Mainzer Riesenbibel

Die Mainzer Riesenbibel (bibliografisch: Biblia Latina, engl.: Giant Bible of Mainz) ist eine der letzten großen lateinischen Bibelhandschriften des ausgehenden Mittelalters. Sie entstand zeitgleich zur Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg und war vom 17. Jahrhundert bis 1945 ein Prunkstück der herzoglichen Bibliothek in Gotha. Heute befindet sie sich in der Library of Congress in Washington, D.C.

Eine Seite der Mainzer Riesenbibel

AufbauBearbeiten

Die Riesenbibel besteht aus zwei Bänden mit insgesamt 459 Pergamentseiten, die jeweils ca. 55 × 40 cm messen. Die Handschrift besitzt ihren ursprünglichen, undekorierten Voll-Einband aus Schweinsleder; der Buchblock wird von einem Rücken mit neun Bünden und einem Kapitalband aus roter, weißer und grüner Seide zusammengehalten.

Die Seiten sind mit einer Vorzeichnung aus verblichener brauner Tinte versehen, die dem Schreiber ein Raster vorgab. Der Textblock besteht aus zwei Spalten zu je 60 Zeilen pro Seite. Die verwendeten Buchstaben gelten als typisch für Handschriften des 15. Jahrhunderts im Rheingebiet. Der Schreiber benutzte zwei Schwarztöne in seiner Tinte, und Kapitelüberschriften und Absätze wurden abwechselnd mit roter und blauer Tinte rubriziert. Der Schreiber vermerkte jeweils den Beginn und das Ende seiner Arbeit an den Büchern der Bibel. Er begann am 4. April 1452 und schloss sein Projekt nach fünfzehn Monaten am 9. Juli 1453 ab.

Bemerkenswert sind die reich ausgeschmückten Initialen und Rand-Illustrationen dieser Bibel. Vor allem die Letzteren, die sich besonders prächtig auf fünf Seiten des ersten Bandes finden und dort eine Vielzahl an Pflanzen- und Tierelementen zeigen, lassen auf Mainz als Ursprungsort der Bibel schließen. Man hat auch vermutet, dass sie als Vorbild für die Buchgestaltung der Gutenberg-Bibel diente. Es ist aber auch Würzburg als Ort der Herstellung diskutiert worden.

ProvenienzBearbeiten

Der erste belegte Besitzer der Bibel war der Mainzer Domherr Heinrich von Stockheim. Im Dreißigjährigen Krieg gehörte sie 1631 zur Mainzer Kriegsbeute von König Gustav Adolf, der sie seinem Feldherrn Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar schenkte. Nach dessen Tod 1639 kam sie durch Erbgang nach Gotha in die herzogliche Bibliothek auf Schloss Friedenstein. Mit der gesamten Bibliothek wurde sie nach der gerichtlichen Rücknahme der Fürstenenteignung 1928 in die Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha’sche Stiftung für Wissenschaft und Kunst eingebracht. Anfang Juli 1945 wurde sie mit anderen Spitzenstücken der herzoglichen Sammlungen wie dem Evangeliar von Echternach durch Mitglieder der herzoglichen Familie nach Coburg gebracht[1] und 1950 bei Sotheby’s versteigert.[2] Über den Buchhändler H. P. Kraus erwarb sie der amerikanische Bibliophile Lessing J. Rosenwald und schenkte die Bibel am 4. April 1952 – zum fünfhundertjährigen Jubiläum des Buches – der Library of Congress.

LiteraturBearbeiten

  • Dorothy Miner: The Giant Bible of Mainz: 500th anniversary, April fourth, Fourteen Fifty-two / April fourth, Nineteen Fifty-Two. Library of Congress, [Washington, D. C.] [o. J.]
  • Elgin Vaassen: Die Werkstatt der Mainzer Riesenbibel in Würzburg und ihr Umkreis. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Band 13, 1973, Spalte 1121–1428.

WeblinksBearbeiten

Commons: Mainzer Riesenbibel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Anke Dörrzapf: Hoheit ließen einpacken. In: Art. Das Kunstmagazin. Juli 2003 (yumpu.com).
  2. http://archiv.twoday.net/stories/4504195/