Laçın (Laçın)

Stadt in Aserbaidschan
Laçın
Բերձոր
Berdsor
Laçın
Staat AserbaidschanAserbaidschan Aserbaidschan /
Arzach RepublikRepublik Arzach Republik Arzach
(de facto)
Provinz in Arzach Kaschatach
Rayon in Aserbaidschan Laçın
Koordinaten 39° 38′ N, 46° 33′ OKoordinaten: 39° 38′ N, 46° 33′ O
Zeitzone UTC+4
Laçın (Aserbaidschan/Republik Bergkarabach)
Laçın
Laçın

Laçın (aserbaidschanisch) bzw. Berdsor (armenisch Բերձոր; kurdisch Laçîn, russisch Лачин; auch Latschin und Lachin) ist eine Stadt in Aserbaidschan. Sie ist Hauptstadt des aserbaidschanischen Rayons Laçın. Von 1992 bis 2020 war sie von der international nicht anerkannten Republik Arzach besetzt und seit dem Krieg um Bergkarabach 2020 wird sie als Teil des Latschin-Korridors unter russischem Schutz verwaltet. Die Stadt liegt am Hang am linken Ufer des Flusses Hakari. Der Name Laçın bedeutet „Falke“.[1]

Blick auf die Stadt und das Hakari-Tal mit der Fernstraße im Hintergrund

GeschichteBearbeiten

Vor 1923 hieß die Stadt Abdalyar.[2][3] Von 1923 bis 1929 war Laçın Verwaltungszentrum der autonomen Provinz Rotes Kurdistan in der Aserbaidschanischen Sowjetrepublik. Nach der Auflösung des roten Kurdistans wurden ab 1937 viele Kurden nach Zentralasien verschleppt.

Laut Volkszählung von 1989 lebten in Laçın 7902 Aseris (61,5 %), 2613 Kurden (20,1 %), 2210 Armenier (18 %) und 52 andere (0,4 %).

Im Zuge des Bergkarabachkonflikts wurde die Stadt am 18. Mai 1992 von Armenien besetzt, da sie zwischen Armenien und dem umstrittenen Gebiet Bergkarabach liegt. Bei den Kämpfen wurde die Stadt schwer zerstört. Viele der muslimischen Einwohner wurden in andere Teile Aserbaidschans vertrieben. In der Zeit danach wurden armenische Flüchtlinge aus Aserbaidschan in der Stadt angesiedelt.[4] In der Republik Arzach war die Stadt Hauptstadt der Provinz Kaschatach. Laut dem Zensus von Bergkarabach hatte die Stadt 2005 2.247 Einwohner.[5]

Im Zuge des Krieges um Bergkarabach 2020 konnte die Stadt nicht erobert werden, aber der sie umgebende Bezirk wurde im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens an Aserbaidschan übergeben. Nur die Stadt selbst und ein benachbarter Ort verlieben unter ihrer bisherigen Verwaltung und unter Schutz russischer Friedenstruppen, um die Verbindung zwischen Armenien und dem Rest Bergkarabachs sicherzustellen. Wegen des unsicheren weiteren Status haben die meisten Bewohner die Stadt im November 2020 nach Armenien verlassen.[6] Nur einige Dutzend Bewohner sind zurückgeblieben und viele Häuser sind beschädigt, da bei der Flucht Dächer und anderes mitgenommen wurde. Mit Wiederaufbau und erneuter Besiedlung ist erst zu rechnen, wenn der Status der Stadt geklärt ist.[7] Die öffentliche Sicherheit kann durch die Polizei nicht mehr gewährleistet werden und die verbliebenen Bewohner fühlen sich nicht sicher, auch weil mehrfach aserbaidschanisches Militär durch das Gebiet fährt.[8][9] Auch Schulen und Kindergärten bleiben nach Ende des Krieges geschlossen.[10] Bis März 2021 kehrten etwa 150 Bewohner in die Stadt zurück, die Sicherheitslage bleibt aber weiter angespannt.[11]

VerkehrBearbeiten

Durch die Stadt führt die Straße von Goris in Armenien nach Stepanakert in Bergkarabach, die auch als Latschin-Korridor bezeichnet wird, da sie die bedeutendste Verbindung zwischen Armenien und Bergkarabach darstellt.[4]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1926 435 164 Türken (Azeris), 110 Kurden, 66 Armenier, 57 Russen[12]
1959 2.329 [13]
1989 7.829 [14]
2005 2.190 [15]
2015 1.900 [16]

WeblinksBearbeiten

Commons: Laçın – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Azerbaidschan Developement Gateway (Memento vom 14. November 2008 im Internet Archive) über Rayon und Stadt
  2. Samvel Karapetian: Armenian Cultural Monuments in the Region of Karabagh. Yerevan: Gitutiun Publishing House, 2001, S. 169.
  3. H. F. B. Lynch, F. Oswald: Map of Armenia and Adjacent Countries. London, 1901.
  4. a b azerb.com über Stadt und Rayon
  5. census.stat-nkr.am/nkr (PDF; 227 kB) Volkszählung im BKR von 2005, S. 15
  6. Кавказский Узел: Azerbaijani authorities begin setting up posts in Lachin District. Abgerufen am 5. Dezember 2020.
  7. Berdzor authorities decide to postpone infrastructure restoration. 12. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020.
  8. Berdzor residents express distrust of local policemen. 10. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020.
  9. Кавказский Узел: Karabakh residents treat security guarantees for Berdzor townspeople as insufficient. 10. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020 (englisch).
  10. Authorities treat reopening schools in Berdzor and two villages as premature. 11. Dezember 2020, abgerufen am 12. Dezember 2020 (englisch).
  11. Berdzor residents demand security guarantees. In: Kawkasski Usel. 23. März 2021, abgerufen am 28. März 2021 (englisch).
  12. Volkszählung der Sowjetunion im Autonomen Distrikt Rotes Kurdistan 1926 (Курдистанский уезд 1926 г.)
  13. Volkszählung der Sowjetunion 1959 (Лачинский район 1959 г.)
  14. Volkszählung der Sowjetunion 1989 (Всесоюзная перепись населения 1989 г.)
  15. Zensus der Republik Bergkarabach 2005
  16. Bevölkerungsschätzung der Republik Bergkarabach 2015