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Konrad Vaut

Vogt von Cannstatt

Konrad Vaut (* um 1446 in Zuffenhausen; † 11. Dezember 1516 in Stuttgart) war verdienstvoller Vogt von Cannstatt und wurde als politischer Gegner Herzog Ulrichs von Württemberg nach kurzer Verhandlung wegen angeblichen Hochverrats zum Tode verurteilt.

Leben und WirkenBearbeiten

Konrad Vaut war 1473–76 Beamter in Zuffenhausen und ab 1483 Ratsherr, 1486–94 Bürgermeister und 1514 Vogt in Cannstatt. Er gilt als ein Protagonist der bürgerlich-ständischen Opposition gegen die Ansprüche des Herzogshauses.[1] Etwa ein Jahr nach Abschluss des Tübinger Vertrags wurde Konrad Vaut wegen Hochverrat auf der Burg Hohenasperg gefangengesetzt und monatelang gefoltert, bis der damals 32-jährige Herzog Ulrich seinen mehr als siebzigjährigen politischen Gegner auf dem Stuttgarter Marktplatz öffentlich hinrichten ließ.[2] Das war ein Justizmord, der das ganze Land in Erregung versetzte.[3]

Dazu kam es, weil im Mai 1515 Herzog Ulrich auf der Jagd im Böblinger Wald hinterrücks seinen Stallmeister und Freund, Hans von Hutten, erstach, nachdem dieser hinter vorgehaltener Hand bei Hofe von der unerwiderten Liebe des Herzogs zur Gattin des Stallmeisters geplaudert hatte und ihn der Lächerlichkeit preisgegeben hatte. Kaiser Maximilian I. ordnete daraufhin an, dass ihm ein Rat als Mitregentschaft zur Seite gestellt werden sollte. Der Herzog musste widerwillig einem noch stärkeren Einfluss der Landstände auf seine Regierung zustimmen. Zornig plante er, die bürgerlichen Vögte aus der Ehrbarkeit, denen er ein Zusammenspiel hinter seinem Rücken mit dem Kaiser zu seinen Ungunsten vorwarf, möglichst bald fühlen zu lassen, dass er allein der Herr in Württemberg war.[4]

Herzog Ulrich ließ den mehr als siebzigjährigen Vogt von Cannstatt, Konrad Vaut, und den Vogt von Tübingen, Konrad Breuning, am 20. November 1516 verhaften und auf dem Hohenasperg gefangen halten. Zu den beiden Verhafteten auf dem Asperg gesellten sich bald noch Sebastian Breuning, der Vogt von Weinsberg, der Bruder des Tübingers, und Hans Stickel, der Bürgermeister von Stuttgart. Man warf ihnen Hochverrat vor, denn sie sollten sich nach Ulrichs Bluttat an den Kaiser gewandt haben; und dem Konrad Vaut drohte zudem eine Anklage wegen Majestätsbeleidigung. Die Angeklagten leugneten die Vorwürfe, aber auf Anweisung von Ambrosius Volland, der des Herzogs Rat und Vertrauter war, wurden die Männer hart gefoltert, bis sie ein Geständnis ablegten. Zeugen für oder gegen die Anklage wurden nicht gesucht. Nach den erpressten Geständnissen wurde die Hauptverhandlung auf den 10. Dezember 1516 im Gerichtssaal des Herrenhauses am Stuttgarter Markt festgesetzt.[4]

Dort fand die Verhandlung wieder unter dem Vorsitz von Ambrosius Volland statt. Alle vier Angeklagten hatten ihre unter der Folter erpressten Geständnisse widerrufen, aber ihre Verurteilung stand bereits vorher fest. Zeugen wurden wieder nicht gehört. Nach kurzer Verhandlung wurden die drei Vögte zum Tode verurteilt, nur Hans Stickel kam mit dem Leben davon. Schon einen Tag nach dem Urteil läutete das Armesünderglöcklein am Markt. In härenem Hemd wurden Konrad Vaut und Sebastian Breuning zwischen einem Spalier von Landsknechten mit Schwertern und Spießen unter lauten Trommelwirbeln auf dem Markt zum Richtblock geführt. Beide wurden enthauptet und Konrad Vaut möglicherweise gevierteilt. Konrad Breuning wurde noch ein weiteres Jahr lang gefoltert, ehe er hingerichtet wurde.[4]

LiteraturhinweiseBearbeiten

  • Albrecht Gühring: Konrad Vaut und seine Familie. In: Zuffenhausen. Dorf, Stadt, Stadtbezirk. Stuttgart-Zuffenhausen, 2004, ISBN 3-00-013395-X, S. 104–112
  • Otto-Günter Lonhard: Agnes Bayer geb. Vautt und ihre Familie. Neues zur Genealogie Vautt I. In Südwestdeutsche Blätter für Familien- und Wappenkunde (SWDB), Band 24 (2004–2006) S. 441–453
  • Otto-Günter Lonhard: Die neue Pfründ in Zuffenhausen und ihre Stifterfamilie, Neues zur Genealogie Vatt II. In SWDB Band 24 (2004–2006) S. 485–503
  • Otto-Günter Lonhard: Die Vaut in Zuffenhausen im 15. Jahrhundert, Neues zur Genealogie Vautt III. In SWDB Band 24 (2004–2006) S. 517–525

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Walter Hipp: Ahnenliste Sophie Hipp
  2. Andrea Bachmann: Die Breuningstraße, Tagblatt-Anzeiger, 2010. (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tagblatt-anzeiger.de
  3. Hans Widmann: Tübingen als Verlagsstadt, Tübingen: Mohr Siebeck, 1971, S. 34 f.
  4. a b c Rose Wagner: Mosaik, Sonderveröffentlichungen des Martinszeller Verbandes Nr. 17, Stuttgart 2002, S. 38–43.