahr 2010 verkauft.[11]

Im Dezember 2001 wurde das Werbenetzwerk Activesponsor.de erworben und auf den deutschen Markt expandiert.[12] Im Jänner 2003 gründete Köchl den Webmail-Anbieter MPX.at. Dieser stellte kostenlose Webmail Adressen bereit und finanzierte sich mit Werbung.[13] MPX.at stellte mit Jahresende 2004 den Betrieb ein, da gesetzlich neu vorgeschriebene Überwachungsmaßnahmen für E-Mail-Adressen nicht unterstützt wurden.[14]

Im Oktober 2006 gründete Köchl das Nachrichtenportal energiewende.com, eine Website für Erneuerbare Energie.[15]

ElektromobilitätBearbeiten

Köchl zählt zu den Pionieren der Elektromobilität in Österreich. Seine Website Elektromobil.com war in den Jahren 2006 und 2007 eine führende Plattform für Elektromobilität im deutschsprachigen Raum.[16][17] Im Jahr 2006 gründete er EUROSOLAR Kärnten, dieser Verein organisierte von 2006 bis 2013 mit Köchls Beteiligung die Alternativenergiesternfahrt, damals das grösste Elektrofahrzeugtreffen in Mitteleuropa.[18] Im Jahr 2009 organisierte Köchl den ersten Start eines Elektroflugzeuges in Österreich.[19] Später war er als Präsident des Europäischen Zentrum für Solare Mobilität tätig.[20]

Er konnte im Dezember 2009 im Klagenfurter Gemeinderat mit einem Änderungsantrag zur Parkgebührenverordnung die Einführung von "Gratisparken für Elektroautos durchsetzen", dies wurde in Folge von etlichen anderen Kärntner Gemeinden übernommen (Villach, Wolfsberg, St.Veit/Glan)[21]

PolitikBearbeiten

Von 1997 bis 2007 war Köchl Obmann der Stadt-Grünen in der Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt.[22] Von 2001 bis 2003 war er in einer Koalition von PLUS (Plattform Unabhängiger Studierender) und Grüne & Alternative StudentInnen im Vorsitz der Österreichische Hochschülerschaft an der Universität Klagenfurt tätig. Von 2003 bis Juni 2014 war Köchl Grüner Gemeinderat in Klagenfurt.[23]

Bei den Nationalratswahlen 2006, 2008, 2013 und 2017 war Köchl Spitzenkandidat der Grünen in Kärnten. 2013 konnten die Kärntner Grünen mit Köchl erstmals einen Nationalrat stellen.[24] 2017 verpassten die Grünen den Einzug in den Nationalrat.

Seit Oktober 2014 lebt Matthias Köchl in Krumpendorf am Wörthersee. Sein Antreten bei der Bürgermeister-Direktwahl am 1. März 2015 brachte den lokalen Grünen eine Vervierfachung von 1 auf 4 Mandate und den erstmaligen Einzug in den Gemeindevorstand der kleinen Wörtherseegemeinde.[25]

Köchls Interessensgebiet ist die Energiepolitik, im Grünen Parlamentsclub war er im Bereiche Selbstständige/Einpersonenunternehmer tätig. Im Nationalrat war er Mitglied im Umweltausschuss, im Ausschuss für Innovation und Forschung, im Tourismusausschuss sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Industrie.[26][23][27]

2014 war Köchl bei der Interparlamentarische Union in Genf (Weltversammlung der Parlamente) und hielt dort die Rede für Österreich (130th Assembly of the Inter-Parliamentary Union, IPU)[28]

Köchl beantragte im Nationalrat gemeinsam mit Eva Glawischnig eine Nichtigkeitsklage der Republik Österreich gegen die wettbewerbsverzerrende Einspeisevergütung des britischen AKW-Projekt Hinkley Point, die im Januar 2015 zusammen mit Luxemburg beim Europäischen Gerichtshof eingereicht wurde.[29][30] Die Klage der Republik Österreich gilt als Meilenstein im Kampf gegen Atomkraft in Europa.

