Hauptmenü öffnen

Inhalt und AufbauBearbeiten

Am Anfang berichtet der Ich-Erzähler, dass er in seine Heimatstadt zurückgereist ist, um einen Vortrag über Heinrich von Kleist zu halten (der sich vor zweihundert Jahren eine Zeit in Thun aufgehalten hatte). Dann isst er zusammen mit Freunden und seinem Halbbruder, den er seit langem nicht mehr gesehen hat; doch dieser fühlt sich nicht wohl, da ein junger Mann sich zu den beiden setzt, daher beginnt der Halbbruder zu schmollen. Nach dem Essen geht der Letztere dann auch. Das ist das letzte Mal, dass er ihn gesehen hat. Den Vortrag hält er erst, nachdem sein Bruder gegangen ist, da dieser kaum Interesse am Vortrag haben könnte.

Später geht der Ich-Erzähler in ein Gasthaus, in dem er Bekanntschaft mit einer schönen asiatischen Frau namens Daisy macht, und unterhält sich mit ihr. Sie schenkt seinen nicht leichten Interpretationen über das Werk eines Dichters viel Interesse. Nach einigen Stunden geht sie und er bedauert mehr ihre Abwesenheit als das in dieser Zeit verprasste Vortragshonorar.

Zu Beginn des Buchs wird der Ich-Erzähler benutzt, der über die Geschehnisse in seiner Heimatstadt berichtet, besonders was er dort tut, und über sein Treffen mit seinem Bruder. Der Ich-Erzähler hält auch einen Vortrag über Heinrich von Kleist. Dann heisst es vom letzten Lebenszeichen des Halbbruders und dessen Selbstmord, von dem der Ich-Erzähler aber erst später erfährt. Er reagiert darauf und beginnt, sich zum Thema Selbstmord viele Fragen zu stellen. Daher will er herausfinden, weshalb sein Bruder den Selbstmord begangen hat, und nimmt historische Beispiele zum Vergleich, unter anderem Cato, Sokrates oder Seneca. Dadurch versucht er, eine Antwort auf seine Tat zu finden. Bis hier ist der Teil, bei dem es sich hauptsächlich um seinen Bruder handelt.

Auf Seite 60 kommt dann ein Bruch: Der Leser wird in die Kindheit des Bruders zurückversetzt, und es wird der personale Er-Erzähler verwendet. Genauer gesagt, befindet sich der Bruder bei den Pfadfindern und erhält den Pfadfindernamen eines Tieres, und zwar „Koala“. Es wird erklärt, wie dies zustande kommt. Eigentlich erzählt der Ich-Erzähler die Geschichte, indem er seinen Bruder mit „er“ bezeichnet, ohne einmal sich selbst mit einzubeziehen.

Auf Seite 76 erfolgt der zweite Bruch: Dieser besteht aus einem Übergangsabschnitt, in dem alle Namen des Tieres genannt werden, bevor dann über die Geschichte des Tieres berichtet wird. Da erfährt man alles darüber, wie der Koalabär, der kein Bär ist, lebt und in welchem Kontext er erstmals von Menschen gesehen wurde, mit der Geschichte eines Mannes auf einem Schiff, das nach Australien fährt, auf dem sich Kriminelle aus Grossbritannien befinden, die nicht mehr im Land erwünscht sind, weil die Gefängnisse überfüllt sind. Es ist wie eine Geschichte in der Geschichte. Dieser Teil wird wie ein Roman erzählt, und es gibt einen Protagonisten, Ralph Clark, der von seiner Frau Alicia getrennt wird. Dabei liebt er sie sehr und vermisst sie auf der Fahrt nach Australien sehr. Dort geht die Geschichte dann mit den Engländern und den Eingeborenen weiter. So erfährt man auch Geschichtliches, wie, dass zwei Jahre nach der Entdeckung des Koalas durch die Weissen der erste durch diese getötet wurde. Der Erzähler ist neutral (Er-Erzähler), daher findet man im Text oft „man“.

