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Kynosarges

archäologische Stätte in Griechenland

Das Kynosarges (griechisch Κυνόσαργες = Wo der Hund liegen blieb) war eines der drei Gymnasien im antiken Athen, im Demos Diomeia gelegen.

Heiligtum des Herakles KynosargesBearbeiten

Seinen Namen verdankte es dem ursprünglich an dieser Stelle befindlichen, von Diomos errichteten Heiligtum des Herakles Kynosarges. Nach der Überlieferung soll Diomes Herakles am väterlichen Herd ein Opfer dargebracht haben. Ein Hund schnappte sich ein Opferstück, rannte davon und ließ sich schließlich an einem Ort nieder. Diomes folgte ihm und gründete an dieser Stelle das Heiligtum des Herakles Kynosarges, da er das Geschehene als göttliches Zeichen deutete.[1]

Die Gymnasien AthensBearbeiten

Die Akademie, benannt nach dem vorzeitlichen Heros Akademos, dessen Grab in der Nähe lag, befand sich im Nordwesten der Stadt, das Lykeion befanden sich auf der Ostseite und das Kynosarges im Süden. Das Gymnasion Kynosarges war dabei von der athenischen Stadtverwaltung den „unechten“ athenischen Bürgern, das heißt: den aus Mischehen mit Ausländern hervorgegangenen Athenern, für ihre Übungen zugeteilt. Plutarch erklärte hierzu, dass ja Herakles, dessen Heiligtum Namens gebend war, auch kein legitimer Gott war, da seine Mutter eine sterbliche war. Durch hartes Training könne man den Unterschied zwischen Ausländern und Athener überwinden.[2]

Alle drei Gymnasien sind durch philosophische Richtungen berühmt geworden, die die vorhandenen Räumlichkeiten nutzten, um hier ihren Unterricht anzubieten: die Akademie durch Platon und die Platoniker oder Akademiker, das Kynosarges durch den Sokrates-Schüler Antisthenes, den Begründer der kynischen Philosophie, dessen Mutter Thrakerin war, und das Lykeion durch Aristoteles und die Peripatetiker.

LageBearbeiten

Das Kynosarges Gymnasium lag südlich des Ilisos außerhalb der Stadtmauer vor dem Diomeischen Tor. Östlich der Kirche Agios Panteleimon an der Kallirois-Strasse fand man ein Gebäude aus Klassischer Zeit, das in römischer Zeit mit einem Bad überbaut wurde. In der Nähe fand man auch ein Gymnasium, das man mit dem von Pausanias erwähnten identifiziert. Es soll von Hadrian erbaut und hierfür sollen 100 Säulen aus Afrika importiert worden sein.[3]

Eine aufgefundene Inschrift[4] erwähnt einen Dromos, also ein Stadion, Richtung Agrai. Dieses Stadion war sicherlich Bestandteil des Kynosarges Gymnasium. Da für ein Stadion eine große ebene Fläche benötigt wurde kann es nur am südlichen Ufer des Ilisos zwischen Kallirrhoë und der Kirche Agios Panteleimon gelegen haben. Auch eine Inschrift[5], die den Gerbern verbietet am Ilisos oberhalb des Herakles-Heiligtums Häute zu gerben wurde aufgefunden. Hieraus geht hervor, dass auch das Heiligtum in diesem Bereich lag.[6]

LiteraturBearbeiten

  • Marie-Françoise Billot: Le Cynosarges. Histoire, mythes et archéologie. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 2, CNRS Éditions, Paris 1994, ISBN 2-271-05195-9, S. 917–966
  • John Travlos: Pictorial Dictionary of Ancient Athens, New York 1980, ISBN 0-87817-267-X, S. 291, 340–341

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Heinrich Wilhelm Stoll: Diomos. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie. Band 1,1, Leipzig 1886, Sp. 1027 (Digitalisat).
  2. Plutarch: Themistokles, 1, 2
  3. Pausanias: Reisen in Griechenland, 1, 18, 9
  4. I.G. II² 2119, Zeile 128
  5. Epigraphisches Museum von Athen Nr. 12553
  6. John Travlos: Pictorial Dictionary of Ancient Athens, New York 1980, S. 340

Koordinaten: 37° 58′ 0″ N, 22° 43′ 57″ O