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Die International Coach Federation, Inc., (ICF)[1] ist ein internationaler Coaching-Verband und ist mit über 25.500 Mitgliedern der weltweit größte Coaching-Verband. Die ICF setzt sich weltweit für eine Professionalisierung von Coaching ein, akkreditiert Ausbildungsgänge zum Coach und zertifiziert Coaches.

International Coach Federation
Rechtsform Non-Profit-Organisation
Gründung 1995
Ort Lexington (Kentucky)
Geschäftsführer Dave Wondra
Mitglieder über 25.500 (Stand: März 2015)
Website www.coachfederation.org

Inhaltsverzeichnis

Ziele und AktivitätenBearbeiten

Die ICF setzt sich für eine Professionalisierung des Coachings ein. Die ICF stellt Mindestanforderungen an potentielle Mitglieder im Hinblick auf nachzuweisende Ausbildung und Erfahrung, hält für seine Mitglieder verpflichtende Ethik-Richtlinien vor,[2] definiert vorgegebene Kernkompetenzen eines Coach[3][4] und führt Zertifizierungen durch.[5] Nach eigenen Angaben stellt die ICF-Zertifizierung, die seit 1998 durchgeführt wird, die international am weitesten verbreitete und zugleich die einzige weltweit anerkannte Coaching-Zertifizierung dar. Die Zertifizierung setzt keine Mitgliedschaft voraus.[6]

Die ICF definiert Coaching als „partnerschaftlichen und anregenden Prozess, der Menschen und Organisationen kreativ dabei unterstützt, ihr persönliches und professionelles Potential zu steigern.“ Coaching-Klienten werden als Experten ihres eigenen Lebens gesehen. ICF-Coachs arbeiten auf der Basis der Überzeugung, dass der Klient über genügend Ressourcen verfügt, seine Ziele eigenverantwortlich zu erreichen.[6]

ZertifizierungenBearbeiten

Aktuell gibt es knapp 15.000 ICF-zertifizierte Coachs (Stand: März 2015).[6]

Die ICF führt Zertifizierung auf drei Niveaus durch: Associate Practitioner, Professional Practitioner und Master Practitioner. Für jedes Zertifizierungsniveau ist festgelegt, wie jede der elf ICF-Kernkompetenzen eines Coaches in den Fähigkeiten und dem Coaching-Verhalten des Kandidaten erkennbar zu sein hat.[7] Die Niveaus unterscheiden sich in den Kriterien betreffend der Stundenmindestzahl an anerkannter Ausbildung, an Mentoring durch andere Coachs und an eigener Erfahrung als Coach (bzgl. Erfahrung ggf. unterschieden nach bezahlten und pro bono Stunden) und betreffend der Mindestzahl an Klienten sowie in der Art der Prüfung und der Höhe der Prüfungsgebühr.[5][8]

Mitgliedschaft im VerbandBearbeiten

Die ICF hat weltweit über 25.500 Mitglieder (Stand: März 2015).[6]

Voraussetzung für eine Einzelperson, Mitglied zu werden, ist, dass sie durch den ICF zertifiziert ist oder aber 60 ICF-anerkannte Coaching-Ausbildungsstunden absolviert hat oder gegenwärtig absolviert.[9][10] Zudem spielen die berufliche Tätigkeit und die Erfahrung als Coach eine Rolle; gegebenenfalls erfolgt vor der Aufnahme ein persönliches Interview.

Programm für gegenseitiges CoachingBearbeiten

2005 wurde in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Brisbane ICF Chapters in Australien ein Programm für gegenseitiges Coaching initiiert (Peer Coaching, auch Reciprocal Peer Coaching und anfangs Contra coaching genannt), bei dem Coaches und Coachees über die Plattform ReciproCoach vermittelt werden. Dieses gegenseitige Coaching funktioniert wie in einem Tauschkreis: für erbrachte Coaching-Leistungen erhält der Coach die Möglichkeit, selbst bei einem anderen Coach entsprechende Leistungen zu erhalten. Die ICF koordiniert den Prozess, vermittelt die Teilnehmer untereinander und wertet ihr Feedback aus. Diese Dienstleistung waren zunächst für ICF-Mitglieder kostenfrei, aber inzwischen erhebt die ICF hierfür von allen Teilnehmern eine Gebühr.[11]