Der dritte und letzte Bruch ist auf Seite 170, als der Ich-Erzähler sich wieder zurückmeldet. Da findet die Beerdigung des Bruders statt. Wie viele Selbstmörder, wird der Bruder ausserhalb der Kirchhofsmauer bestattet und die Totenfeier wird nicht in der Kapelle abgehalten (Seite 173).

Wichtige Themen, Ideen und Motive inklusive FunktionBearbeiten

SelbstmordBearbeiten

Im Buch Koala ist der Selbstmord das Hauptthema, da dieser vom Halbbruder des Ich-Erzählers begangen wurde. Bereits am Anfang des Buches findet man das Thema des Selbstmordes, da der Ich-Erzähler einen Vortrag über den Buchautor Heinrich von Kleist hält, der Selbstmord begangen hat. Dies könnte auch eine Andeutung auf das kommende Drama sein. Der Ich-Erzähler stellt sich aufgrund der Tat seines Bruders viele Fragen über Selbstmord und will eine Antwort finden. Daher denkt er viel nach und stellt sich Fragen (Seite 21–25). Nach all dieser Nachdenkerei fängt er an, Selbstgespräche zu führen (Seite 25). Er will seine Gedanken mit anderen Teilen, doch dies ist ein Tabu und es herrscht stattdessen Schweigen; so will der Ich-Erzähler Gründe finden, warum die Leute darüber schweigen (Seite 26–30). Er findet auch heraus, dass mehr Menschen einen Verwandten durch Selbstmord verloren haben als er es sich je hat denken können. Da es aussichtslos ist, mit jemandem darüber zu sprechen, macht der Ich-Erzähler nun Recherchen über historische Beispiele von Selbstmord. So hat Cato, ein Gegner von Julius Cäsar, angesichts der unausweichlichen Niederlage wegen seines Mordes (zusammen mit anderen) an Cäsar, Selbstmord begangen. Seneca und Sokrates mussten sich töten, also Selbstmord unter Zwang. Er nimmt aber auch weniger bekannte Beispiele wie eine gewisse Marie oder eine namenlose Frisörin. Heinrich von Kleist wurde schon am Anfang des Buches erwähnt. Diese Selbstmordbeispiele versucht der Ich-Erzähler, mit dem Fall seines Bruders zu Vergleichen, doch weiss er nicht, warum er dies getan hat, denn er war an keiner Verschwörung beteiligt wie Cato und wurde auch nicht zu Selbstmord verurteilt wie Sokrates, der aus dem Schierlingsbecher trinken musste, oder Seneca, der auf verschiedene Arten, durch Kaiser Nero gezwungen, sich zu töten versuchen musste. Der Ich-Erzähler sagt daher, Selbstmord sei die einzige freie Tat, zu der der Mensch fähig sei (Seite 30). So versucht er, einen Bezug zwischen Selbstmord und seinem eigenen Leben herzustellen, wo Einsamkeit doch eine wichtige Rolle gespielt hat. Dann spricht er den Hass gegenüber seinem Bruder aus, seiner Tat wegen. Ein Grund ist, dass er Schuldgefühle im Ich-Erzähler geweckt hat, da er durch seine Tat eine zu entziffernde Botschaft geschickt hat, aber er findet diese Tat auch egoistisch den Hinterbliebenen gegenüber. Dadurch fängt er an, über die Kindheit seines Halbbruders nachzudenken. So erzählt er, was er über dessen Kindheit weiss, was aber nicht besonders viel ist, denn schon früh trennten sich ihre Wege. Im Völkerkundemuseum findet der Ich-Erzähler die 3000 Jahre alte Darstellung eines Selbstmörders, der eine anatomisch nicht mögliche Position mit dem um 180° gedrehten Kopf innehat, der sich mit Ohrpflöcken den Hals aufschlitzt (Seite 55–56). Später fängt der Ich-Erzähler an, überall den Koala zu sehen (Seite 57–60).

HeimatBearbeiten

Die Heimat ist hier ein wichtiges Thema, da man von der Verbindung des Ich-Erzählers zu seiner Heimat erfährt, jedoch nur indirekt durch Heinrich von Kleists Aufenthalt in Thun im Jahr 1802. Man weiss am Anfang des Buches, dass er dreiundzwanzig Jahre zuvor seine Heimat etwas unfreiwillig verlassen hat, sie daraufhin jedoch gemieden hat. Nach dem Selbstmord seines Bruders geht der Ich-Erzähler in die „Stadt“ zurück, doch diesen Ort mag er nicht. Er hat kaum eine Verbindung zu seiner Heimat, und mit dem Tod des Halbbruders fällt auch die letzte übriggebliebene.

BruderBearbeiten

Sein Bruder bringt auch ein Thema hervor, nämlich das Verhältnis von Geschwistern. Der Ich-Erzähler und er haben zwar dieselbe Mutter, jedoch einen anderen Vater, doch sie wollen sich nicht als Halbbrüder, sondern als ganze Brüder sehen. Der Bruder ist in der Schule ein mässiger Schüler gewesen, der einen labilen Gesundheitszustand gehabt hat, mit einer Kyphose und schlechten Augen. Daher hat er eine dicke Brille getragen (Seite 46). Er hat zwei Unfälle mit dem glasigen Teil von Türen gehabt. Er ist getrennt vom Ich-Erzähler aufgewachsen und hat ihn kaum gesehen. Das Verhältnis zwischen dem Ich-Erzähler und seinem Halbbruder ist aber kein gewöhnliches, denn sie sehen sich nur wegen der Pflicht, als Brüder sich nicht komplett aus den Augen zu verlieren. Sie sind sich aber nicht sonderlich nah und wissen nicht besonders viel voneinander. Ihre gegenseitige Vertrautheit beschränkt sich auf ein komplizenhaftes Schweigen, anstatt in die Einzelheiten zu gehen. So wissen sie nur sehr oberflächlich voneinander, wie es dem anderen geht und welche Schwierigkeiten er zurzeit hat, wie man dies am Beispiel der Frau des Bruders erkennen kann (Seite 7), wo der Ich-Erzähler nur von Schwierigkeiten weiss, dass deren Liebe zu Ende zu gehen droht. Man erfährt in diesem Ausschnitt als weitere Information nur, dass beide sich vor einigen Jahren kennengelernt haben. Man stellt auch fest, dass sie bei ihren Treffen nur wenig miteinander sprechen, denn es heisst zu Beginn des neuen Abschnittes in der Mitte der Seite 7: „Dann und wann wechselten wir ein paar Sätze […]“. Als der Ich-Erzähler den Mann anruft, der seinen Halbbruder gefunden hat, dessen Freund, fanden sich sowohl dieser Mann verpflichtet, dem Ich-Erzähler als Halbbruder des Verstorbenen zu kondolieren, als auch der Ich-Erzähler dem Mann sein Beileid zu wünschen, da dieser ihn als seinen Freund besser kennt als er selbst (Seite 14–15), was auch zeigt, dass sie nicht besonders nah zueinander waren. Der Ich-Erzähler hat nach den Tatmotiven gesucht und vermutet nun mehrere Gründe für den Selbstmord. Sein Totemname „Koala“ verfolgte ihn, da dieser ihm ein Gefühl der Nutzlosigkeit einflösste, was ja beim Koala der Fall ist. Dazu hat er es im Leben nicht weit gebracht, und er besitzt Eigenschaften des Koalas. Auch war er wie der Koala wiederum isoliert und ein Einzelgänger. Schliesslich kommt noch dazu, dass er Drogen konsumiert hat, nämlich Cannabis. Zusätzlich zu all dem kommen noch Beziehungsprobleme mit seiner Frau (Seite 7) und die mangelnde Jobperspektive, denn er wechselt mehrmals seinen Job. Jedenfalls hat er sich durch seinen Suizid seinen Aufgaben und Pflichten entzogen.

Verwendete StoffeBearbeiten

HalbbruderBearbeiten

Lukas Bärfuss hat im Buch Koala Teile des Lebens seines Halbbruders verwendet. Sehr viel ist dem Autor über diesen Bruder aber auch nicht bekannt. Es gibt Gemeinsamkeiten wie der Selbstmord oder Kindheitserinnerungen.

Selbstmörder und SelbstmordBearbeiten

Bärfuss verwendet auch Beispiele von Menschen, die Selbstmord begangen haben, so recherchiert er über historische Beispiele, nämlich Sokrates, Cato und Seneca. Am Anfang erwähnt er auch Heinrich von Kleist. Dann kommen unbekannte Beispiele, die wohl kaum einer kennen kann, wie eine gewisse Marie, die einen Abschiedsbrief schreibt, oder eine namenlose Frisörin, die ein Schreiben hinterlässt. Der Text ist an ihren Liebsten adressiert. So etwas in der Art hätte sich auch der Ich-Erzähler von seinem Halbbruder gewünscht. Diese Texte sind aber auch die einzigen Belege für die Existenz dieser Personen. Der Ich-Erzähler recherchiert auch die Bedeutung von Selbstmord und schaut sich Wörter mit ähnlicher Bedeutung an, wie beispielsweise Selbsttötung.

Hier sind zehn historische Fakten zum Selbstmord. Im Jahr 65 n. Chr. hat Seneca auf Druck von Kaiser Nero sich das Leben genommen. Im Jahr 1210 begeht ein Mann in Reims Selbstmord, worauf seine Leiche durch die Geistlichen von Saint-Rémi durch die Stadt geschleift worden ist. 1438 erdrosselt sich Cuno Godin in Freiburg, der dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird. Am 30. Oktober 1772 erschiesst sich der deutsche Jurist Karl Wilhelm Jerusalem wegen einer unerfüllten Liebe mit der Pistole und erhält deshalb kein christliches Grabmal. Der 21-jährige tschechoslowakische Student Jan Palach verbrennt sich am 19. Januar 1969, um gegen das Diktat der Sowjetunion zu protestieren. Hedwig Zürcher und Walter Baechi gründen am 3. April 1982 den Schweizer Verein Exit, der sich für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen im Leben und im Sterben engagiert. Weil dies eine Tradition so verlangt, wirft sich die 18-jährige Roop Kanwar am 4. September 1987 nach dem Tod ihres Mannes auf den Scheiterhaufen. Der Nirvana-Sänger und -Gitarrist Kurt Cobain erschiesst sich am 5. April 1994 mit einer Schrotflinte und gilt spätestens seit dann als Ikone einer gesamten Rock-Generation. Am 11. September 2001 begeht Mohammed Atta mit einem entführten Flugzeug ein Selbstmordattentat, indem er es in das World Trade Center One hineinsteuert. Robert Enke, der deutsche Nationaltorhüter, wirft sich am 10. November 2009 vor einen Zug.

Im alten Europa, insbesondere im Römischen Reich, liess man Suizid zu, und es wurde teilweise als ehrenvoll angesehen. Für die Römer gab es viele legitime Gründe für diese Tat und für Seneca war es die letzte Handlung eines freien Menschen. Für Augustinus hingegen war Selbstmord eine Sünde, und nach mehreren Konzilien in der frühen Christenheit wurde beschlossen, dass Selbstmörder nicht kirchlich beerdigt werden durften. Im Mittelalter wurde die Tat von der katholischen Kirche verurteilt. Das Eigentum des Täters wurde eingezogen und seine Leiche wurde beschimpft. Dem englischen Recht nach wurde durch Selbsttötung alles Hab und Gut verwirklicht. Wenn der Betroffene geisteskrank war, dann galt dies jedoch nicht. Dieses Gesetz wurde 1870 abgeschafft. Von 1823 an durften Selbstmörder auf geweihtem Grund bestattet werden und 1882 auch kirchlich beigesetzt werden. Sowohl im christlichen als auch im jüdischen und islamischen Glauben ist der Selbstmord immer noch verboten.

