Hauptmenü öffnen

Lise Tréhot

Modell und Geliebte des Künstlers Pierre-Auguste Renoir
Schwarzweißfoto von Lise Tréhot
Lise Tréhot, Aufnahme von 1864

Lise Tréhot (geboren am 14. März 1848 in Ecquevilly; gestorben am 12. März 1922 in Paris) war ein französisches Modell und die Geliebte des Malers Pierre-Auguste Renoir.

LebenBearbeiten

Tréhot kam als Tochter eines Postmeisters und späteren Betreibers eines Tabakladens zur Welt.[1] Sie war von etwa 1865 bis 1872 die Geliebte des Malers Pierre-Auguste Renoir. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich über ihre Schwester Clémence Tréhot und Renoirs Freund Jules Le Coeur, die ein Verhältnis miteinander hatten.[2]

Lise Tréhot stand Renoir für mehr als 20 Gemälde Modell. Hierzu gehören sämtliche großformatigen Bilder, die er in der gemeinsamen Zeit mit ihr im Salon ausstellte,[3] darunter das dort 1868 gezeigte Ganzfigurbild Lise (heute bekannt als Lise mit dem Sonnenschirm). Der Erfolg dieses Bildes bewog Renoir möglicherweise dazu, weitere Bilder mit Lise Tréhot zu malen. Zum Salon des Jahres 1869 reichte er das Gemälde Im Sommer ein, in dem sie sich in mädchenhafter Pose auf einer Terrasse in einem Sessel ausruht.[4] Darüber hinaus malte Renoir seine Geliebte in sehr unterschiedlichen Rollen. So ist sie mal als Aktfigur zu sehen, in einem anderen Bild stellt sie die Jagdgöttin Diana dar. Weiterhin erscheint sie für das Gemälde Odaliske in einem orientalischen Kostüm und zeigt sich im so genannten Bild Ehepaar Sisley an der Seite des Malers Alfred Sisley in der Rolle einer Ehefrau. Für Renoirs Freund Frédéric Bazille stand Lise Tréhot mindestens bei einem Bild Modell. Im Gemälde La Toilette (Musée Fabre, Montpellier) ist sie neben zwei anderen Frauen als stehende Figur am rechten Bildrand zu sehen.[5]

Nach der Trennung von Renoir heiratete Lise Tréhot im April 1872 den Architekten Georges Brière de l’Isle.[6] Mit der Hochzeit verabschiedete sie sich vom Leben der Bohème und führte ein bürgerliches Leben. Für Renoir stand sie nie wieder Modell.[7] Sie starb 1922 im Alter von 74 Jahren.[8]

Lise Tréhot in den Gemälden RenoirsBearbeiten

Bild Titel Jahr Sammlung
  Lise mit einem Strohhut 1866 Barnes Foundation, Philadelphia
  Stehende junge Frau 1866 Privatsammlung
  Sitzende junge Frau auf dem Land 1866 Privatsammlung
  Stehende Frau neben einem Baum 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Frau neben einem Zaun 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Frau in einem Park 1866 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Landschaft mit zwei Personen[9] 1866 Verbleib unbekannt
  Lise beim Nähen 1867–1868 Dallas Museum of Art, Dallas
  Diana als Jägerin 1867 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Porträt von Lise (Lise hält einen Wildblumenstrauß) 1867 Privatsammlung
  Lise oder Lise mit dem Sonnenschirm 1867 Museum Folkwang, Essen
  Im Sommer (La Bohémienne) 1867 Nationalgalerie, Berlin
  Frau im Garten 1868 Kunstmuseum Basel, Basel
  Das Ehepaar Sisley 1868 Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln
  Die Nymphe im Fluss 1869–1870 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Badende mit Hündchen 1870 Museu de Arte de São Paulo, São Paulo
  Odaliske 1870 National Gallery of Art, Washington, D.C.
  Jeune femme dans une barque (La Barque) 1870 Privatsammlung
  La Promenade 1870 J. Paul Getty Museum, Los Angeles
  Frau mit Papagei 1871 Solomon R. Guggenheim Museum, New York City
  Lise mit weißem Tuch 1871–1872 Dallas Museum of Art, Dallas
  Femme demi-nue couchée (Liegender Akt) 1871–1872 Musée d'Orsay, Paris
  Frau mit Sonnenschirm im Garten 1872 Privatsammlung
  Pariserin in orientalischem Kostüm 1872 Nationalmuseum für westliche Kunst, Tokio

LiteraturBearbeiten

  • Douglas Cooper: Renoir, Lise, and the Le Coeur Family. A Study of Renoir’s Early Development. In: The Burlington Magazine. Band 101, Nr. 674, Mai 1959.
  • Anne Distel: Renoir. Ausstellungskatalog London, Paris, Boston 1985, Harry N. Abrams, New York 1985, ISBN 0-8109-1575-8.
  • Dorothee Hansen, Wulf Herzogenrath (Hrsg.): Monet und Camille. Frauenporträts im Impressionismus. Hirmer, München 2005, ISBN 3-7774-2705-5.
  • Johann Georg Prinz von Hohenzollern, Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh, Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne. Nationalgalerie Berlin und Neue Pinakothek München 1996, ISBN 3-7913-1748-2.
  • Gary Tinterow, Henri Loyrette: Origins of Impressionism. Harry N. Abrams, New York 1994, ISBN 0-87099-718-1.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Claude Keisch in Johann Georg Prinz von Hohenzollern und Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh. S. 108.
  2. Anne Distel: Renoir. S. 295.
  3. Dorothee Hansen: Monet und Camille S. 104.
  4. Douglas Cooper: Renoir, Lise, and the Le Coeur Family. S. 168.
  5. Gary Tinterow, Henri Loyrette: Origins of Impressionism, S. 337.
  6. Anne Distel: Renoir. S. 295.
  7. Sophie Monneret: Renoir, 1990, S. 32.
  8. Claude Keisch in Johann Georg Prinz von Hohenzollern und Peter-Klaus Schuster (Hrsg.): Manet bis van Gogh. S. 108.
  9. Das Gemälde ist nur als Fragment mit dem Ausschnitt der sitzenden Frau erhalten. Die Abbildung in der Liste zeigt einen Ausschnitt aus dem 1870 geschaffenen Gemälde Das Atelier des Künstlers in der Rue de la Condamine von Frédéric Bazille, in dem Renoirs Gemälde Landschaft mit zwei Personen als Bild im Bild an der Wand hängt.