VerhaltenskodexBearbeiten

Die ICF und der European Mentoring and Coaching Council (EMCC) einigten sich im Juni 2011[12] auf den „Code of Conduct for Coaching and Mentoring“, einen gemeinsamen Verhaltenskodex für praktizierende Coaches und Mentoren und ihre jeweiligen Branchenverbände.[13] Der Kodex dient der Selbstregulierung (Selbstverpflichtung) der Branche und umfasst Richtlinien zur Festlegung professioneller und ethischer Standards für die Berufspraxis. Er wurde im Juli 2011 als „Professional Charter for Coaching and Mentoring“[14] in die von der Europäischen Kommission und dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss betriebene europäische Datenbank für Selbst- und Koregulierungsinitiativen eingereicht[15] und dort im September 2011 aufgenommen.[16] Der Kodex stellt die erste derartige Initiative auf europäischer Ebene dar. Er wurde seitdem von zwei weiteren Coaching-Verbänden unterschrieben: der Association for Coaching (Juli 2012) und der Association Française de Coaching (Januar 2013).[14]

Der vom Kodex gesteckte Rahmen stellt Anforderungen an die Professionalität und die Qualität eines Coaches und soll zugleich die Methodenvielfalt erhalten. Aus Sicht von ICF Deutschland erleichtert der Kodex mit den vorgegebenen Anforderungen vor allem den Klienten von Coaching, ob in Unternehmen oder im privaten Umfeld, die Auswahl professionell arbeitender Coaches.[17]

Richtlinien für Coaches und Mentoren

Die Richtlinien definieren für Coachs und Mentoren genaue Anforderungen hinsichtlich Kompetenz und Ausbildung, kontinuierlicher beruflicher Fortbildung und Ethikstandards für die Berufsausübung.

Richtlinien für Berufsverbände

Die Richtlinien für Berufsverbände umfassen Anforderungen hinsichtlich

  • der Sicherstellung der Verbindlichkeit von Ethikstandards für alle Mitglieder,
  • der Festlegung von Disziplinar- und Beschwerdeverfahren für ethische Fragen und eventuelle Konfliktfälle und
  • der Aufstellung eines unabhängigen Organs für die Beobachtung und Sanktionierung von Verstößen gegen den Verhaltenskodex.

Dem Verhaltenskodex angehängt sind die zum Beschlusszeitpunkt gültigen Fassungen der Kompetenzrahmen beider Verbände (die nach vier Niveaus aufgeteilten acht Kategorien von Kompetenzen für Coaches und Mentoren aus Sicht des EMCC und die elf ICF-Kernkompetenzen von Coaches aus Sicht des ICF) sowie ihre jeweiligen Ethikrichtlinien.

GeschichteBearbeiten

Die ICF wurde 1995[18] durch Thomas Leonard in den USA gegründet. Ursprünglich war die ICF hauptsächlich auf Nordamerika ausgerichtet.[19] Eigenen Angaben zufolge ist sie mit mehr als 25.500 Mitgliedern in 128 Ländern (Stand: März 2015[6]) die größte Non-Profit-Vereinigung professioneller Coachs.[6][20]

Leonard gründete später auch CoachVille und einen weiteren Coaching-Verband, die International Association of Coaches (IAC).

