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Kaiserpfalz Hagenau

ehemalige Kaiserpfalz im Département Bas-Rhin, Frankreich
Lage der Pfalz
Ehemaliges Jesuitenkolleg, heute Maison de retraite

Die Kaiserpfalz von Hagenau (französisch: Haguenau) war eine unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa erbaute Königspfalz in der elsässischen Stadt Hagenau. Sie lag auf einer von der Moder umflossenen Insel in der Altstadt im Bereich der heutigen Rue du Château (Schlossstraße). Es sind bis auf wenige Skulpturenfragmente im Musée historique de Haguenau keinerlei bauliche Reste erhalten. An der Stelle der Pfalz wurde 1729 bis 1739 ein Jesuitenkolleg errichtet, das heute als Maison de retraite (Altenheim) genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

 
Stauferstele im Innenhof der Maison de Retraite

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts ließ Herzog Friedrich II. von Schwaben (genannt der Einäugige) eine Wasserburg errichten, die sein Sohn Friedrich I. Barbarossa zur Kaiserpfalz ausbaute. Sie war mit achtzig Aufenthalten die mit Abstand am häufigsten von deutschen Kaisern und Königen besuchte Pfalz der Stauferzeit. Barbarossa war zwischen 1153 und 1189 neunmal in Hagenau, Heinrich VI. achtmal, wobei er 1193 über Richard Löwenherz Gericht hielt. Außerdem waren Philipp von Schwaben, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.) und Konrad IV. dort. Wahrscheinlich von 1153 bis 1208, als sie auf Burg Trifels gelangten, wurden in der Pfalz die Reichskleinodien aufbewahrt. Nach dem Ende der Stauferzeit verlor die Pfalz an Bedeutung. Ab 1280 bis ins 17. Jahrhundert war sie Amtssitz des Landvogtes des Elsass. Mit der Brandschatzung von Hagenau durch Marschall von Créqui im Jahr 1678 wurde auch die Pfalz zerstört. 1687 wurde sie abgerissen, um die Steine als Baumaterial für die fünfundzwanzig Kilometer östlich von Hagenau am Rhein erbaute Vaubansche Grenzfestung Fort-Louis zu verwenden.

Im Innenhof der Maison de Retraite steht als Erinnerung an die Pfalz seit 2012 eine Stauferstele (ursprünglich seit 2006 in der Rue de la Moder). Außerdem ist am Gebäude eine Gedenktafel mit der Inschrift "RUE du CHATEAU – ANCIEN CHÂTEAU IMPÉRIAL – ICI S'ELEVAIT LA CHAPELLE PALATINE – BERCEAU DE LA VILLE DE HAGUENAU – CONSACREE PAR ST LEON IX VERS 1035 – GRANDIE PAR FREDERIC BARBEROUSSE VERS 1170 – 1184 – DEMOLIE EN 1687" angebracht.[1]

PfalzkapelleBearbeiten

 
Kapelle auf einem Stich von van der Heyden 1622

Das am besten untersuchte Gebäude der Pfalz ist die romanische Kapelle. Anhand von historischen Ansichten und Grabungsbefunden konnte ein recht klares Erscheinungsbild rekonstruiert werden. Wie die meisten Pfalzkapellen hatte sie zwei Geschosse, als Baukörper eigentlich drei. Sie war dreijochig, hatte zwei kleine Seitenschiffe, zwei Apsiden und einen achteckigen Turm. Im dritten Geschoss befand sich die Schatzkammer als Aufbewahrungsort der Reichskleinodien. Der oktogonale Querschnitt des Turms wurde von der älteren Forschung auf das Vorbild der Pfalzkapelle Aachen bezogen, zumal es im Elsass in Ottmarsheim eine achteckige Kapelle aus dem 11. Jahrhundert in unmittelbarer Anlehnung an Aachen und mit Eguisheim, Guebwiller und Wangen noch drei oktogonale Stauferburgen gibt. Der von Thomas Biller rekonstruierte Grund- und Aufriss erinnert jedoch eher an byzantinische Sakralbauten; auffallende Ähnlichkeiten bestehen zudem mit der Doppelkirche St. Maria und Clemens in Schwarzrheindorf. Datiert wird die Hagenauer Kapelle in die Zeit um 1180. Wenige architektonische Fragmente wie Skulpturen und Bogenfriese, die in enger Beziehung zur Bauplastik des Wormser Doms stehen, befinden sich im historischen Museum von Hagenau.

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Biller, Bernhard Metz: Die Burgen des Elsass – Architektur und Geschichte. Band 1: Die Anfänge des Burgenbaues im Elsass (bis 1200). Herausgegeben vom Alemannischen Institut Freiburg i. Br., Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2018, ISBN 978-3-422-07439-2, S. 303–313.
  • Fritz Bouchholtz: Burgen und Schlösser im Elsass. Frankfurt am Main 1962.
  • Nicolas Mengus, Jean-Michel Rudrauf: Châteaux forts et fortifications médiévales d′Alsace. Dictionnaire d′histoire et d′architecture. La Nuée Bleue, Straßburg 2013, ISBN 978-2-7165-0828-5, S. 126–128.
  • Charles-Laurent Salch: Dictionnaire des châteaux de l’alsace médiévale. Strasbourg 1976.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaiserpfalz Hagenau – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Auf Deutsch: "Schlossstraße – Altes Kaiserschloss – Hier erhob sich die Pfalzkapelle – Wiege der Stadt Hagenau - geweiht durch den Hl. Leon IX. gegen 1035 – vergrößert durch Friedrich Barbarossa gegen 1170 bis 1184 – zerstört 1687"

Koordinaten: 48° 48′ 56,9″ N, 7° 47′ 18,3″ O