KoalaBearbeiten

Der Autor hat viel über den Koala recherchiert und den Titel des Buches entsprechend genannt. Bärfuss hat sich für den Koala entschieden, weil das der Pfadfindername von seinem Halbbruder war und dies wohl ein Grund zu dessen Selbstmord sein könnte. Dies könnte ihm bewusst gemacht haben, dass er nutzlos ist wie ein Koala und er nichts aus seinem Leben macht. Sein Cannabis-Konsum hat auch eine Parallele mit dem Koala, denn das Nahrungsmittel des Koala, die Eukalyptusblätter, wirken wie Drogen. Wie ein Koala ist der Bruder auch isoliert und ein Einzelgänger. Im Buch erfährt man auch von seinen Beziehungsproblemen (Seite 7). Bei ihm gibt es auch eine mangelnde Jobperspektive und viele wechselnde Jobs, so wird nichts Rechtes aus ihm. Sein Streben nach einem besseren Leben läuft ins Leere hinaus und er verbleibt in seiner Lage. Es gibt im Buch einen grossen Teil über den Koala und seiner Entdeckung durch die Menschen. Dieser Teil wird durch die unzähligen Namen eingeleitet, die er besitzt. Man sieht gut, dass Lukas Bärfuss nicht seine eigenen Kenntnisse über den Koala eingebracht hat, sondern was er für Informationen über das Tier gefunden hat.

Geschichte AustraliensBearbeiten

Im Teil mit der Geschichte des Koala kommt auch die Geschichte Australiens ins Spiel. Diese Erzählung ist wie eine Geschichte in der Geschichte, denn es gibt wie einen Protagonisten, nämlich Ralph Clark, einem Sergeant. Dieser vermisst sehr seine Frau Alicia, doch er muss auf das Schiff, dass mit den Gefangenen nach Australien fährt. Hier sind gewisse Dinge erfunden wie dieses Beispiel mit dem Protagonisten, doch die Gefangenen wurden tatsächlich nach Australien gebracht, wo sie dann den Koala gesehen haben, daher die Verbindung mit dem Koala. Dort in Australien müssen sie ein neues Leben beginnen, wo schon Eingeborene leben. Auf der Seite 149 gibt es beispielsweise eine Überschneidung mit dem verwendeten Stoff des Koala, denn da spricht Bärfuss vom ersten von weissen getöteten Koala. Da haben ihn zwei Jäger vom Baum geschüttelt.

Reaktion der Gesellschaft auf SuizidBearbeiten

Die Menschen sprechen oft die Sache nicht an, sondern schweigen vielmehr darüber (Seite 26–30). Der Selbstmord wirkt wie ein Virus, das die Menschen zum Schweigen bringt, denn selbst heute wird der Suizid nicht gut angesehen. Émile Durkheim hat 1897 die These aufgestellt, dass der Suizid nicht rein individualistisch durchgeführt wird, sondern auf soziale Fehlanpassung und mangelnder sozialen Integration folgt. Dabei gibt es auch Suizid infolge einer zu starken Integration.

Sprache und StilBearbeiten

Erzählform und ErzählverhaltenBearbeiten

Im Buch wird meistens der Ich-Erzähler verwendet, nämlich von der Seite 5 (der Anfang) bis zur Seite 60 und dann wieder von der Seite 170 bis zur Seite 182 (das Ende). Dazwischen, also von der Seite 60 und 170 wird der Er-Erzähler benutzt. Dieser Teil lässt sich nochmals unterteilen in den personalen Er-Erzähler von der Seite 60 bis zur Seite 76 und den neutralen Er-Erzähler von der Seite 76 bis zur Seite 170.

DarbietungsformBearbeiten

Es gibt fast ausschliesslich indirekte Rede wie: „Er habe es gewollt, meinte der Jüngere, er könne dies bezeugen [...]“ (Seite 17). Oft findet man innere Monologe wie: „Ich durchforstete meine Erinnerung nach einem Moment, da ich mich in seiner Gegenwart frei und unbefangen gefühlt hatte. Und ich fand keinen.“ (Seite 42). Die erlebte Rede wird hier ebenfalls benutzt und zwar nach dem ersten Bruch wie hier: „Er musste eine Entscheidung treffen. Versuchen, sich von den Stricken zu befreien und an Land schwimmen?“ (Seite 62).

