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Hemiole

Bei einer Hemiole (griechisch ἡμιόλιος, hēmiólios „anderthalb“) werden, oft durch synkopische Überbindung, zwei Dreiertakte durch einen großen Dreiertakt überlagert, wobei eine Umdeutung von 2 × 3 Viertelschlägen der beiden Dreiertakte zu 3 Halbeschlägen des großen Dreiertaktes stattfindet.[1]

Beispiel einer Hemiolenbildung: [2]
1. Zeile: Notation. 3. Takt: Die Überbindung, die zur Hemiolenbildung führt.
2. Zeile: Erzielte Wirkung. 3. Takt: Die Hemiole mit den drei Halbenoten. Hemiole.JPG

Die neue Taktgliederung und der veränderte Rhythmus haben die Wirkung einer Verbreiterung (ritardando). Dieser Effekt findet sich oft in Barock-Kadenzen, besonders bei Phrasenabschlüssen in Tanzsätzen. Hemiolen sind auch im 6/4- oder 6/8-Takt möglich.

In der Mensuralnotation wurde eine Hemiole häufig durch Kolorierung bzw. Notenschwärzung gekennzeichnet im damals üblichen 3/1-Takt (die Kennzeichnung 3/2 ist in diesem Fall keine Taktbezeichnung). In späteren Zeiten unterblieb die Kennzeichnung der Hemiole.
Hemiola.jpg

LiteraturBearbeiten

  • Wilibald Gurlitt (Hrsg.): Riemann-Musiklexikon. 12. Aufl. Sachteil. Artikel Hemiole. Schott Verlag, Mainz 1961.
  • Clemens Kühn: Musiklehre. Grundlagen und Erscheinungsformen der abendländischen Musik (= (im Laaber Verlag): Musik-Taschenbücher Theoretica, Bd. 18, (im Hans Gerig Verlag): TB 269). Laaber-Verlag, Regensburg / Hans Gerig Verlag, Köln 1981, ISBN 3-921518-60-1.
  • Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre. Mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle (= Serie Musik Piper-Schott). Schott Verlag Mainz / Piper Verlag München 1979, ISBN 3-7957-8201-5 (Schott), ISBN 3-492-18201-1 (Piper)
  • Wieland Ziegenrücker: ABC Musik. Allgemeine Musiklehre. Neuausgabe. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-7651-0309-4.
  • Ferdinand Hirsch: Wörterbuch der Musik, Pawlak-Verlag, ISBN 3-88199-397-5, S. 202
  • James Tyler: A guide to playing the baroque guitar. Indiana University Press, Bloomington/ Indianapolis 2011, ISBN 978-0-253-22289-3, S. 50–56.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Merkformel: Der 2×3-Takt wird zu einem 3×2-Takt. S. Hermann Grabner: Allgemeine Musiklehre. 11. Auflage mit einem Nachtrag von Diether de la Motte. Bärenreiter-Verlag, Kassel u. a. 1974, ISBN 3-7618-0061-4. S. 41.
  2. Das Notenbeispiel stammt aus: Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre. Mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle (= Serie Musik Piper-Schott). Schott Verlag Mainz / Piper Verlag München 1979, ISBN 3-7957-8201-5 (Schott), ISBN 3-492-18201-1 (Piper) S. 51 Nr. 123.