Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Juristenausbildung in Österreich

Die Juristenausbildung in Österreich bezeichnet die erforderliche Ausbildung für die Tätigkeit in juristischen Berufen in Österreich.

StudiumBearbeiten

In Österreich schließt man das Studium der Rechtswissenschaften, das eine Regeldauer von acht bzw. eine Durchschnittsdauer von mehr als zwölf Semestern hat, mit dem akademischen Grad Mag. iur. ab. Die Abschlussprüfungen werden von den Universitäten gestellt und bewertet. Ein juristisches Staatsexamen wie in Deutschland gibt es in Österreich nicht. Dieser Studienzweig wird an den rechtswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten Graz, Innsbruck, Linz, Salzburg und Wien angeboten.

Seit dem Wintersemester 2006/2007 bietet auch die Wirtschaftsuniversität Wien ein Studium des Wirtschaftsrechts an, das gemäß dem Bologna-Prozess nach sechs Semestern mit dem akademischen Grad Bachelor of Laws (WU), Kurzform: „LL.B. (WU)“,[1] oder auch nach weiteren vier Semestern (Masterstudium) mit dem Grad Master of Laws, abgekürzt „LL.M. (WU)“,[2] abgeschlossen werden kann. Die Kombination aus „LL.B. (WU)“ und „LL.M. (WU)“ berechtigt ebenso zur Ausübung eines traditionellen juristischen Berufs.[3]

Anerkennung zum RechtsanwaltBearbeiten

Um als Rechtsanwalt zugelassen zu werden, müssen laut Rechtsanwaltsordnung vorliegen eine EWR- oder die schweizerische Staatsangehörigkeit, Eigenberechtigung, Abschluss eines Studiums, das besondere Kriterien erfüllt, eine gewisse Dauer der praktischen Verwendung, die mit Erfolg zurückgelegte Rechtsanwaltsprüfung, die Teilnahme an gewissen Ausbildungsveranstaltungen und der Abschluss einer Haftpflichtversicherung.

Die "praktische Verwendung" erfolgt derzeit durch fünf Jahre juristischer Tätigkeiten, davon fünf Monate bei Gericht und 36 Monate bei einem Rechtsanwalt (im Inland); die restlichen 15 Monate können durch Assistententätigkeit, Doktoratsstudium (maximal sechs Monate) oder Tätigkeiten bei einer Behörde oder EU-Institution substituiert werden, wobei die Gesamtdauer von 60 Monaten nicht unterschritten werden darf.

Zum "Abschluss eines Studiums" hat der Oberste Gerichtshof 2014[4] festgestellt, dass ein ausländisches Studium nach Nostrifizierung zwar ein Studium des österreichischen Rechts ist, dass damit aber noch nichts über die besonderen Kriterien der Rechtsanwaltsordnung gesagt ist. Zu diesen Kriterien gehört u.A. die Erstellung einer schriftlichen Arbeit mit Schwerpunkt auf bestimmte Gebiete. Die schriftlichen Abschlussarbeiten ausländischer Universitäten werden bei der Nostrifikation meistens angerechnet; sie erfüllen aber meistens nicht die besonderen Kriterien der Rechtsanwaltsordnung weil sie ihren Schwerpunkt nicht auf einem der erforderlichen Gebiete haben.

Die Rechtsanwaltsprüfung kann an einem der vier Oberlandesgerichte abgelegt werden. Laut einer Studie der Universität Innsbruck, betreut von Peter Mayr, sinkt die Durchfallquote bei der Rechtsanwaltsprüfung am Oberlandesgericht Wien (hier werden traditionell mehr als die Hälfte der Rechtsanwaltprüfungen abgenommen) seit dem Jahr 2010 ohne Ausnahme, jedes Jahr um ca. 2 % und liegt inzwischen bei unter 10 %. Sie ist damit z.B. nicht einmal halb so hoch wie jene beim Zweiten Staatsexamen in Deutschland. Gleichzeitig werden die Noten "mit sehr gutem Erfolg bestanden" und "mit ausgezeichnetem Erfolg bestanden" einem gleich bleibenden oder sogar höheren Anteil der Kandidaten verliehen. Da das Jahr 2010 gleichzeitig jenes Jahr mit dem größten Anstieg bei der Zahl der Prüfungsantritte am Oberlandesgericht Wien ist (seither ca. zwei Drittel der österreichischen Antritte) und diese Zahl seit damals konstant hoch ist, wird wiederholt Kritik an der Rechtsanwaltsprüfung geäußert. Bei der Wahl zum Präsidenten der Rechtsanwaltskammer Wien im Jahr 2015 haben alle drei Kandidaten[5] eine Reform der Rechtsanwaltsprüfung angekündigt.

EinzelnachweiseBearbeiten