Chronologie und ZeitstrukturBearbeiten

Das Buch ist chronologisch geschrieben, doch hat immer wieder Rückblenden. Es gibt einen ganzen Teil im Buch, der ausschliesslich aus Rückblenden besteht und zwar der Text von der Seite 60 bis zur Seite 170. Die Erzählung ist an den meisten Stellen zeitraffend und natürlich über einen grossen Teil der Geschichte, denn auf der Seite 6, jetzt als Beispiel, ist es Ende Mai 2011 und auf der Seite 170 ist es Anfang März 2012. Das Jahr ist hier zwar nicht angegeben, doch es lässt sich herleiten, da der Halbbruder im selben Jahr geboren ist, wie „Luna 9“ im „Meer der Stürme“ gelandet ist, die Beatles berühmter als Jesus geworden sind und Gottfried Dienst in Wembley verhinderte, dass Beckenbauer und seine Kumpane Weltmeister wurden (Seite 46). Das alles war im Jahr 1966. Weiter weiss man, dass der Bruder im Alter von 45 Jahren gestorben ist und zwar kurz nach seinem Geburtstag, der im Monat November ist (Seite 12). Es gibt auf der Seite 128 ein weiteres Beispiel für die Zeitraffung: „Vierzehn Jahre blieb das Tier noch unentdeckt von den Weißen, vierzehn Jahre, in denen die Kolonie sich dank dem Fleiß, dem Ehrgeiz und der Grausamkeit langsam entwickelte.“ Im Buch wird auch die Zeitdehnung benutzt, wie bei den Gedanken des Halbbruders, kurz bevor er seinen Totemnamen erfährt: „In diese Gesichter schaute er nun [...]“ (Seite 66). Der Text ist im Berichtsstil geschrieben, da es keine genaue Nennung von Ort und Zeit gibt. So erfährt man nicht explizit, in welcher Stadt der Ich-Erzähler einen Vortrag über Heinrich von Kleist zu Beginn des Buches hält. Es wird nur Folgendes gesagt: „Man hatte mich in meine Heimatstadt geladen, [...]“ (Seite 5). Er sagt nie, um welche Stadt es sich handelt. Der Zeitpunkt ist auch recht vage, da nur gesagt wird: „[...] an einem Tag im November, [...]“ (Seite 5). Hierbei handelt es sich um die Angabe, dass Heinrich von Kleist dann Selbstmord begonnen hat. Weiter sind die Personen oft auch nicht genau genannt oder man muss sich gedulden, den Namen der Person zu finden, die gerade eben beschrieben worden ist. So wird Heinrich von Kleist auf der ersten Seite der Geschichte nicht genannt, doch man weiss, dass es sich um ihn handelt, da Henriette Vogel genannt wird, die er erschossen hat. Sein Name wird später aber erwähnt. Den Namen des Bruders des Ich-Erzählers erfahren wir jedoch nie.

Literarische GattungBearbeiten

Das Buch Koala wurde in Prosa geschrieben und ist ein epischer Text, da es sich hierbei um einen Roman handelt. Die Länge des Buches von fast 200 Seiten spricht für diese Zuordnung. Als Abgrenzung zur Novelle gibt es hier keine Peripetie, somit auch kein Wendepunkt. Die realitätsnahe Situation und die Faktenbenutzung spricht dafür eher gegen den Roman. Da der Begriff „Roman“ sehr viele Bücher erfasst, die sehr unterschiedlich voneinander sind, gibt es auch noch die Unterteilung in Romangattungen. Da hier die zwischenmenschliche sehr wichtig ist, könnte man dieses Buch als Beziehungsroman bezeichnen, da der Selbstmord des Bruders teils auf Beziehungsschwierigkeiten zurückzuführen ist, denn auf der Seite 7 erfährt man vom Ich-Erzähler, dass der Bruder Schwierigkeiten in der Ehe hat.

