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Weiße Knöpfe der Royal Australian Air Force aus Galalith. Der obere linke Knopf weist Crazes (Haarrisse) auf, wie sie v. a. bei zu hoher Waschtemperatur entstehen.
Vernetzung von zwei Proteinketten (oben) über eine Methylen-Gruppe (unten) durch Reaktion mit Formaldehyd (H2CO) – schematische Darstellung.

Galalith (Kunsthorn, Milchstein; in Großbritannien Erinoid) ist ein alter Handelsname für einen Casein-Kunststoff, der 1897 von Wilhelm Krische und Adolf Spitteler entwickelt wurde.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und BeschreibungBearbeiten

Die Verwendung von Milcheiweiß Casein als Ausgangsstoff für Kunststoff ist älter. So wurde 1531 „Kunsthorn“ vom Benediktinermönch Wolfgang Seidel in Bayern aufgrund eines Rezeptes des Schweizer Kaufmanns Bartholomäus Schobinger hergestellt[2][3] und die Gebrüder Lilienthal stellten damit im 19. Jahrhundert Bauklötzchen her. Die Idee zum Galalith entstand, als der Hannoveraner Drucker Wilhelm Krische einen Auftrag für weiße, nicht brennbare Schultafeln erhielt und dazu Pappe mit Casein überziehen wollte. Da dieses aber nicht haftete, zog er den Chemiker Spitteler hinzu. Dies führte zwar zu keinem Erfolg im Ursprungsprojekt, man fand aber einen neuen Kunststoff.

Galalith entsteht aus Casein und Formaldehyd durch Vernetzung der Proteinketten über Methylen-Gruppen unter Wasserabspaltung.[4] Das gemahlene Rohcasein wird mit Wasser angefeuchtet, mit Füllstoffen, Farblösungen und weiteren Zusätzen vermischt und durch Wärme und Druck plastifiziert. Durch spezielle Pressen entstehen daraufhin Halbzeuge, wie Rohre, Stäbe oder einfach nur Platten und Blöcke. Diese werden mittels Einlegen in Formaldehydbädern gehärtet und in Warmluft getrocknet. Es entsteht ein unbrennbarer Werkstoff mit günstigen Zähigkeitseigenschaften und einem warmen Farbton. Kunsthorn kann zwischen 100 °C und 120 °C warmverformt werden und anschließend problemlos spanend weiterbearbeitet werden. Die Eigenschaft seiner hohen Wasseraufnahmefähigkeit schränkt dessen Verwendung allerdings stark ein.

Der erste Knopf aus Galalith wurde 1902 durch die Firma Gompertz & Meinrath hergestellt, was dann „für die gesamte Knopfindustrie aller Länder bahnbrechend“ war.[5]

Galalith wurde bis etwa Mitte der 1930er Jahre in großen Mengen in Deutschland hergestellt und zunächst u. a. zur Herstellung von Knöpfen, Schmuck und Besteckgriffen verwendet[6] und später auch für die Isolierung elektrischer Anlagen, insbesondere in Waffensystemen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verlor Galalith durch die Entwicklung neuer, vollsynthetischer Kunststoffe nach und nach an Bedeutung, denn diese waren erstens billiger in ihren Grundstoffen (Erdöl statt Milch) und zweitens weniger spröde als Galalith. Aufgrund seiner Materialeigenschaften führt Galalith immer noch ein Nischendasein etwa bei Stricknadeln, Füllfederhaltern oder Plektren.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Galalith bei design20.eu
  2. Vom Kunsthorn aus Käse bis zum Plastik-Halbleiter presse.com, 14. Juni 2014, Print 15. Juni 2014, abgerufen 10. August 2016.
  3. Für Hobby-Alchemisten: Anleitung zur Herstellung von künstlichem Rinderhorn Deutsches Kunststoffmuseum, abgerufen 10. August 2016. – Bild eines Klingeltasters aus 1910, gedrechselt aus gemustert eingefärbtem Kunsthorn.
  4. Karlheinz Biederbick: Kunststoffe. 4. Auflage, Vogel-Verlag, 1977, ISBN 3-8023-0010-6, S. 172.
  5. Heinz Lauenroth (Hrsg.): Hannover. Gesicht einer lebendigen Stadt, Hannover; Berlin: Verlag Dr. Buhrbanck & Co. KG, 1955, S. 160, 187
  6. Silvia Glaser: Galalith. In: Historische Kunststoffe im Germanischen Nationalmuseum. Verlag des Germanischen Nationalmuseums, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-936688-37-5, S. 11–12.