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Kurt Röttgers (* 21. Juli 1944 in Marienwerder/Westpr., polnisch Kwidzyn) ist ein deutscher Philosoph und war bis 2009 Professor für Philosophie an der Fernuniversität in Hagen.

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Leben und WirkenBearbeiten

Kurt Röttgers studierte von 1964 bis 1969 Philosophie, Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Ruhr-Universität Bochum. Von 1970 bis 1983 war er Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld. 1972 promovierte er an der Ruhr-Universität Bochum zum Dr. phil., 1981 folgte die Habilitation an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Von 1984 bis 2009 forschte und lehrte Röttgers als Professor für Philosophie, insbesondere Praktische Philosophie, an der FernUniversität in Hagen. Im August 2009 ging er in Pension. Noch im selben Jahr übernahm Röttgers eine Gastprofessur an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest (Budapesti Műszaki és Gazdaságtudományi Egyetem). 2010 wurde er zum Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Budapest ernannt.

Röttgers Arbeitsschwerpunkt lag bis 2007 bei der Philosophischen Begriffsgeschichte und der Geschichtsphilosophie und liegt nach wie vor bei der Sozialphilosophie. Diese versteht Röttgers als eine Forschung danach, wie "in den unzähligen sozialen Beziehungen und ihren Pathologien Sozialität und Subjektivität konstituiert werden. Gefragt wird dabei vor dem Hintergrund des Verhältnisses von Selbst und Anderem insbesondere nach der konstitutiven Rolle des Dritten. "[1]

Mit der Philosophischen Begriffsgeschichte begann Röttgers 1973 als er in die Herausgeberschaft des Historischen Wörterbuchs der Philosophie eintrat, der er bis 2007 angehörte. Ihm ist „die Rekonstruktion der Genese von Begriffen … auch jeweils die Geschichte einer Problemstellung. Daraus ergeben sich systematische Perspektiven, die aus einer allein sachorientierten Forschung nicht zu gewinnen sind.“

Zur Geschichtsphilosophie fand Röttgers 1977. Da „Geschichte … stets eine von Geschichten“ ist, bemühte er sich in seinen diesbezüglichen Forschungen „um das Verständnis dessen wie Narrativität und Geschichte zusammenhängen, wie im kommunikativen Text sich Zeit und Erinnerung einschreibt.“

Seit ca. 2000 verlagerte sich das Hauptarbeitsgebiet von Röttgers von der Geschichtsphilosophie in die Sozialphilosophie. Aus diesem Arbeitsgebiet stammen die wichtigen Arbeiten „Kategorien der Sozialphilosophie“ und „Das Soziale als kommunikativer Text“, in denen Röttgers den klassischen Ausgang vom Subjekt ersetzt durch einen Ausgang von dem Zwischen, dem Medium[2], als dem eigentlichen Fluidum des Sozialen; dieses Mediale des Sozialen nennt Röttgers den „kommunikativen Text“.

Seit 2016 erscheint der zweite Band der „Kategorien der Sozialphilosophie“ als „work in progress“ im Internet erreichbar über http://www.fernuni-hagen.de/roettgers/aktuelles.shtml

VeröffentlichungenBearbeiten

Monographien (Auswahl)Bearbeiten

  • Kritik und Praxis. Zur Geschichte des Kritikbegriffs von Kant bis Marx. (Quellen und Studien zur Philosophie, Band 8) Verlag de Gruyter, Berlin 1975, ISBN 978-3-11-004604-5 (auch als E-Book).
  • Der kommunikative Text und die Zeitstruktur von Geschichten. Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. / München 1982, ISBN 3-495-47504-4
  • Texte und Menschen. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1983, ISBN 978-3-88479-133-2.
  • Spuren der Macht. Zur Begriffsgeschichte und Systematik. 2. leicht verbesserte Aufl., Verlag Karl Alber, Freiburg i. Br. / München 1990 (2002 als PDF-Datei über die Webseite des Verfassers).
  • Kants Kollege und seine ungeschriebene Schrift über die Zigeuner. Manutius Verlag, Heidelberg 1993, ISBN 3-925678-41-7.
  • Sozialphilosophie. Macht – Seele – Fremdheit. Verlag Die Blaue Eule, Essen 1997.
  • Die Lineatur der Geschichte. (Philosophie & Repräsentation Bd. 6) Rodopi, Amsterdam/Atlanta 1998, ISBN 978-90-420-0514-3.
  • Kategorien der Sozialphilosophie. (Sozialphilosophische Studien Bd. 1) Scriptum Verlag, Magdeburg 2002, ab 2003: Parerga Verlag Berlin, ISBN 3-933046-55-6.
  • Metabasis. Philosophie der Übergänge. (Sozialphilosophische Studien Bd. 4) Scriptum Verlag, Magdeburg 2002, ab 2003: Parerga Verlag Berlin, ISBN 978-3-930450-92-3.
  • Teufel und Engel. (Bibliothek dialektischer Grundbegriffe). transcript Verlag, Bielefeld. 2005, ISBN 978-3-89942-300-6.
  • mit Wolfgang Mack: Gesellschaftsleben und Seelenleben. Anknüpfungen an Gedanken von Georg Simmel (Philosophie und Psychologie im Dialog, Bd 1). Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-45170-0.
  • Kritik der kulinarischen Vernunft. Ein Menü der Sinne nach Kant. transcript Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1215-8.
  • Das Soziale als kommunikativer Text. Eine postanthropologische Sozialphilosophie. transcript Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-2199-0.
  • Kopflos im Labyrinth.DIE BLAUE EULE, Essen 2013, ISBN 978-3-89924-353-6.
  • Identität als Ereignis. Zur Neufindung eines Begriffs. Bielefeld: transcript Verlag 2016, ISBN 978-3-8376-3391-7.

Herausgeberschaft (Auswahl)Bearbeiten

Darüber hinaus ist Kurt Röttgers Herausgeber von weiteren Publikationen und Verfasser von 141 Aufsätzen.[3]

Anmerkungen und EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Alle Zitate aus der Webseite von Kurt Röttgers
  2. Kurt Röttgers: Wer oder was ist ein Medium? (PDF-datei; abgerufen am 2. Dezember 2015)
  3. Veröffentlichungen Kurt Röttgers

WeblinksBearbeiten