Hochschulschrift

wissenschftliche Schrift / Dissertation

Als Hochschulschriften werden im deutschsprachigen Raum Schriften bezeichnet, die als "Bestandteil einer Hochschulprüfung und zur Erlangung eines akademischen Grades" verfasst wurden. Dazu gehören: Bachelorarbeiten, Diplomarbeiten, Masterarbeiten, Magisterarbeiten, Lizenziatsarbeiten, Dissertationen und Habilitationsschriften. In einem Verlag erschienene Ausgaben werden bibliografisch genauso behandelt wie „echte“ Hochschulschriften (ohne Verlag oder verlegende Körperschaft – dann unter Angabe der Hochschule)[1][2] Unter "echten" Hochschulschriften versteht man die Arbeiten, wie sie zur Prüfung eingereicht werden. Häufig werden Dissertationen (und Habilitationen) zu einem späteren Zeitpunkt in einem Verlag publiziert.[3]

Nicht alle Hochschulschriften müssen publiziert und können damit bibliografisch erfasst werden. Dies regeln die jeweiligen Prüfungsordnungen der Hochschulen. In Österreich schreibt das Universitätsgesetz 2002 vor, dass die Arbeit veröffentlicht werden muss – bei Diplomarbeiten ist ein gedrucktes Exemplar in der Universitätsbibliothek aufzustellen.[4] Die Mindestzahl der Publikationsexemplare für Dissertationen regelt ebenfalls die jeweilige Prüfungsordnung. Bei Selbstpublikation muss die Anzahl der Pflichtexemplare (60 oder 80 Stück) der Hochschule bzw. Universitätsbibliothek zur Verfügung gestellt werden. Sie wird für Nachwuchswissenschaftler, die eine Hochschulkarriere anstreben, nicht empfohlen. Bei Druck und Vertrieb durch einen Verlag ist auf die in der Promotionsordnung festgelegte Mindestzahl der Exemplare zu achten, die häufig 150 Stück beträgt. Davon ist eine Zahl an Belegexemplaren (zwischen 3 und 10) beim Dekanat bzw. Prüfungsamt zu hinterlegen. Eine Variante davon ist Book-on-Demand – das Buch wird erst gedruckt, wenn Interessenten vorhanden sind und die Lagerkosten werden dadurch verringert. Wird ein Verlag genutzt, erhält die Arbeit eine ISBN und ist über den Buchhandel vom Verlag erhältlich. Wenn die Promotionsordnung das zulässt, kann die Publikation auch in elektronischer Form erfolgen.[5] Für Habilitationsschriften gelten andere Regelungen, eine allgemeine Publikationspflicht besteht nicht.

Dissertationen und Habilitationsschriften werden zunehmend online publiziert. Auf den sogenannten Hochschulschriftenservern (auch Repositorien genannt) der Hochschulbibliotheken werden häufig auch andere wissenschaftliche Arbeiten bereitgestellt.[6][7]

DeutschlandBearbeiten

Hochschulbibliotheken liefern Dissertationen und – soweit sie sie erhalten – Habilitationsschriften bei der Deutschen Nationalbibliothek ab, die sie in ihrer Reihe H registriert: Reihe H – Hochschulschriften. Dissertationen und Habilitationsschriften deutscher Hochschulen und deutschsprachige Dissertationen und Habilitationsschriften des Auslandes, unabhängig von ihrer Erscheinungsform. Hauptteil mit Register, erscheint monatlich (DNB-Website). Die online abgelieferten Hochschulschriften sind als Netzpublikationen mit ihren Metadaten im OPAC der Deutschen Bibliothek aufzufinden.

LiteraturBearbeiten

  • Günther Pflug: Hochschulschriften (HSS), in: Severin Corsten (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens, Band 3: Fotochemigrafische Verfahren – Institut für Buchmarktforschung, 2. Auflage, Hiersemann, Stuttgart 1991, ISBN 3-7772-8527-7, S. 490.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Hochschulschriften – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1 Definition / Allgemeines, In: Hochschulschriften nach RDA D-A-CH, Stand: 12. Mai 2020, PDF-Datei, S. 2 von 20 Seiten, online unter k10plus.de
  2. Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen: Sie suchen eine Dissertation oder eine andere Hochschulschrift. Begrifftsklärung, online unter sub.uni-goettingen.de
  3. Heidrun Wiesenmüller, Silke Horny: Basiswissen RDA: Eine Einführung für deutschsprachige Anwender Waklter deGruyter 2017, S. 93
  4. Veröffentlichung und Sperre Information der Universität Wien, siehe auch §86 Universitätsgesetz
  5. Ansgar Nünning: Handbuch Promotion: Forschung – Förderung – Finanzierung Springer 2007 S. 72f.
  6. Liste der Repositorien der Deutschen Initiative für Netzwerkinformation
  7. Der freie Zugang zu wissenschaftlicher Information: Repositorien auf open-access.net