Im Sommer 2015 zeigten die Gemeinde Krumpendorf am Wörthersee und Köchl als Flüchtlingsreferent einen vorbildlichen Umgang mit Flüchtlingen.[31][32][33][34]

Köchl spendete von 2013 bis 2017 Teile seiner Politikerbezüge auf ein Sozialkonto, aus dem er Menschen in Not unterstützte. Auf Bezügeerhöhungen als Nationalratsabgeordneter verzichtete er und spendete diese Mittel für Soziale Zwecke. Dieses Sozialkonto wurde transparent auf seiner Website offengelegt.[35]

Im April 2018 folgte er Rolf Holub als Landessprecher der Grünen Kärnten nach.[36] Anfang Februar 2019 kündigte er öffentlich an, dass er beim Parteitag im März nicht mehr als Landessprecher kandidieren werde.[37][38] Er legte seine Funktion zwei Wochen vor Ablauf der Funktionsperiode zurück[39] und Olga Voglauer folgte ihm im Juni 2019 als Landessprecherin nach.

Mitte Februar 2019 wurde bekannt, dass Köchl am 11. Februar am österreichisch-italienischen Grenzübergang bei der Fahrt von Österreich nach Tarvis wegen Verdacht auf Begünstigung illegaler Migration nach italienischem Recht kurzfristig festgenommen worden war. Er hatte einen Iraker mit Dokumenten als Asylwerber in Österreich bei sich im Auto, als er zu einer Kontrolle durch Carabinieri angehalten wurde.[40] Am 4. Oktober 2019 gab Köchl bekannt, dass er sich mit der italienischen Justiz auf eine bedingte Strafe geeinigt habe und es daher zu keinem Prozess komme. Laut Medienberichten war die gerichtliche Einigung eine bedingt ausgesprochene Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro auf Bewährung und 8 Monate Haft auf Bewährung ausgesetzt. Durch die Einigung mit dem Gericht erhielt Köchl eine Strafminderung, da die Mindestrafe nach italienischem Recht ansonsten mindestens ein Jahr und bis zu 5 Jahre betragen würde. Der Asylwerber hatte ausgesagt für die Fahrt nach Italien nichts bezahlt zu haben. Nach Österreichischem Recht fällt dieses Delikt nicht unter Schlepperei nach § 114 des Österreichischen Fremdenpolizeigesetz sondern ist eine Verwaltungsübertretung.[41]

FamilieBearbeiten

Matthias Köchl ist verheiratet und Vater einer Tochter.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Matthias Köchl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

