Im Hotel zur grünen Wiese

Foxtrottschlager

Im Hotel zur grünen Wiese lautet der Kehrreim des deutschen Textes, den Fritz Löhner unter seinem Künstlernamen Beda 1923 zu einem Foxtrott des dänischen Komponisten Edvard Brink[1] dichtete. Bekannt wurde die Komposition unter dem schwedischen Titel Jazzgossen[2] ; sie erschien 1922 im Nordiska Musikförlaget, vormals Wilhelm Hansen, Kopenhagen.[3] In Deutschland kam sie noch im gleichen Jahr beim Wiener Bohème-Verlag Berlin-Leipzig-Wien heraus.

HintergrundBearbeiten

Laut Hinweis auf dem Notentitel der deutschen Ausgabe[4] hatte der Wiener Klavierhumorist Hermann Leopoldi das Lied in seinem Repertoire. Und noch ein Jahrzehnt später zitierte es der Münchner Volkssänger Weiß Ferdl in seinem humoristischen Vortrag über “Schlager aus alter und neuer Zeit”.[5]

Das Lied gehörte ursprünglich zu der Programmnummer Kamaeleonen (Chamäleon) in der Fønixrevyen[6] von 1922 und hieß dort "En lille rystedans" (ein kleiner Schütteltanz[7]) ; den dänischen Originaltext verfasste Alfred Kjærulf.[8]

Der schwedische ‘Revuekönig’ Karl Gerhard schrieb auf die Melodie Jazzgossen einen eigenen Text, mit welchem er das Lied im Hotel Continental zu Stockholm am 4. September 1922 für die Skandinaviska Grammophon aufnahm.[9] Er verwendete es auch in der Sommer-Revue Ställ er i kön (In der Warteschlange stehen) von 1922 im Stockholmer Folkteatern. Es wurde so etwas wie seine Kennmelodie.

Noch 1958 entstand um die Melodie ein Tonfilm mit dem Titel Jazzgossen, in dem Gerhard mitwirkte und das Lied vortrug.[10]

Das Lied wurde nicht nur in Dänemark und Schweden populär, sondern auch in Belgien, Großbritannien und in der Sowjetunion. In Amerika sang der Tenor Harry Steier bei der Victor Talking Machine Company in Camden N.J. am 4. Oktober 1923 eine deutsche Fassung des Liedes Jazzgossen auf Grammophonplatte. Der Jazzpianist Bengt Hallberg coverte den Song mehrmals.[11]

Deutscher TextBearbeiten

(1)

Sie ist die Tochter des Hauses,

und er ein junger Narceur.

Er läuft herum

im Dining Room

„Bitte schön!“ „Bitte, gleich!“ „Bitte sehr!“...

Doch wenn die letzten der Gäste

verlassen haben den Saal,

nimmt Theodor die Geige vor,

und verweist das Personal:

  • -Kehrreim:

Im Hotel zur grünen Wiese,

da spielt der Theodor

seiner kleinen süßen Liese

die schönsten Lieder vor.

Wenn er streicht die Violine

am hohen C ...

summt sie so wie eine Biene

im grünen Klee!

Im Hotel zur grünen Wiese...

(2)

Wenn Lieschen mal ganz allein war,

rief sie den Theodor her.

Er kam gerannt

und rief galant

„Bitte schön!“ „Bitte, gleich!“ „Bitte sehr!“...

Sie spielten gerad' so zum Tango

in einem lauschigen Eck' -

da kam Papa nach Haus und sah

zu seinem größten Schreck:


Im Hotel zur grünen Wiese...

NotenausgabenBearbeiten

  • Im Hotel zur grünen Wiese. Foxtrot. Brink, Edvard. Wien u. a. : Wiener Boheme-Verlag, © 1922. - 3, S. 26x34 mit farblithographierter Titelillustration von Otto Dely.[4]
  • Edvard Brink: Im Hotel zur grünen Wiese - Noten für Gesang und Klavier. UFA Musikverlage Best-Nr.: UFA14465
  • Edvard Brink: Jazz-gossen (En lille Rystedans) - Nordiska Musikförlaget Pub. No.: 18032, Stockholm 1922. Titelillustration von Eric Nordin[12]

