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Das Information Council in the Environment (ICE) war eine primär von Energieunternehmen gegründete und finanzierte politische Frontgruppe, deren Aufgabe es war, den wissenschaftlichen Forschungsstand bezüglich der menschengemachten Erderwärmung zu bestreiten. Sie gab sich nach außen als unabhängig aus und ermöglichte es den hinter ihr stehenden Unternehmen, durch sie den Klimawandel zu leugnen.[1] In der wissenschaftlichen Literatur wird sie sowohl als industriefinanzierte Astroturfing-Gruppe[2] als auch als Greenscamming-Organisation der Kohlebranche beurteilt.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und WirkenBearbeiten

Gegründet wurde das ICE im Jahr 1991 von verschiedenen Unternehmen vor allem aus der Kohle- und Energieversorgungsbranche. Unter anderem waren die National Coal Association, die Western Fuels Association und das Edison Electric Institute beteiligt. Unterstützt wurde das ICE dabei durch die drei Wissenschaftler Patrick Michaels, Robert Balling und Sherwood Idso, die ebenfalls die globale Erwärmung bestreiten. Gemeinsam begannen sie eine Medienkampagne, die das Ziel hatte, die menschengemachte globale Erwärmung in Abrede zu stellen.[4]

Da interne Dokumente an die Öffentlichkeit gelangten, ist vergleichsweise viel über die Strategie hinter der Kampagne des ICE bekannt. Diese umfasst unter anderem folgende Kernanliegen und Maßnahmen[5]:

  • Umdeuten der globalen Erwärmung als Theorie (nicht Fakt) („Reposition global warming as theory (not fact)“)
  • Fokussierung auf die Zielgruppe Presse und Radio für maximale Effektivität („target print and radio media for maximum effectiveness“)
  • Erreichen einer breiten Beteiligung in der gesamten Elektrizitätsversorgungsbranche („achieve broad participation across the entire electric utility“)
  • Nutzung von Sprechern aus der wissenschaftlichen Gemeinschaft („use a spokesman from the scientific community“)

Nachdem die Absichten der Organisation an die Presse geleakt worden waren und damit öffentlich bekannt waren, löste sich das ICE auf.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Naomi Oreskes: My facts are better than your facts, in: Peter Howlett, Mary S. Morgan (Hrsg.), How Well Do Facts Travel? The Dissemination of Reliable Knowledge. Cambridge University Press 2011, 136–166, ISBN 978-0-521-19654-3.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karin Edvardsson Björnberg u. a.: Climate and environmental science denial: A review of the scientific literature published in 1990–2015. In: Journal of Cleaner Production. Band 167, 2017, S. 229–241, doi:10.1016/j.jclepro.2017.08.066.
  2. David L. Levy, Daniel Egan: A Neo-Gramscian Approach to Corporate Political Strategy: Conflict and Accommodation in the Climate Change Negotiations. In: Journal of Management Studies. Band 40, Nr. 4, 2003, S. 803–829, doi:10.1111/1467-6486.00361.
  3. Haydn Washington, John Cook: Climate Change Denial. Heads in the Sand. Earthscan 2011, S. 75.
  4. a b Riley E. Dunlap, Aaron M. McCright: Organized Climate Change Denial. In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (Hrsg.): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford University Press, 2011, S. 144–160, S. 150.
  5. Myanna Lahsen: Technocracy, Democracy, and U.S. Climate Politics: The Need for Demarcations. In: Science, Technology, & Human Values. Band 30, Nr. 1, 2005, S. 137–169, doi:10.1177/0162243904270710.