Struktur des VerbandesBearbeiten

Die ICF wird durch einen gewählten Vorstand geleitet.[21] Für 2015 ist Dave Wondra Präsident und Vorstandsvorsitzender der ICF.[22]

Die ICF hat zahlreiche regionale Sektionen, Chapters genannt; einige davon führen in mehreren Städten Veranstaltungen durch.[23]

ICF DeutschlandBearbeiten

ICF Deutschland besteht seit 2001 und hat derzeit circa 350 Mitglieder.[6]

ICF Deutschland versteht den Verhaltenskodex von ICF und EMCC „auch als Einladung an andere Coaching-Berufsverbände in Deutschland, sich der freiwilligen Selbstregulierung anzuschließen und ihre Mitglieder im gleichen Maße in die Pflicht zu nehmen, wie die ICF und der EMCC dies tun.“[17]

ICF FoundationBearbeiten

Die ICF Foundation ist eine vom ICF getrennt aufgestellte Stiftung. Sie dient den Zwecken der Einrichtung und Aufrechterhaltung einer Freiwilligenarbeit mit pro bono Coaching-Angebote durch professionelle Coachs, der Förderung von Forschung und von Studien zum Coaching, der Gewährung von Stipendien und weiteren Zwecken. Rückwirkend zum 21. März 2005 wurde die ICF Foundation in den Vereinigten Staaten als steuerbefreit anerkannt. Im Mai 2007 führte die ICF Foundation im Auftrag einer humanitären Organisation Telefoncoachings durch; die Einnahmen aus dieser Aktivität flossen der ICF Foundation zu. Im Januar 2008 erhielt das Präsidium den Auftrag, einen Stiftungsrat einzusetzen.[24]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bylaws - About - ICF. In: coachfederation.org. Abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Werte und Ethik. ICF Deutschland; abgerufen am 29. März 2015.
  3. Sunny Stout-Rostron: Business Coaching International: Transforming Individuals and Organizations. Karnac Books, 31. Dezember 2009; abgerufen am 2. Dezember 2013. Seiten 69–70, ISBN 978-1-78049-371-8
  4. Zertifizierungen der ICF. ICF Deutschland; abgerufen am 2. Dezember 2013.
  5. a b Zertifizierung. ICF Deutschland; abgerufen am 2. Dezember 2013.
  6. a b c d e f g Homepage. ICF Deutschland; abgerufen am 2. Dezember 2013.
  7. Core competencies table. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  8. Individual Credentialing. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  9. Membership eligibility requirements. ICF; abgerufen am 12. Februar 2013 (englisch).
  10. Renew membership. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  11. Coaching von Coach zu Coach: Wer oder was ist ReciproCoach? ICF; abgerufen am 24. Mai 2014.
  12. Code of Conduct for Coaching and Mentoring. ICF Schweiz, Juni 2011; abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF, englisch).
  13. Newsletter der ICF. In: Nr. 04/2011. ICF Deutschland, ; abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF).
  14. a b Professional Charter for Coaching and Mentoring. In: Europäische Datenbank für Selbst- und Koregulierungsinitiativen. Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss; abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF, englisch).
  15. Coaching moves to self-regulate. 5. Juli 2013; abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF, englisch).
  16. European Mentoring and Coaching Council (EMCC) and International Coach Federation (ICF) and others, The Professional Charter for Coaching and Mentoring, June 2011, Datenbank für Selbst- und Koregulierungsinitiativen (eingereicht 8. September 2011, zuletzt geändert 7. Januar 2013), aufgerufen 24. September 2013
  17. a b EU erkennt gemeinsamen ICF- und EMCC-Verhaltenskodex offiziell an. In: Pressemitteilung. ICF Deutschland; abgerufen am 2. Dezember 2013 (PDF).
  18. History. ICF; abgerufen am 24. November 2013 (englisch).
  19. „The organization was initially geared toward North America but now has members in more than 100 countries.“ FAQs. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  20. Gesa Krämer, Kirsten Nazarkiewicz: Handbuch Interkulturelles Coaching: Konzepte, Methoden, Kompetenzen kulturreflexiver Begleitung. Vandenhoeck & Ruprecht, 2012, ISBN 978-3-525-40340-2, S. 30 (Online).
  21. „ICF is a nonprofit membership organization led by a member-elected Board of Directors that oversees the organization's affairs. Paid staff members follow the leadership's direction and carry out its day-to-day work.“ FAQs. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  22. 2013 ICF Board of Directors. ICF; abgerufen am 10. November 2013 (englisch).
  23. Find a chapter. ICF; abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).
  24. About ICF Foundation. Abgerufen am 2. Dezember 2013 (englisch).