ReferenzenBearbeiten

  1. Grüner Landessprecher: "Im Kreis sitzen ist keine Arbeit". Abgerufen am 4. Mai 2018.
  2. Matthias Köchl wird die Seite wechseln, ein Medienprojekt aufbauen und betreuen." Abgerufen am 13. Februar 2019.
  3. Kärnten: Schlepperei-Verdacht: Grünen-Sprecher tritt zurück. Artikel vom 18. Februar 2019, abgerufen am 18. Februar 2019.
  4. Zweisitziges Elektrotrike fährt mit Strom vom Solardach". Abgerufen am 27. Juli 2015.
  5. Help Buba". Archiviert vom Original am 19. Dezember 2014; abgerufen am 19. Dezember 2014.
  6. "Facebook". Abgerufen am 29. April 2019.
  7. "Kärntens erste soziale Zeitung kommt bald!" Abgerufen am 29. April 2019.
  8. "AdWebMedia.net". Archiviert vom Original am 1. März 2001; abgerufen am 28. März 2019.
  9. "Austrobanner.com". Archiviert vom Original am 4. Dezember 2000; abgerufen am 28. März 2019.
  10. WebSiteSponsor.at". Archiviert vom Original am 1. April 2001; abgerufen am 28. März 2019.
  11. "EarnBar.de". Archiviert vom Original am 13. Juli 2009; abgerufen am 28. März 2019.
  12. "AdWebMedia.net". Archiviert vom Original am 31. März 2002; abgerufen am 28. März 2019.
  13. "MPX.at". Archiviert vom Original am 22. Juli 2003; abgerufen am 28. März 2019.
  14. "MPX.at stellt mit 31.12.2004 den Betrieb ein". Archiviert vom Original am 6. Februar 2005; abgerufen am 28. März 2019.
  15. "Energiewende.com". Archiviert vom Original am 12. Oktober 2007; abgerufen am 28. März 2019.
  16. "EUROZEM". Abgerufen am 4. April 2019.
  17. "Elektromobil.com". Archiviert vom Original am 7. Februar 2006; abgerufen am 28. März 2019.
  18. "Kärnten ORF: Elektroautotreffen rund um den Wörthersee". Abgerufen am 28. März 2019.
  19. "Youtube Elektromotorsegler". Abgerufen am 28. März 2019.
  20. "EUROZEM". Archiviert vom Original am 4. September 2013; abgerufen am 4. September 2013.
  21. "mein-klagenfurt.at Elektroautos parken in Klagenfurt gratis". Abgerufen am 28. März 2019.
  22. Klagenfurter Grünen-Chef Köchl trat ab, Kleine Zeitung, 28. August 2007
  23. a b GR-Mitglieder, Matthias Köchl (GRÜ) (Memento vom 4. Oktober 2013 im Internet Archive), Gemeinderatsmitglieder, Landeshauptstadt Klagenfurt, zugegriffen: 3. Oktober 2013
  24. Kärntner Mandate im Nationalrat, orf.at, 30. September 2013
  25. Wahlergebnis Krumpendorf 2015 (Memento vom 18. April 2015 im Internet Archive), Kleine Zeitung 1. März 2015
  26. Matthias Köchl: Der Mann mit dem Elektroauto, Die Presse, 21. September 2008
  27. Nationalrat: Grüne legen Sprecherrollen fest, der Standard, 25. Oktober 2013
  28. Democracy causes peace: A demand for enhancing international communication (Memento vom 24. Mai 2014 im Internet Archive), 130th Assembly of the Inter-Parliamentary Union Geneva, 16 – 20th of March 2014
  29. Parlamentskorrespondenz Nr. 839 vom 26.09.2014, Grüne gegen staatliche Förderung von Atomstrom
  30. Österreich unter Druck wegen AKW-Klage
  31. Wo Flüchtlinge willkommen sind und den Ort beleben, Kurier, 16. August 2015
  32. Willkommen am Wörthersee, gruene.at, 28. Juli 2015
  33. Tourismus: Rekordzahlen trotz Asylwerber (Memento vom 27. August 2015 im Internet Archive), Wirtschaftsblatt, 25. August 2015
  34. Zeltlager wird bald wieder abgebaut, Kleine Zeitung, 13. November 2015
  35. "Offenlegung Sozialkonto". Archiviert vom Original am 28. März 2017; abgerufen am 28. März 2017.
  36. orf.at: Köchl neuer Landessprecher der Grünen. Artikel vom 28. April 2018, abgerufen am 28. April 2018.
  37. Dossier Matthias Köchl, meineabgeordneten.at Transparenzdatenbank 5. Mai 2014
  38. Landessprecher Matthias Köchl tritt nicht mehr an - aus familiären und beruflichen Gründen." Abgerufen am 4. Februar 2019.
  39. 11 07 Uhr, 18 Februar 2019: Matthias Köchl: Kärntner Grünen-Chef nach kurzzeitiger Festnahme zurückgetreten. 18. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  40. Salzburger Nachrichten: Schlepperei-Verdacht: Kärntner Grünen-Sprecher Köchl tritt zurück. 18. Februar 2019, abgerufen am 20. Februar 2019.
  41. ORF: Bedingte Haft- und Geldstrafe. Abgerufen am 10. Oktober 2019.