TondokumenteBearbeiten

  • worldcat.org Polyphon 31 109 (2-27 746 L / mx. 2115 ar) Im Hotel zur grünen Wiese. Fox-trot von Edvard Brink. Tanz-Orchester Metropol
  • YouTube Star-Record 5860 (mx. 5860) Im Hotel zur grünen Wiese. Foxtrot (Bring) [sic]. Jazz-Band-Kapelle, Kapellmeister Bernard Etté vom Alten Boston-Club, Berlin. Berlin, ca. Ende 1922 oder Anfang 1923[13]
  • YouTube Beka 32 050, auch B.3634 (Matr. 32050)(566) Walter Herrling, Tenor mit Bohème-Orchester, aufgenommen in Berlin, 15. März 1923[14]
  • YouTube CRG X 1486 (Matr. Bb 1285-2) Orkester Moderne: En lille Rystedans (Jazzgossen) [Edvard Brink], rec. Hayes, Middlesex, England, May 5 1922.[15]
  • ucsb.edu Victor 77 362 (matrix B-28 632) Harry Steier, male vocal solo, with orchestra. Ted Levy, conductor. Recorded 4. Oktober 1923 in Camden, New Jersey.
  • YouTube En lille Rystedans (Jazzgossen) [Edvard Brink] Erik Tuxen og hans Orkester. (Swing-Bearbeitung von Leo Mathiesen, aufgenommen 1934)
  • Aufnahme im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek: DNB 381033244

LiteraturBearbeiten

  • Tim Brooks: Lost Sounds: Blacks and the Birth of the Recording Industry, 1890–1919. University of Illinois Press, 2004.
  • Timothy Cresswell: On the Move: Mobility in the Modern Western World. Verlag Routledge, 2012, ISBN 978-1-136-08322-8, S. 123 f.
  • Friedrich Wolfgang Koebner: Jazz und Shimmy. Brevier der neuesten Tänze. Eysler, Berlin 1921.
  • Astrid Kusser: Körper in Schieflage: Tanzen im Strudel des Black Atlantic um 1900. transcript Verlag, 2014.
  • Hans-Jürgen Schaal: Spiel den Shimmy! online auf: Hjs-jazz.de, 2011, 2014.
  • Carolin Stahrenberg: Hot Spots von Cafe bis Kabarett: musikalische Handlungsräume im Berlin Mischa Spolianskys 1918–1933. Waxmann Verlag, 2012, ISBN 978-3-8309-7520-5, S. 145, Anm. 87.
  • Christian Zwarg: PARLOPHON Matrix Numbers — 30173 to 34999: German. PDF

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Brink wurde 1883 in Kopenhagen geboren, war Kapellmeister und Komponist von Tanz- und Revuemusik, und starb erst 1970. Er liegt auf dem Friedhof in Frederiksberg, einem Stadtteil von Kopenhagen, begraben, vgl. sv.wiki und gravsted.dk.
  2. Auf deutsch etwa “Jazz-Jungs”.
  3. Der Musikverlag unterhielt Filialen in Leipzig, Stockholm und Helsinki, vgl. htwk-leipzig.de (Memento vom 26. Februar 2016 im Internet Archive).
  4. a b abgeb. bei Schlick.ch (aufgerufen am 13. November 2015)
  5. auf Telefunken A 1259, Matr. 18772 + 18773 : Schlager alter und neuer Zeit (Weiß-Ferdl) - Weiß-Ferdl mit Orchesterbegleitung
  6. Revue des Fønix Teatret, eines Kabaretts in Kopenhagen, bestand von 1918 bis 1938, vgl. danskfilmogteater.dk
  7. das Schütteln bezieht sich auf die Exekution des damals aus Amerika gekommenen Modetanzes Shimmy, vgl. engl. Texte wie You Cannot Shake That Shimmie Here von Wells, Van & Schenck. Notentitel abgeb. bei duke.edu ; vgl. dazu Brooks S. 407, Cresswell S. 131, Kusser S. 33, 52, 82, 91, 153, 190, 321, 399, 401, 406, 414 sowie Schaal 2011: Der Tanz der Saison 1921/22 war der Shimmy, bei dem sich der Tänzer schüttelt, „als wolle er ein nasses Hemd abstreifen“.
  8. vgl. Danskfilmogteater (Memento des Originals vom 26. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.danskfilmogteater.dk, 1922 im Fønix Teatret vorgetragen von Soffy Damaris.
  9. Concert Record Gramophone X 1581 (Matrisnummer BE 627-1), vgl. Svensk Mediedatabas : Jazzgossen / sjunget af Karl-Gerhard. Hörprobe (0.51') bei youtube
  10. svensk-filmdatabas : Jazzgossen (1958), Regi: Hasse Ekman. Längd i meter: 2855, Längd i minuter: 104, Akter: 6. Liedvortrag anzuhören bei youtube, dort auch Gerhards schwedischer Text.
  11. Tom Lord: Jazz Discography (online)
  12. Notentitel abgeb. bei imagesmusicales.be (retrieved 28. Februar 2016)
  13. vgl. dazu 'Grammophonteam' bei grammophon-platten.de; dort auch Abbildung des labels
  14. vgl. Zwarg, PARLOPHON Matrix Numbers — 30173 to 34999: German, S. 241.
  15. vgl. Svensk Mediedatabas : Björn Jakobsson's Record Collection