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Johannes Nitzsche

deutscher Techniker und Kinopionier

Johannes Nitzsche (* 21. November 1879 in Leipzig; † 17. Januar 1947 in Leipzig-Dösen) war ein deutscher Konstrukteur und Hersteller von Filmprojektoren.

Johannes Nitzsche sammelte bereits als angestellter junger Techniker in Leipzig Erfahrung im Umgang mit dem noch neuen Medium Kino. 1903 machte er sich selbständig und brachte mit dem Vitagraph seinen ersten, selbst konstruierten 35-Millimeter-Filmprojektor auf den Markt. Nitzsche gründete einen Filmverleih und war Pächter mehrerer Leipziger Kinos. Mit den Projektoren Saxonia (1907) und Matador (1911) brachte Nitzsche erstklassige Geräte auf den Markt, die nationale und internationale Verbreitung fanden. Das Unternehmen vergrößerte sich, und zog innerhalb Leipzigs 1917 mit Filmverleih und Projektorenbau in die Karlstraße um. 1921 erfolgte die Gründung der Nitzsche Apparatebau AG. Die wirtschaftlich schwierige Inflationszeit konnte durch gute Ergebnisse im Auslandsgeschäft überwunden werden. Weitere Einkunftsquellen bot der Spielfilmverleih, der zunächst als eigener Betrieb geführt wurde, dann aber mit der Nitzsche Apparatebau AG zur Nitzsche AG – Kinematographen und Filme fusionierte. 1926 geriet das Unternehmen in große Schwierigkeiten, konnte sich aber fangen. Mit der Gründung der Zeiss Ikon AG bekam Nitzsche sehr starke Konkurrenz aus dem benachbarten Dresden, der man mit verstärkten Auslandsaktivitäten begegnete. Das Unternehmen konnte nochmals wachsen, bis 1931 ausbleibende Zahlungen Probleme brachten, die durch ein wegbrechendes Auslandsgeschäft verstärkt wurden.

Der Konkurrent Zeiss Ikon erwarb 1933 schließlich die Nitzsche AG. Johannes Nitzsche schied aus dem Unternehmen aus. Der Projektorenbau – vorwiegend die neuentwickelten Typen Matador I und II – ging dort bis 1936 weiter, wurde aber anschließend zugunsten des Baus von feinmechanischem Gerät (Kreiselkompassen etc.) aufgegeben. 1938 verkaufte die Zeiss Ikon ihre Aktien der Nitzsche AG an die Kieler Anschütz & Co GmbH. 1945 erfolgte die Enteignung des 1943 in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) umgewandelten Betriebes, der an die VEB Medizintechnik angegliedert wurde. Johannes Nitzsche reparierte ab 1935 zum Broterwerb in einer neu gegründeten Werkstatt Projektoren und andere Kinotechnik. Er starb 1947 und sein Sohn Hans Nitzsche übernahm die Werkstatt, die er auch nach Umwandlung in eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH, in den 1950er-Jahren) weiterführte und in der als letzter Projektortyp bis etwa Anfang 1952 der Bildwerfer Matador 1B in geringer Stückzahl gebaut wurde.

ProdukteBearbeiten

  • Vitagraph
  • Saxonia I–V
  • Kinino
  • Castor
  • Reform
  • ZSV Doppelmaschine
  • Matador, II und IB

LiteraturBearbeiten

  • Ralph Nünthel: Johannes Nitzsche. Kinematographen & Films, Die Geschichte des Leipziger Kinopioniers, seiner Unternehmen und seiner Technik. Sax-Verlag, Beucha 1999, ISBN 3-930076-85-3.
  • Herbert Tümmel: Deutsche Laufbildprojektoren für 35- und 70-mm-Film. Ein Katalog. Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin 1986.