EpocheBearbeiten

Das Werk Koala gehört der Epoche der Postmoderne an, weil die Erzählweise eher fragmentiert ist, denn es gibt wie vier grosse Teile des Buches, die zeitlich und räumlich getrennt sind und der erste Teil hat auch noch Ausschnitte aus früheren Zeiten, nämlich dann als der Ich-Erzähler an die Kindheit seines Halbbruders denkt. Daher muss vom Leser das Geschehen rekonstruiert werden. Hier kann man das besonders gut daran erkennen, dass es auf der Seite 60 einen Bruch gibt und die Handlung erst, obwohl der Ich-Erzähler vor dem Bruch eher in den Gedanken versunken war, auf der Seite 170 weitergeht. Ein weiteres Merkmal, das für die oben genannte Epochenzuordnung spricht, ist, dass sich der Charakter der Figuren kaum entwickelt, so war der Bruder schon immer ein eher isolierter Mensch, der Gesellschaft nicht mag und der Ich-Erzähler hat keine Charakteränderung gezeigt. Eine mögliche Konsequenz ist, dass man sich weniger mit solchen Figuren identifiziert, da der Bruder fremdbestimmt ist. Die verwendete Stoffe Bärfuss für sein Buch sind auch ein Merkmal für die Postmoderne, denn es gibt nicht nur historische Anspielungen, sondern auch Beispiele oder Parallelen. Die Individualität des Bruders spricht hingegen mehr für die Literaturepoche der Moderne.

Biographie, Ideen und Gesamtwerk des AutorsBearbeiten

BiografieBearbeiten

Lukas Bärfuss wurde am 30. Dezember 1971 in Thun geboren. Nach der obligatorischen Schulzeit arbeitete er als Tabakbauer, Eisenleger und Gärtner. Da er später in einer kollektiv geführten Buchhandlung arbeitete, ergab sich für ihn ein leichtere Weg zum Schriftsteller. Seit 1997 lebt und arbeitet er in Zürich als freier Schriftsteller. Bärfuss hat zusammen mit anderen die Künstlergruppe „400asa“ gegründet, für die er Bühnenwerke schrieb, darunter das als grotesk bezeichnete Meienbergs Tod, mit dem er im Jahr 2000 bekannt wurde. Durch das Stück Die sexuellen Neurosen unserer Eltern hatte er dann besonders viel Erfolg. Bis 2005 ist das Stück bereits in zwölf Sprachen übersetzt worden. Im Jahr 2014 hat Bärfuss das Buch Koala publiziert, dank dem er den Solothurner Literaturpreis 2014 und den Schweizer Buchpreis 2014 erhielt. Der Autor hat noch weitere Buchpreise erhalten.

Rezeption und WirkungBearbeiten

Das Buch wurde sehr gut aufgenommen, denn im Jahr 2014 erhielt Lukas Bärfuss sowohl den Solothurner Literaturpreis 2014, als auch den Schweizer Buchpreis 2014. In vielen Medien wurde vom Buch berichtet und es gab viel positive Kritik, hier drei Beispiele: „Lukas Bärfuss ist der aufregendste Autor der Schweiz“ (Richard Kämmerlings, Die Welt), „Ein grandios-großartiges, tief bewegendes Buch, eines der schönsten, die ich seit langem gelesen habe“ (Elke Heidenreich, Literaturclub), „Der Roman ‚Koala‘ ist gross und autonom gerade darin, dass er keine Erzähllogik behauptet, in der grossen Themen, die bleibende Verstörung ob der Brüche im Text sowie die ganz und gar eigenständige Formung des Erzählens zeichnen ihn aus“ (Corina Caduff, Laudatio zum Schweizer Buchpreis 2014).

Synthese: Gesamtinterpretation des WerkesBearbeiten

Der Selbstmord ist selbst in der heutigen Gesellschaft ein Tabuthema, denn es wird viel eher darüber geschwiegen als gesprochen. Im Buch Koala lassen sich verschiedene Facetten des Suizids wiederfinden, da historische Beispiele genannt worden sind, bei denen die Tat auf verschiedene Arten und aus verschiedenen Gründen getan wurde. Die betroffenen Menschen versuchen damit möglichst gut umzugehen, was jedoch nicht leicht ist, weil das teilweise bleibende Schäden hinterlässt. Deshalb wird der Selbstmord schlecht angeschaut und man ist froh, wenn man nicht zum Opfer dieses Geschehens wird. Niemand will davon betroffen sein.

TextausgabeBearbeiten

QuellenBearbeiten

  • Unterlagen aus dem Deutschunterricht zum Buch Koala (Schuljahr 2014–2015 Kollegium Heilig Kreuz 3. Schuljahr)

WeblinksBearbeiten