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Der iranische Religionsführer Chamenei trifft Studenten des Ghom-Seminars; im Hintergrund das Bild des vorigen Staatsoberhauptes Chomeini

Die Theologische Hochschule von Ghom, auch bekannt als Feiziyye, ist die wichtigste schiitische theologische Hochschule (Hawza) im Iran. Sie liegt in der zentraliranischen Stadt Ghom (Qom), 140 Kilometer südwestlich von Teheran. Neben der Hawza von Ghom liegt der Schrein der Fatima Masuma,[1] der Schwester des achten schiitischen Imams Ali ibn Musa ar-Rida (gest. 818).

Nach der Theologischen Hochschule der Stadt Nadschaf im Irak gilt Ghom als die zweitwichtigste religiöse Ausbildungsstätte der Schiiten.[2]

Sie wurde ursprünglich 1533[3] nach dem Tode Schah Ismails in der Zeit der Safawiden (1501–1722) gegründet und später nach dem bekannten schiitischen Theologen Muhammed Muhsin Faiz Kaschani (1598/9–1680), bekannt als Mullah Muhsin Faiz[4] benannt, der dort studierte hatte und später dort lehrte.

Durch den Zustrom schiitischer Gelehrter nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde diese schiitische Bildungsstätte wiederbelebt und erweitert unter der geistigen Führung und administrativen Aufsicht von Ajatollah Abdolkarim Haeri Yazdi (1859–1937).[5] Seitdem ist es ein wichtiges schiitisches Wissenschaftszentrum.[6]

Im Jahr 1963 war die Theologische Hochschule der Schauplatz von Unruhen im Iran zwischen staatlichen Sicherheitskräften und Demonstranten. Im März 1963 wurde das Feyzieh-Seminar von schahtreuen Schlägern angegriffen, wobei drei Seminaristen zu Tode kamen.[7] Die Unruhen und die Reaktionen darauf führten letztendlich zu Ajatollah Chomeinis Verhaftung und schließlich zu seiner Verbannung aus dem Land. Er predigte hier die welāyat-e faqih („Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“).[8]

Der ehemalige iranische Staatspräsident Rafsandschani erhielt hier seine Kleriker-Ausbildung.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise und FußnotenBearbeiten

  1. Fatima bint Musa (gest. 816 oder 817) die Tochter des siebten und Schwester des achten Imams der Zwölferschiiten.
  2. Dem Spiegel (2003) zufolge studierten über 50.000 Geistliche aus verschiedenen islamischen Ländern in der Stadt. - spiegel.de: Iran: Urlaub auf der Achse des Bösen (Felix Göpel) - Der französische Wikipedia-Artikel (Séminaires de Qom) spricht von 70,000 élèves.
  3. Halm, S. 91
  4. vgl. z. B. محسن فیض کاشانی
  5. „Erst unter der Leitung des Gelehrten Ayatollah 'Abd al-Karim Ha'iri Yazdi und seinen Nachfolgern vermochte Qum zu einer Konkurrenz für das irakische Najaf zu werden. Ha'iri leitete von 1922 bis 1937 die bekannteste schiitische Wissensstätte „Madrasa-ye Feiziyye“, an der auch Khomeini studieren und lehren sollte.“ Aus: Semiramis Akbari: Iran zwischen amerikanischem und innenpolitischem Druck (2004) PDF-Datei
  6. Mohsen Kadivar aus Teheran, nach: DIE ZEIT 1994/38
  7. Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser, Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), S. 212 f.
  8. Zu den Unruhen im Iran vgl. auch Yann Richard und Nikki R. Keddie: Modern Iran: Roots and Results of Revolution. Yale University Press 2006 (Auszug in der Google-Buchsuche)
Theologische Hochschule von Ghom (Alternativbezeichnungen des Lemmas)
Madrasa Faiziya: Madrasa Faiziyya; Madrasa-y Faiziyeh; Al-Faidiyya; Madrasa-ye Feiziyye; juristisch-theologische Hochschule in Qom; Theologischen Hochschule von Qum; theologisches „Wissenschaftszentrum“, die Hawza, von Qom; islamisch-theologische Hochschule [houze-ilmi-qom]; Islamisch-theologische Hochschule von Qom; Theologische Hochschule von Qum; Theologische Hochschule von Qom; Theologische Hochschule von Ghom

Koordinaten: 34° 38′ 28,9″ N, 50° 52′ 48,1″ O