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Der Liberal-Islamische Bund e. V. (LIB) ist eine als gemeinnütziger, eingetragener Verein organisierte Religionsgemeinschaft mit Sitz in Köln und Verwaltung in Hamburg, die eine liberale Auslegung des Islams vertritt.

GeschichteBearbeiten

Der Liberal-Islamische Bund wurde im Sommer 2010 gegründet.[1] Der LIB will muslimische Bürger in Deutschland vertreten, die sich mit ihrer liberalen Auffassung des Islams in öffentlichen Debatten, anderen islamischen Organisationen und politischen Prozessen nicht angemessen vertreten sehen.[2] Ordentliches Mitglied können nur Musliminnen und Muslime werden, die keinem anderen Islamverband angehören.[3] Vorsitzende des LIB ist Odette Yılmaz,[4] Nachfolgerin der Islamwissenschaftlerin Nushin Atmaca.[5] Seit der Gründung 2010 war dies die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor.[6] Die weiteren Vorstandsmitglieder sind Frederike Güler, Agnes Acar und Uğursay Er.[7] Weitere bekannte Mitglieder sind die Imamin Rabeya Müller (Gründungsmitglied)[7], Siham Zaaj[8] und die Schriftstellerin Hilal Sezgin[1].

In Köln, Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg und Göttingen bestehen Gemeinden.[9] Weitere Gemeinden in Stuttgart und im Rhein-Neckar-Kreis sind im Aufbau.[10]

Rolle in der IslamdebatteBearbeiten

Der Journalist Patrick Bahners kritisierte 2011 in einem Beitrag der FAZ den liberalen Islam, der gegen das „Phantombild der jungen Konservativen“ gesetzt sei und keine sachliche Position umreiße, sondern nur eine Funktionsstelle einnehme; demnach gebe es Muslime, die als „Vermittlungstheologen nach dem Geschmack von Annette Schavan“ zur Verfügung stünden.[11] Die Journalistin Hilal Sezgin, Mitglied des Liberal-Islamischen Bundes, bezeichnete sich daraufhin selbst als eine solche „Vermittlungstheologin“ und verteidigte diese Position.[1] Der Liberal-Islamische Bund kritisiert, dass von ihm als konservativ angesehene Organisationen wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland über sogenannte Ehrenmorde und andere Straftaten, die in Deutschland von Muslimen begangen würden, kein kritisches Wort verlören.[12]

Die ehemalige Vorsitzende des LIB, Lamya Kaddor, lehnte ein von der deutschen Bundesregierung geprüftes Aufführungsverbot[13] des umstrittenen islamfeindlichen Filmes Innocence of Muslims mit der Begründung ab: „Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an.“ Diskussionen über Sonderregelungen für Muslime würden die Islamfeindlichkeit in Deutschland vorantreiben.[14]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

BelegeBearbeiten

  1. a b c Hilal Sezgin: Die Islamdebatte in Deutschland verläuft seltsam: Muslime für die Homoehe. In: taz.de. 24. August 2011, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  2. www.lib-ev.de
  3. www.lib-ev.de
  4. Vorstand. Abgerufen am 4. Juli 2018.
  5. Die Seite des LIB-Vorstands. Abgerufen am 7. August 2016.
  6. Liberal-Islamischer Bund: Der Vorstand
  7. a b https://www.ksta.de/koran--zum-nachteil-der-frauen-ausgelegt--13639590
    https://de.qantara.de/inhalt/portraet-der-theologin-rabeya-mueller-gleichberechtigung-im-namen-des-islams
    https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr3/wdr3-kultur-am-mittag/audio-auszeichnung-fuer-koelner-imamin-rabeya-mueller-102.html
    Der Vorstand. Liberal-Islamischer Bund e. V., abgerufen am 4. Juli 2018.
  8. www.lib-ev.de
  9. Ludger Fittkau: Liberale Muslime wollen gehört werden. Deutschlandfunk, abgerufen am 1. Juni 2016.
  10. Homepage der LIB-Gemeinden. Abgerufen am 8. August 2016.
  11. Patrick Bahners: Die Religion in den Grenzen des Klassenzimmers. In: FAZ.net. 12. August 2011, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  12. Till-R. Stoldt: Potenzial liberaler Muslimverbände wird ignoriert. In: welt.de. 20. August 2011, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  13. Bundesregierung prüft Aufführungsverbot von Hassvideo (Memento des Originals vom 4. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.nachrichten.yahoo.com Abgerufen am 18. September 2012
  14. Deutschland: Muslime uneins über Aufführungsverbot von Hass-Video. In: Spiegel Online. 18. September 2012, abgerufen am 16. Dezember 2014.