Lex curiata de imperio

Die Lex curiata de imperio (pl. leges curiatae) war in der Verfassung des alten Rom das Gesetz, das die Rechte der bereits gewählten Magistrate auf Macht oder Imperium bestätigte. Die für Gesetzgebungsverfahren zuständige Volksversammlung, die Comitia curiata, verlieh den Obermagistraten sodann auf dem Comitium die endgültige Bestätigung ihrer Kompetenz.[1]

Bereits in der Antike verlor sich die Quelle des formalen Aktes, weshalb dessen Bedeutung früh im Dunklen lag sowie heute liegt.[2] Die moderne Forschung geht davon aus, dass es sich um einen archaischen Akt aus der Königszeit zur Inauguration des rex handelte, der als Akt zwar einem Wandel unterlag, den rituellen Kern aber noch in Zeiten der Republik behielt.[3] Cicero verweist auf Numa Pompilius, den zweiten römischen König, als Urheber eines Gesetzes lex curiata, was er aber möglicherweise nur behauptet hat, weil schon während der späten Republik keine Klarheit mehr darüber bestand und Numa zahlreiche staatskultische Praktiken zugeschrieben wurden.[4]

Theodor Mommsen interpretierte die lex curiata de imperio später als Übertragungsinstrument allgemeiner Amtsgewalt,[5] wohingegen die heutige Auffassung dahin geht, dass das Kernmotiv allein militärische Belange waren,[6] spezifischer sogar, dass es sich um einen Gefolgschaftseid des versammelten Heeres für bevorstehende königliche Feldzüge handelte.[7][1] Auf dem Gebiet der antiken Religions- und Ideengeschichte tat sich zudem der niederländische Althistoriker Hendrik Simon Versnel hervor, der die lex curiata de imperio als Voraussetzung eines Kommandanten für einen Triumph hervorhob, denn seiner Auffassung nach manifestierte sich Imperium nicht innerhalb eines politischen Rahmens, sondern erst als autoritäre Eigenschaft im Mann, welche im Rahmen der Zeremonie dann anerkannt würde.[8]

In der späten Republik konnte ein Magistrat auf diese Ratifizierung einfach verzichten, indem er sein Imperium beanspruchte, oder ein Gesetzgeber konnte eine Bestimmung in einen Gesetzentwurf aufnehmen, der ein kuratierisches Gesetz überflüssig machte.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bernhard Linke: Von der Verwandtschaft zum Staat. Die Entstehung politischer Organisationsformen in der frührömischen Geschichte. Steiner, Stuttgart 1995, ISBN 3-515-06497-4, S. 62 f.
  2. Moderne Erklärungsversuche beispielsweise bei J. J. Nicholls: The Content of the Lex Curiata, AJPH 88 1967, 257–278.
  3. Arnaldo Momigliano in The Journal of Roman Studies. An Interim Report on the Origins of Rome, S. 95–121 (111); Ernst Meyer: Römischer Staat und Staatsgedanke., Artemis, Zürich 1948, 5. Auflage 1990 (Erasmus-Bibliothek, später in Die Altertumswissenschaft), S. 474.
  4. Cicero, De lege agraria oratio secunda 2, 10, 26 und 2, 11, 26.
  5. Theodor Mommsen: Römisches Staatsrecht, 3 Teile, (Leipzig 1887–1888), WBG 2017, ISBN 978-3-534-26913-6, Band I, S. 609.
  6. Stellvertretend: Jochen Bleicken: Zum Begriff der römischen Amtsgewalt: auspicium – potestas – imperium, Nachdruck der Akademie der Wissenschaften, Göttingen 9 1981, S. 257–300 und 269–275, daneben: Alfred Heuß: Zur Entwicklung des Imperiums der römischen Oberbeamten, ZSS 64, 1944, S. 57–133 (70–77).
  7. Kurt Latte: Lex curiata und coniuratio, in Kleine Schriften, München 1968, S. 341–355.
  8. Hendrik Simon Versnel: Triumphus. An Inquiry into the Origin, Development and Meaning of the Roman Triumph. Dissertation, Leiden 1970, S. 168, Randnote 2, bezugnehmend auf: Cicero, Epistulae ad Atticum 4.16.12 und S. 319–349, 356 (online).