Kollektiv Rote Rübe

linksgerichtetes Münchner Theaterkollektiv in den 1970er Jahren

Das Kollektiv Rote Rübe war ein linksgerichtetes Münchner Theaterkollektiv in den 1970er Jahren, das von Schauspielschülern gegründet wurde. Die Spielgruppe, die vornehmlich sozialkritische Themen auf die Bühne brachte, galt Mitte der 1970er als erfolgreichste freie Theatergruppe der Bundesrepublik Deutschland.

ProduktionenBearbeiten

Im März 1973 führte die Gruppe das Stück Stifte mit Köpfen von Werner Geifrig über die Probleme der Lehrlingsausbildung in der Regie von Hartmut Baum im Münchner Theater der Jugend auf.[1] Im Sommer des gleichen Jahres brachten die Frauen des Kollektivs das Agitationsstück Frauenpower zur Uraufführung, zunächst auf dem Münchner Marienplatz.

Im Jahr 1974 folgten die selbst verfassten Revuestücke Bravo, Bravo – verkauft im Stil der neuen Zeit[2] über das Freizeitverhalten von Jugendlichen im Münchner Theater in der Brienner Straße, und Terror über die Situation in Chile nach dem Militärputsch Pinochets im Münchner Poplokal „Crash“ in der Lindwurmstraße.

1975 folgte die die Präsentation der Produktion Viva Italia zum Neofaschismus, im Jahr 1976 die Polit-Revue Paranoia, eine Revue gegen das Furcht und Elend in Deutschland. 1977 entstand die Zirkusshow Liebe, Tod und Hysterie als Auftragsproduktion des ersten Münchner Theaterfestivals.

Bekannte TeilnehmerBearbeiten

Katja Rupé gehörte zu den Mitbegründern der Theatergruppe „Rote Rübe“, für die sie bis 1977 als Darstellerin, Autorin und Regisseurin arbeitete. Auch Traute Hoess war Mitbegründerin. Billie Zöckler begann hier ihre Karriere.

Konstantin Wecker schrieb zwischen 1973 und 1975 seine ersten Bühnenmusiken für Projekte des Kollektivs. Franz Josef Degenhardt und Ton Steine Scherben arbeiteten für Plattenaufnahmen mit der Truppe zusammen.

NamensgebungBearbeiten

Der Name "Rote Rübe" basiert auf einem alten chinesischen Märchen, indem ein Kind verzweifelt versucht, eine Rote Rübe aus der Erde zu ziehen. Weil ihm sein Vorhaben nicht gelingt, kommen ihm zwei weitere Kinder zu Hilfe. Nachdem sich die Rübe nun leicht bewegt, aber sich noch nicht herausziehen lässt, eilen weitere Kinder herbei. Zu zehnt schaffen sie es schließlich die Rote Rübe aus der Erde zu ziehen.[3] Im übertragenen Sinne beschreibt die Erzählung die Stärke der Gemeinschaft und die Energie eines Kollektivs.

WerkeBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Knud Andresen: Gebremste Radikalisierung die IG Metall und ihre Jugend 1968 bis in die 1980er Jahre. Wallstein, Göttingen 2016, ISBN 3-8353-1918-3, S. 295.
  2. Rudolf Herfurtner: Die Rote Rübe in der Brienner Strasse. Motarrad Angela und die reine Liebe. 2. März 1974.
  3. Hans Georg Berger, Thomas Petz, Barbara Winter: Jahresprogramm ´78 der BMW Galerie, München. Hrsg.: Theater Festival ´77 GmbH. München 1978, S. 18–19.