Hauptmenü öffnen
Lautsprecherleitung
Lautsprecherleitung auf einer Rolle
Lautsprecherleitung 2 × 2,5 mm² mit verdrillten Adern und Bananensteckern

Eine Lautsprecherleitung, umgangssprachlich auch „Lautsprecherkabel“, ist eine in der Regel zweiadrige elektrische Leitung, die Lautsprecheranschlüsse eines Audioverstärkers mit einer Lautsprecherbox verbindet. Sie überträgt mit dem niederfrequenten Tonsignal die elektrische Leistung für die Ansteuerung der Lautsprecher.

Inhaltsverzeichnis

MaterialBearbeiten

Die Adern von Lautsprecherleitungen bestehen im Regelfall aus isolierter Kupferleitung.[1] Als Leitermaterial kommen auch Aluminium (siehe auch kupferkaschiertes Aluminium) oder verschiedene Edelmetalle und Legierungen zum Einsatz. Aluminium ist weniger geeignet, da es anfälliger für Drahtbrüche ist und einen etwa 50 % höheren spezifischen elektrischen Widerstand aufweist. Edelmetalle werden in Lautsprecherleitungen ebenfalls verwendet, wobei ein Nutzen bezüglich des klanglichen Ergebnisses nicht bewiesen ist[2].

In Leitungen mit rundem Profil sind die Adern in der Regel miteinander verdrillt, wodurch die Abstrahlung magnetischer Felder verringert wird.

Werden die beiden isolierten Adern zusätzlich von einer äußeren Ummantelung umgeben, spricht man von einer elektrischen Leitung oder in diesem Fall von einer Lautsprecherleitung.

Spannung und StromBearbeiten

Je nach übertragener Leistung kann an einer Lautsprecherleitung gefährlich hohe Wechselspannung anliegen. In der Veranstaltungstechnik werden durchaus Leistungen um 2 kW an einen Lautsprecher mit 8 Ω übertragen, was einer Spannung von 125 V entspricht. Die Berührung nicht isolierter Leitungsenden und Anschlüsse kann dann zu einem Stromunfall führen.

Bei den in der HiFi-Technik üblichen, wesentlich niedrigeren Leistungen ist das Berühren von Lautsprecherleitungen jedoch in der Regel ungefährlich.

LeitungsquerschnittBearbeiten

Für die heimische HiFi- oder Heimkinoanlage kommen Doppeladern aus Kupferlitze mit Aderquerschnitten zwischen 0,75 mm² für kurze und bis zu 4 mm² für längere Leitungswege (bis etwa 20 m) zum Einsatz. Höhere Querschnitte bieten zwar einen noch geringeren Widerstand, was sich jedoch klanglich nicht mehr wahrnehmbar auswirkt.[2]

In der professionellen Veranstaltungstechnik stellen Querschnitte von 2,5 mm² das Minimum dar, je nach geforderter Leistung werden hier Querschnitte bis zu 10 mm² eingesetzt.

EndenabschlussBearbeiten

Lautsprecherleitungen werden im Heimbereich oft direkt ohne Abschluss durch Druck- oder Schraubklemmen an Verstärker und Lautsprecherboxen angeschlossen. Die offenen Litzenenden können dabei mit Aderendhülsen oder Kabelschuhen geschützt sein. Federstecker (ugs. „Bananenstecker“) und DIN-Stecker (ugs. „Strichpunktstecker“) kommen ebenfalls häufig zum Einsatz, wobei erstere oft mit Schraubklemmen kombiniert werden.

Im professionellen Bereich werden XLR-, Klinken- und Speakon-Stecker als Kabelabschlüsse verwendet.

Gleichpoliger AnschlussBearbeiten

Hörbeispiel für Phasenumkehr

Werden mehrere Lautsprecher betrieben, müssen sie gleichsinnig angeschlossen sein, da es ansonsten zu Teilauslöschungen des Schallsignals und einer Beeinträchtigung der Lokalisation der Phantomschallquellen kommt (siehe auch Out of Phase Stereo).

Für gleichpoligen Anschluss sind die Pole von Verstärkerausgängen und Lautsprecheranschlüssen als Plus und Minus gekennzeichnet, obwohl Wechselspannung übertragen wird; daher kommt es auch nicht zu dauerhaftem Schaden durch vertauschte Anschlüsse. Plus und Minus sind am Lautsprecher so definiert, dass sich dann, wenn die Plus-Klemme positiv gegenüber der Minus-Klemme wird, die Lautsprechermembran nach außen bewegt – also ein Schalldruckmaximum erzeugt.

Der Pluspol der Anschlüsse ist meist rot und der Minuspol schwarz gekennzeichnet. In der Regel sind an der Lautsprecherleitung die Adernisolierungen unterschiedlich gekennzeichnet (Färbung, Längsriffelung, Beschriftung); die so markierte Ader wird in der Regel als Plus-Ader verwendet.

Audioverstärker und AV-Receiver mit automatischem Einmesssystem erkennen eine Vertauschung der Anschlussadern und fordern zur Korrektur auf.

Spezielle LeitungstypenBearbeiten

Von zahlreichen Herstellern werden Konstruktionen mit speziellen Eigenschaften beworben, wie etwa

  • sehr großer Leiterquerschnitt;
  • besonders reines Kupfer (sogenanntes OFC – Oxygen Free Copper);
  • exotische Materialien für Leiter, Isolierung und Kontakte;
  • besondere Leitungsgeometrien;
  • das sogenannte Einbrennen;
  • Behandlung des Materials auf der Basis von pseudowissenschaftlichen Ideen.

Solche Leitungen wirken optisch wertiger und können mechanisch Vorteile bieten (etwa in der Biegsamkeit). Was jedoch die Qualität der Audiowiedergabe angeht, haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass sie einer „normalen“ technisch einwandfreien doppeladrigen Kupferlitze mit distanzadäquaten Querschnitten nicht überlegen sind.[3][2] Die beworbenen Vorzüge werden rein subjektiv oder pseudowissenschaftlich begründet[4] oder basieren auf der unangebrachten Übertragung von Erkenntnissen aus der Hochfrequenztechnik auf das (niederfrequente) Audiosignal. Es gibt weder nachprüfbare experimentelle Belege noch fundierte theoretische Herleitungen.[5]

Siehe auchBearbeiten

  • Bi-Wiring, eine Anschlussart mit separaten Leitungen für Tief- und Hochtonbereich

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Kupfer in der Elektrotechnik - Kabel und Leitungen (Deutsches Kupfer-Institut e.V.)@1@2Vorlage:Toter Link/www.kupferinstitut.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 635 kB)
  2. a b c Fred E. Davis Effects of Cable, Loudspeaker, and Amplifier Interactions, Journal of the Audio Engineering Society, Ausgabe 39, Nr.6, Juni 1991 (PDF; 856 kB)
  3. R.A. Greiner: Amplifier-Loudspeaker Interfacing, Journal of the Audio Engineering Society, Band 28, Ausgabe 5, Seiten 310-315, Mai 1980
  4. Thomas Görne Tontechnik Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-41591-1, S. 16, S. 205
  5. Floyd E. Toole: Sound Reproduction Loudspeakers and Rooms, Focal Press Elsevier, Burlington 2008, ISBN 978-0-240-52009-4, S. 421–425

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten